Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-26 · Heft 39 (26.9.1882) · p. Seite 640

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 39 (26.9.1882)
Date
1882-09-26
Page
Seite 640 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227433--40223-3257849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nationale Bewegung, ja selbst um die Idee der Ko-1 hat, welche aber sie, die „Palästinänsler", untergraben und lonisirung Palästinas , die eine bestimmte Zukunft^ in Mißkredit setzen. Doch darübex nächstens mehr. F. (G. i- Deutschland. ' - -js'^ Bjerlin^i!.2. Sept. In den letzten Tagen ist wieder eine große. Anzahl erst vor Kurzem nach Amerika ausgewanderter Russi scher Juden auf. Kosten der Allianee Israelite mit der Hamburger resp. Lehrter Eisenbahn, und zwar mit. ersterer 497, mit letzterer 99, über Hamburg zurückbefördert worden. Dieselben wurden von einem Mitgliede des hiesigen Cvmites auf den Bahnhöfen empfangen und mittelst Fuhrwerks zunächst nach der Friedrichsstraße,No. 1. — dem eingerichteten Asyl — geschafft. Als Ursache ihrer Rückkehr gaben, einem hiesigen Blatte zufolge, die Auswanderer an, daß sie in Amerika zwar Arbeit gefunden hätten, daß sie aber zu schwach und entkräftet gewesen seien, den gestellten Anforderungen zu entsprechen. — In einem dem jüngst verstorbenen Rechtsanwalt Dr. Alberet Moßner gewidmetey Nachruf erinnert die „Trib." noch daran, daß Moßner dererste Jude war, der in Berlin (pnd eiM preußischen Universität überhaupt) als Doetor juris utriusque promoviren durfte (bis dahin creirte man Juden mir git Doctores juris civilis), und daß er der erste Jude war, der in Preußen zum Rechtsanwalt ernannt wurde. (So verhältnißmaßig jung ist dies Alles noch bei uns!) Dresden, 13. September. Die seit dem 10ten d. hier tagende „ internationale Antisemiten - Bersammlung" hat gezeigt, daß die ganze Agitation in der Abnahme begriffen und durch keine Reden und Manifeste zu erhalten ist. Das Contingent stellte Berlin mit Stöcker, Förster, Henrici, die sich übrigens in ihrem Zwiespalt producirten. Dann gab es einige Oesterreich-Ungaren und einen Russen, zusammen mit den zahlreichen Dresdnern etwa 300. Beim Festessen brachte Ritter von Zerboni (Oesterr.) den Trinkspruch auf Fürst Bismarck aus, den er als „den geistigen Vater des Antisemitismus" feierte. Die „Köln. Z." faßt ihr Urtheil in dem Satze zusammen: „Die antisemitische Bewegung kann. nicht schärfer .verurteilt werden, als durch die Aeußerung des Herrn Stöcker auf dem Congreß der Antisemiten in Dresden, daß eine Volksabstimmung in Deutschland nicht zur Austreibnng der Semiten, sondern zur Austreibung der. Antisemiten führen würde. Der Congreß wurde mit solcher Heimlichkeit abgehalten, daß die Vertreter der Presse auf i Ehrenwort versichern mußten, ihre Berschte dem Vorstände, zur Durchsicht vorzulegen, obgleich nur die befreundete Presse zugegen wari Einige weitläufige salbungsvolle Beschlüsse, die Herr Stöcker eingebracht hatte, gelangten zwar zur Annahme, werden abex schwerlich praktische Folgen habend Sse gipfeln in dem Verlangen, daß den Juden zwar möglichste BechtsgleichhM, aber nicht völlige staatsbürgerliche Gleichstellung zu gewähren sei. Obrigkeitliche Stellungen sollen den Juden nicht eingeräumt werden, ebensowenig Lehrämter an christlichen Schulen; auch soll die Capitalmacht durch eine einschränkende Gesetzgebung bekämpft werden. Auf welche, Weise, wird doch wohl Herr Stöcker anzugeben wissen!" ', - 7 , - Wir entnehmen noch folg. Berichte der „V, Z." Beim Antisemiten-Congreß ist die Zahl der Delegirten aus etwa 300 angewachsen, unter denen man den Hofprediger Stöcker, den Redacteur der „Kreuzzeitung" Dr. Hefter, den Missionsprediger de le Roi rc. bemerkte. Auch einige Delegirte aus Rußland find eingetroffen. Die Verhandlung wurde polizeilich nicht überwacht. Major a. D. v.Pr^dow (Berlin) wurde zum ersten, Äbg. von Simonyi (Budapest) zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Es.wurde dann der Antrag eingebracht: „Die anwesenden Vertreter der Presse auszuschließen." Es sind näml.ich mehrere Berichterstatter von conservativen bezw. antisemitischen Zeitungen, zumeist aus Berlin, einer aber auch aus Budapest, anwesend. Gegen den Antrag auf Ausschluß der Presse wandte sich Hofprediger Stöcker: Wenn die. hier anwesenden Berichterstatter sich auf Ehrenwort verpflichten, ihre Berichte vor deren Absendung dem Vorstände zur Durchsicht vorzulegen, so stehe deren Zulassung nichts im Wege. Die anwesenden Reporter fanden sich dazu bereit und wurden dann geduldet. An der Debatte betheiligten sich die Herren Stöcker, von Liebermann, Dr. Henrici, von Jstoczy (Budapest) und der Judenmissionsprediger de le Roi (Berlin). Herr Stöcker hält es für geboten, der „Alliance Israelite universelle“ eine ebensolche Anti-Alliance gegenüberzustellen, aber er verhehlt sich nicht, daß die antisemitische Partei noch eine schwache ist, und wenn es in Deutschland jetzt zur Volksabstimmung käme, ob die Semiten oder die Antisemiten ausgetrieben werden sollen, d i es.e dann zweifellos für die Au st re i.b un g d e r L etz t e re n aus fallen würde. (Zustimmung und Widerspruch.) Judenmissionsprediger de le Roi (Berlin) wünscht die Judenfrage auch vom christlichen Standpunkte gelöst, er meint aber, angesichts der gegenwärtigen egyptischen Wirren empfehle es sich, die Juden nach Egypten zu leiten, und wenn das nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.