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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-26 · Heft 39 (26.9.1882) · p. Seite 638

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 39 (26.9.1882)
Date
1882-09-26
Page
Seite 638 (sequence 6)
Language
German
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lismus und mit dem Jndifferentismus der jüdischen Intelligenz und 'Plutokratie für alles Jüdische den Kampf aufzunehmen, und den Bestrebungen des Slavianophilismus und Nihilismus, dreser-Tööfeinde des Judenthums, die Spitze zu bieten und ihnen so manche Beute aus ihren Klauen zu entreißen. Jenes Haustein Studenten, war es, dessen bewunderungswürdigem Eifer und besonnener Thäigkeit es gelungen" ist, zur Zeit, wo der unerbittlich strenge und rastlos wachsame General Suroff an der Spitze der hiesigen Polizei stand, der es unmöglich machte, nicht bloß die kleinste Versammlung, sondern auch kleine Familienfeste ohne obrigkeitliche Bestätigung abzuhalten, frequente Assemblöes von 50 bis 60 Mann stark zu Stande zü bringen, auf welchen der Grund zu dem Allem gelegt wurde, was an jüdisch-patriotischen und gemeinnützigen Unternehmungen im Verlaufe der letzten Jahre geschehen ist. Ihr Verdienst ist die Gründung der jüdischen Organe, an deren Gelingen Niemand damals glauben wollte: die Hebung und Förderung des Vereines zur Verbreitung der Bildung . . . der trotz der reichen Spenden seiner reichen Protektoren vollständig in Verfall gerietst, der Zuwachs der Mitglieder in der Kultusgemeinde, an welcher bis dahin die Intelligenz nur sehr geringen Antheil nahm, die Herausgabe der jüdischen Geschichte von Graetz in russischer Uebersetzung mit Anmerkungen von vr. H., von welcher bald der erste Band erscheinen wird, die Initiative zu dem sog. „Poliokoff'schen Fonds" zur Unterstützung von Handwerker-Schulen und Kolonien, und die Vorarbeiten zur Stiftung eines jüdischen Fraüenvereins, einer jüdischen Bibliothek, wo auch Borträge über jüdische Wissenschaft gehalten werden sollen, welche hoffentlich sich bald realisiren werden. Gott weiß, was nicht Alles dieses Häuflein Studenten zu Stande gebracht hätte, wenn einerseits ihr Beruf, welchem sie nach Absolvirung ihres Kursus sich zuwendeten, sie nicht genöthigt hätte, in der Provinz ihr Unterkommen zu suchen, und wenn nicht die greulichen Judenexcesse ausgebrochen wären, die Aller Aufmerk- - samkeit auf die drohende Gefahr lenkte. Das schreckliche Elend, das von allen Seiten in den letzten zwei Jahren die russische Judenheit so hart bedrängte, hat wiederum aus der Mitte der jüdischen Studentenschaft fürs Wohl ihres Volkes begeisterte Jünglinge hervorgerufen, die sich mit warmer Hingebung opferfreudig ans Werk machten, und die Träger der obengenannten nationalen Bewegung geworden sind. Allein die außerordentlichen Verhältnisse haben auch außerordentliche Agitatoren und Patrioten geschaffen. Junge Leute, die noch vor Kurzem zu den ergebensten entschiedensten Nihilisten gezählt wurden, oder die noch im vorigen Jahre lebhaften Antheil genommen an den bis zum Wahnsinn exaltirten Ovationen beim Leichenbegängniß des Romanisten Dostojewsky, des fanatischen Apostels des Slavianophilismus und des russischen Antisemitismus — der in seinem Vermächtnisse die Ueberzeugung ausspricht, daß Rußland nie seine Mission in der Geschichte erfüllen und seine Bestimmung erreichen wird, so lange noch ein Jude aus seinem Boden sich befindet — solche junge Leute , die das Judenthum und seine Geschichte höchstens aus den Pamphleten der russischen Judophoben kennen, sind urplötzlich meifrige jüdische Patrioten verwandelt worden und stehen mitunter au der Spitze der gegenwärtigen nationalen Bewegung. Im Geiste des russischen Materialismus oder sog. Realismus erzogen, ist ihnen meist die jüdische Religion — „ein überwundener Standpunkt", die jüdische Ethik — eine terra incognita, und die jüdische historische Mission, oder die jüdische Kulturaufgabe — purer Mysticismns. In russischer Gesellschaft und in der russischen Literatur ausgewachsen, sind sie noch heute nicht frei von den Vorurtheilen der Letzteren gegen , Juden und Judenthum; bei den Nihilisten zur Schule gegangen, existiren auch für sie weder heilige Traditionen, noch unerschütterliche Autoritäten, und maßen sie sich an, die einzigen Lenker und Leiter des harterprobten erfahrungsreichen Israel zu sein; gleich ihren Lehrern und Meistern ist ihnen das Volk, in dessen Namen zu handeln sie vorgeben, fremd und seine Ideale und seine Ziele sind ihnen völlig unbekannt. Wie für die Agitation ihrer Vorbilder, der Nihilisten, so sind auch für die ihrige chaotische Verworrenheit und verwirrende Unklarheit, unverzeihliche Oberflächlichkeit und unbesonnene Ueberstürzung, tollkühne Arroganz und bornirte Ignoranz, gegenseitiges Verdächtigen und mangelhafte Disciplin 'charakteristisch. Der „Raßwiet" ist, seitdem die besten Repräsentanten der Petersburger jüdischen Intelligenz, von welchen er ins Leben gerufen und stets inspirirt wurde — wegen einiger Differenzen mit seinem gegenwärtigen Redakteur, Herrn I. Rosenfeldt — sich von ihm losgefagt haben, das Organ der heißblütigsten „Palästinänsler" geworden. Wenn auch um die Fahne des „Raßwiet" sich bei Weitem nicht sämmtliche „Palästinänsler" schaaren, so ist er doch das Organ eines bedeutenden Bruchtheils derselben, welcher zu den anderen Gruppen, wie zu der Charkower, die unter dem Namen 1^2 bekannt ist und an deren Spitze unter Anderem die Herren M. Minz und I. Berjawsky stehen, und hauptsächlich in Konstantinopel thätig ist, wie auch zu der südrussischen, welche unter dem Namen ntyon hd' in Jaffa unter der Aegide D. Lewantin's wirkt, feindlich gegenübersteht. So ist wenigstens aus den Insinuationen und Verleumdungen, welche der „Raßwiet" gegen die, Vertreter jener beiden Gruppen veröffentlichte, wie aus den höchst kompromittirenden Enthüllungen von der Thätigkeit des Herrn Rosenfeldt, Redakteurs des „Raßwiet" als Repräsentant der „Palästinänsler" in dem in der Wochenchronik des „Woschod" erschienenen offenen Briefe der Herren Minz und Berljawsky zu urtheilen. Jedoch scheinen hier mehr Differenzen persönlicher als sachlicher Natur zu

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