Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1882)
- Date
- 1882-09-19
- Page
- Seite 629 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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629 wegen der Verschiedenheit der religiösen Bekenntnisse. Alle Religionen sind gleicherweise geachtet. 3. Jede Art von Schutz und alle Rechte sind den Israeliten gewährt. Sie genießen alle den Fremden zustehenden Rechte, wenn sie ihre Nationalität bewahren wollen, oder sind durchaus wie die Einheimischen behandelt, wenn sie sich Nationalismen lassen. Die Republik hat im Auslande zahlreiche Israeliten als Vertreter — Gesandte und Konsuln — unser jetziger Gouverneur der Provinz Azua ist Israelit, Herr M. G. Marchena. Es ist wahrscheinlich, daß in dem sich eben bildenden Ministerium er mit einem Portefeuille beauftragt wird. Nach diesem glaubwürdigen Berichte würde es nur noch angenehm sein, wenn von den in der Republik lebenden Israeliten eine Einladung ausginge. Bonn, 10. Septbr. (Notizen.) Am 3. d. verstarb zu Berlin der vr. jur. Rechtsanwalt Mossner, der sich innerhalb der Gemeinde und namentlich auch um den deutschisraelitischen Gemeindebund durch ausdauernde Theilnahme und Thatkraft viele Verdienste erworben hat und nun im besten Mannesalter hingeschieden ist. Am 6. d. fand die. feierliche Beisetzung statt. Eine überaus große Trauerversammlung erwies dem Verstorbenen die letzte Ehre. Zahlreiche politische und Humanitätsvereine, denen der Verstorbene angehörte, ließen durch Deputationen ihr Beileid aus-., drücken und reichen Blumenschmuck auf den Sarg nieder-, legen. Ein prächtiger LorLeerkranz mit Schleife trug die goldgestickte Inschrift „Der deutsche israelitische Gemeinde-, Bund in Trauer und Dankbarkeit". Rabbiner Dr. Maybaum feierte in seiner Gedächtnißrede den Entschlafenen als steten Freund der Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit. I e u i i i e f o n. Moses Mendelssohn und Äoh. G. Zimmermann. Von vr. AL. Kayserlrng. (Schluß.) Die Korrespondenz zwischen Mendelssohn und Zimmermann .wurde nun mehrere Jahre unterbrochen und erst 1784 mit dem Erscheinen von Zimmermanns Werk „Ueber die Einsamkeit" wieder ausgenommen. Nachdem Mendelssohn das Buch, von einem Schreiben begleitet, erhallen hatte, dankte er ihm den 1. September 1784 in folgendem Briefe.20) „Das herrliche Geschenk, das Sie mir mit Ihrem Werke „Ueber die Einsamkeit" gemacht, habe ich wohl erhalten. Meinen Dank sowie die Antwort auf das freundschaftliche Schreiben, mit welchem es begleitet war, habe ich bisher verschoben. Ich war willens das Werk selbst vorher mit der Aufmerksamkeit durchzulesen, die es verdient, weil ich wußte, daß dem Edeldenkenden recht genießen der schicklichste Dank sei. Allein es verließ kaum die Hände des Buchbinders, so bemächtigten sich desselben meine Frau, mein Schwiegersohn, meine Tochter^>), mein Sohn, die alle zwar gute aufklärungswürdige Menschen sind, an deren Vergnügen ich auch herzlichen Antheil nehme. Indessen geht das Werk noch immer in meinem Hause von Hand in Hand, und ich habe bisher nur einzelne Blicke hineinwerfen können. Zur sehr gelegenen Zeit haben Sie gesprochen, vortrefflicher Mann! Wir träumten von nichts als Aufklärung und glaubten durch das Licht der Vernunft die Gegend so aufgehellt zu finden, daß die Schwärmerei sich gewiß nicht mehr zeigen werde. 20) Bodemann, a. a. O. ^90 f. 21) Dorothea, welche sich Anfang April 1784 mit dem Bankier Simon Veit verheirathet hatte; m. s. mein Die jüdischen Frauen in der Geschichte, Literatur und Kunst (Leipzig 1879), S. 185. Allein wie wir sehen, steiget schon von der andern Seite des? Horizonts die Nacht mit allen ihren Gespenstern wieder empor... Das fürchterlichste dabei ist, daß das Uebel so thätig, so wirksam ist. Die Schwärmerei t h u t und die Vernunft begnügt sich zu sprechen. Der Lord Shaftesbury glaubte, Witz und Laune seien die kräftigsten Gegenmittel wider den Fortgang des schädlichen Aberglaubens. Allein bloßer Scherz vertreibt das Vorurtheil nur zum Schein. Aus Furcht per-., spottet zu werden, sucht man höchstens seine Albernheit zu verheimlichen. Man spottet wohl selbst mit, wo dieser Ton herrscht, und ist in seinem, geheimsten Schlafgemache, wie ich Beispiele gesehen, nichtsdestoweniger verführter und verführender Schwärmer. Der .beste Ton ist, wie mich dünkt, der, den Sie gewählt haben. Sie lassen dem gesunden. Menschenverstände die Laune zur Seite gehen, Sie geben der Vernunft ihre Nahrung und lassen auch die Einbildungs- und Dichtungskraft nicht darben. Man denkt und empfindet, bedauert, lacht und bewundert, nachdem der Gegenstand es erfordert. Wenn die Kinder Ihres Geistes so zu Hause ihren Unterhalt und ihre Beschäftigung finden, so werden sie desto weniger schwärmen. Es wäre zu wünschen, daß ein glück-: liches Kind der Vorsehung mit eben solchen Waffen wider den Atheismus, der bald der Vorläufer, bald der Nachfolger, der Schwärmerei ist, zu Felde zöge, ein Mann, der den hohen Ernst der Vernunft, sowie die sanfteste Wärme der Empfindung und alle Mittel einer reichen, aber, nicht verschwenderischen Einbildungskraft in seiner Gewalt haben müßte, mit einem Worte, wenn ich mir das Ideal desselben Porstellen will: ein Mann, der bas für die Sache, der Gottheit thun könnte,. was Winkelmänn für das (Heidenthum gethan. Dieser würde zu Ihrem Werke der Kunst den Pendant?