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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-19 · Heft 38 (19.9.1882) · p. Seite 630

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 38 (19.9.1882)
Date
1882-09-19
Page
Seite 630 (sequence 14)
Language
German
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630 ' " ' ' schreiben, und so hätten wir dem von allen Seiten einreißenden Nebel auch von allen Seiten zu steuern gesucht. Von meiner Seite muß ich es vor der Hand bloß bei dem frommen Wunsche bewenden lassen. Ich fühle mich zur Vollendungdieses erhabenen Werkes viel zu schwach. Indessen will ich, so lange mir die Vorsehung das Leben fristet, Materialien dazu herbeischaffen. Vielleicht bedienet sich derselben einst ein glücklicherer Sterbliches Und vielleicht — tröstend und herzstärkend ist dieser Wunsch für meine Schwachheit — vielleicht ist dieser glücklichere mein Sohn! Leben Sie wohl und fahren Sie fort mich zu lieben, Ihren aufrichtigen Freund Moses Mendelssohn. Es ist das ein köstlicher Brief, in dem sich der ganze Mendelssohn abspiegelt mit seinem Streben und Hoffen. Irren wir nicht, so steht in engem Zusammenhang mit biefem Briefe die etwas später in der „Berlinischen Monatsschrift" erschienene Abhandlung: „Soll man der einreißenden Schwärmerei durch Satyre oder durch äußerliche Verbindung entgegenarbeiten?"22) Dieselben Ideen, ja sogar dieselben Worte! Man höre gleich den Anfang dieser Abhandlung: „Shaftesbury war schon der Meinung: das beste Mittel, den Fortgang der Schwärmerei und des Aberglaubens zu hemmen sei Scherz und Laune . . . Aber er bediente sich dieser Methode nicht ohne weise Mäßigung . . . Am Ende giebt der Spott doch keinen Unterricht. Echte Aufklärung ist es doch, wohl nicht, wenn die Menschen aus Furcht, verspottet zu werden, ihre Albernheiten zu verheimlichen suchen. Sie ziehen alsdann höchstens die Maske der gesunden Vernunft vor, spotten wohl selbst mit, wo dieser Modeton herrscht, und sind nichtsdestoweniger in ihren geheimen Schlafgemachern, Schwärmer — verführte und auch verführende Schwärmer.. .." Es folgt nun noch ein Brief Mendelssohns an Zimmermänn, der bald nach dem Erscheinen der „Morgenstunden " geschrieben ist. „Ich bin so frei. Ihnen durch den Verleger von Leipzig aus ein Exemplar von meinen „Morgenstunden" zuschicken, davon ich die Materie Ihrer strengsten Kritik, die Form aber Ihrer gütigen Nachsicht empfehlen muß. Der Verfasser des klassischen Werkes „Ueber die Einsamkeit" muß wissen, daß das Belecken der jungen Gedanken der Mutter so sauer wird als das Gebähren. Das Ausbilden und Vollenden erfordert eine zweite Anstrengung, und ach! ich bin kaum der ersten noch fähig, die zum bloßen Berichtigen gehört. Die Veranlassung zur Bekanntmachung der „Morgenstunden" wollte ich in dem folgenden Theile anzeigen, aber Herr Jacobi ist^ mir zuvorgekommen und hat solche unter dem Titel: 22) . Moses Mendelssohns Ges. Schriften III, 4L3 ff. - - „Ueber Spinozas Lehrgebäude in Briefen an „Moses Mendelssohn" öffentlich bekannt gemacht. Dieses Büchelchen ist ein gar wunderbares Monstrum. Der Kopf von Göthe, der Leib von Spinoza und die Füße von Lav'äter! Von ganzem Herzen Der Ihrige _ Moses Mendelssohn.n) Auch diesem Brief fehlt das Datum, das zu bestimmen jedoch nicht schwer fällt. Man vergleiche diesen Brief mit dem Schreiben, das Mendelssohn nach dem Erscheinen der „Morgenstunden" an Kant richtete, welch' frappante Aehnlichkeit! Der Brief an Zimmermann beginnt fast mit denselben Worten wie der an Kant: „Ich bin so frei gewesen. Ihnen durch den Buchhändler Voß und Sohn ein Exemplar von meinen „Morgenstunden" zuzuschicken." Dann heißt es weiter: „Die Veranlassung zur Bekanntmachung dieser „Morgenstunden" wollte ich mir bis auf den zweiten Theil ersparen .... Herr Jacobi ist mir zuvorgeeilt und hat unter dem Titel:' „Ueber die Lehre des Spinoza, in Briefen an Moses Mendelssohn" eine Schrift herausgegeben, welche diese Veranlassung enthält.... Ueberhaupt ist diese Schrift des Herrn Jacobi ein seltenes Gemisch, eine fast monströse Geburt: der Kopf von Göthe, der Leib Spinoza und die Füße Lavater."2-i) ' Der Brief an Kant ist am 16. Oktober 1785 geschrieben, und scheint es uns nicht allzu gewagt, den Brief an Zinrmermann ebenfalls von Mitte Oktober 1785 zu datiren. Ob Mendelssohn noch einmal an Zimmermann geschrieben? Einige Monate später wurde er der Erde entrückt. . Vermischtes. Englisches Curiosum. Ein Rev. William Marsh-Lushingtvn hat der Universität Oxford 1000 L. St. vermacht mit der Bestimmung, die Zinsen zu verwenden, um jährlich' einige Predigten über ' die Geschichte und die Religion des jüdischen Volkes und zwar ganz besonders über die Rückkehr der Juden nach Palästina zu halten. Diese Predigten sollen nur den strengst orthodoxen christlichen Rednern anvertraut werden. Wir brauchen kaum hinzuzufngen, daß der Senat der Universität Oxford dieses Vermächtniß abgelehnt hat. 23) Bodemann, a. a. O. S. 29.1.. 24) Moses Mendelssohns Ges. Schriften V, 637 f.

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