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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-19 · Heft 38 (19.9.1882) · p. Seite 627

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 38 (19.9.1882)
Date
1882-09-19
Page
Seite 627 (sequence 11)
Language
German
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— Eine eigenthümliche Erscheinung in dieser Angelegenheit ist folgende. Vom Grafen Johann Palffy ist heute dem königlichen Ober-Staatsanwalt Alexander v. Kozma das folgende Schreiben zugekommen: „Hochgeborner Herr Ober-Staatsanwalt! Da ich das schwere Geschick der. anläßlich der Tißa-Eßlarer Affaire in Haft genommenen Untersuchungshäftlinge — welches wegen der Verworrenheit der Angelegenheit noch längere Zeit hindurch währen wird — zu erleichtern wünsche, bin ich so frei, zur privaten Verpflegung und zur Deckung der Bedürfnisse derselben hiermit 500 fl. zu widmen, und bitte ich zu diesem Behufe Ew. Hochgeboren achtungsvoll, mir bekannt zu geben, auf welchem Wege und in welcher Weise ich diese Summe den Betreffenden zukommen lassen kann,, damit sie zu jenem Zwecke verwendet werde, für welchen ich sie bestimmt habe. Ich bemerke, daß nach dem Verbrauche dieser Summe und für diesen Fall weiteren Bedarfes noch fernere 500 fl. Ew. Hochgeboren zur gefälligen Verfügung stehen. Indem ich Ihre geneigte Antwort in dieser Hinsicht erwarte, verbleibe ich achtungsvoll Ihr Diener Graf Johann Palffy. Budapest, 31. August 1882." Die Spende ist dankend angenommen worden. Frankreich. Paris, 7. Septbr. (Privatmitth.) Die Uliaooe isr. mriv. hat ihren Generalbericht über das zweite Semester 1881 und das erste Semester 1882 ausgegeben. Was in denselben Tatsächliches mitgetheilt wird, ist durch die Monatsberichte hinlänglich bekannt. Dagegen ist der finanzielle Th eil von Interesse. Die Einnahmen im zweiten Semester 1881 betrugen, wie auch die Ausgaben fr. 139,781; im ersten Semester 1882 fr. 166,428. Am 1. Januar 1882 betrug das Grundkapital fr. 882,948. — In Paris hat sich ein neuer, lobenswerter Verein gebildet, nämlich aus den früheren Schülern der Consistorialschulen. Derselbe will allerdings nicht blos bei gesellschaftlichen Vergnügungen verbleiben, hat sich vielmehr das Ziel gesetzt, in kameradschaftlicher Weise für diejenigen älteren Schüler zu sorgen, die in Noth gerathen, wie auch Schüler, welche die Schule verlassen, in die Lehre zu bringen und zu unterstützen. In den großen Städten sind kleinere zu wohlthätigen Zwecken verbundene Vereine im höchsten Grade nützlich, weil sie eben unmittelbar einzuwirken vermögen, eine Wirksamkeit, die um so zweifelhafter wird, je weiter ein Kreis gezogen wird. Es kann daher die Zahl solcher Vereine nicht genug vermehrt werden. — Hier hat der Uebertritt der Tochter des Barons Carl Meyer von Rothschild zu Frankfurt zum Katholicismus und ihre Trauung mit einem Prinzen von Wagram einen sehr schmerzlichen Eindruck - gemacht. Diese Ceremonien fanden hier statt, aber kein einziges Mitglied der Familie Rothschild wohnte ihnen bei. Ich sage „hier", denn innerhalb der jüdischen Gemeinde in Paris nehmen die Rothschilds eine wichtige Stellung ein. Der eine ist Präsident des Central - Consistoriums, der andere Präsident des Pariser Consistoriums und viele wohlthätige Anstalten hängen von den Rothschilds ab. (Die Napoleonischen Consistorien bestehen bekanntlich nur aus Laien, in welchen der betr. Großrabbiner stellvertretender Vorsitzender ist. Sie stellen also nicht einmal ein p mn öor.) In Deutschland ift dies anders. Nicht einmal an ihren Wohnsitzen, zu Franks, a. M. und Wien, üben sie auch nur den geringsten Einfluß auf die jüdischen Gemeinden aus und wird deshalb, was im Schooße dieser Familien vorgeht, gar nicht beachtet. Der Vater der Neophytin hat z. B. zu den Unterstützungen für die russischen Flüchtlinge nichts beigesteuert. Rußland. Petersburg, 16. August. (Ruski Evrei.) Man schreibt aus der kleinen Stadt Talno, Gouvernement Kiew: Schon während des letzten Jahres konnte, man die Tendenz der Juden sich den Grundbesitzern für die Feldarbeit zu vermiethen, wahrnehmen. Wegen ihrer Mäßigkeit und ihres Arbeitseifers haben die Juden überall den Vorzug vor den anderen Concurrenten gehabt. Und in diesem Jahre begeben sich täglich ungefähr 60 Juden aus unserer kleinen Stadt nach dem Grundbesitz des Grafen Schuwalow, wo man ihnen den Tagelohn mit 60 Kopeken bezahlt. Im vergangenen Jahre arbeiteten auf diesem selben Platze fast 200 Juden mit einer Bezahlung von einem Rubel per Tag. Aber trotz des bescheidenen Lohnes in diesem Jahre, ziehen die Juden diese Arbeit jeder andern vor, wie z. B. der des Lastträgers. Sie verrichten fast alle die verschiedenen Feldarbeiten, sie sammeln und binden die Garben, setzen sie in Haufen zusammen re., und es ist ein wahres Vergnügen zu sehen, wie sie so gut und schnell diese Arbeiten verrichten, die ihnen doch noch so neu sind. Und dies ist nicht etwa ein vereinzeltes Beispiel in .unserem Lande; überall arbeiten die Juden bei den Grundbesitzern, die sehr zufrieden mit ihnen sind. Vorausgesetzt nur, daß die berüchtigten „provisorischen Vorschriften" sich nicht darein mischen. Ich glaube übrigens, daß diese Vorschriften in dem gegenwärtigen Fall nicht anwendbar sind, indem die auf dem. Felde arbeitenden Juden nicht außerhalb der Städte und Dörfer wohnen, aber nur dort arbeiten. — An vielen Orten des Reiches sind jetzt die Gerichts- Höfe, namentlich die Militärgerichte mit der Aburtheilung der wegen der Judentumulte Angeklagten beschäftigt. Der Minister der Justiz hat, da die verschiedenen Staatsanwälte sich bei der Anklage auf verschiedene Paragraphen des Strafgesetzes stützten.

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