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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-12 · Heft 37 (12.9.1882) · p. Seite 613

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 37 (12.9.1882)
Date
1882-09-12
Page
Seite 613 (sequence 13)
Language
German
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feiert wurde, daß die Mitglieder der jüdischen Gemeinde ihre Hochachtung durch sinnreiche Geschenke, entfernte Freunde und Schüler durch Briefe, Telegramme und Gedichte ihre rege Therlnahme aussprachen, ist hier Wohl nicht zu verwundern. Lehrer Marx ist seit 35 Jahren in dieser Gemeinde; es ist seine erste und einzige Stelle seit seinem Austritte aus dem Seminar und er hat es verstanden, sich die Liebe und Achtung Aller zu erwerben, die seinem Hause näher traten. Daß aber auch die nichtjüdische Bevölkerung sich lebhaft beiheiligte, der Gesangverein z. B. ein solennes 'Ständchen schon am Vorabend brachte, am Tage ein sinnreiches Gefchen? überreichte; daß ein großer Theil der besten christlichen Familien des Ortes, der sich von jeher durch Intelligenz und! edlen Bürgersinn auszeichnete, seine Theilnähme in jeder Weise, durch Blumenschmuck und andere Spenden kund gab, ist ehrend für die Geber wie für die Empfänger. Es giebt dem schönen Familienfeste eine Weihe, die es zu einer Iieuilleton. Moses Mendelssohn und Zoh. G. Iimmermann. Von vr. W. KayferNng. (Fortsetzung.) ' Mendelssohns Zustand besserte sich allmählich, sodaß er es sogar wagen durfte, wie Nicolai an Zimmermann mittheilt, Lessin'gs neues Trauerspiel Einilia Galotti ganz zu lesen.") Den 25. Juni 1772, an demselben Tage, an dem er auch Michaelis in Göttingen schrieb 12), erstattete er selbst dem Leibmedikus Bericht über seinen Zustand in folgendem Briefe: „Erlauben Sie, daß ich den Platzregen von Briefen, von welchem Sie überfallen werden, um einige Tropfen vermehren darf. Meine Briefe haben den Vorzug, daß sie auf keine Antwort dringen und Ihnen vollkommen die Freiheit lassen, sie allenfalls ungelesen bei Seite zu legen. Ich bin kein Kranker mehr, der Ihrer schleunigen Hülfe bedarf. Ich bin Gottlob! größtentheils wieder hergestellt, und wenn Ew. Hochedelgeb. nur die Geneigtheit haben wollen, meinem Arzt, wie bisher geschehen, von Zeit zu Zeit einen kleinen Wink zu geben, wie er mich ferner zu führen habe, so habe ich die beste Hoffnung, mehr Hoffnung, als da ich das letzte mal das Vergnügen hatte. Ihnen zu schreiben 13), denn ich merke seit der Zeit eine tägliche Zunahme an Munterkeit und Kräften. Ich wohne jetzt in der angenehmsten Gegend des Thiergartens, besorge gleichwohl täglich meine Handlungsgeschäfte in der Stadt und kehre des Abends in das anmuthige Landhaus meines Freundes zurück, das am Ufer der Spree, dem Sulzer'schen Garten im Moabiterlande gegenüber liegt. Einer Reise nach Pyrmont widersetzen sich meine häuslichen Umstände! H) . . . . . Ich habe die Ehre, mit der aufrichtigsten Hochachtung und Verehrung zu fein Dero vom Herzen ergebenster __ ‘ Moses Mendelssohn.^) 11) Bei Bodemann, a. a. O. 301. 12) Mein Moses Mendelssohn 516. 13) Dieser Brief ist nicht auf uns gekommen. ' 14) Aehnlich klagt er in seinem Briefe an Michaelis, mein Mos. Mendelssohn 516. , 15) ' Bei Bodemann, a. a. O. 286. In der Korrespondenz zwischen Mendelssohn und Zimmermann, soweit sie uns erhalten ist, tritt nunmehr eine Pause von vier Jahren ein. Im Oktober 1777 begab sich Mendelssohn, vermuthlich in Geschäftsangelegenheiten, nach Hannover^), wo er statt acht bis zehn,Tagen, wie er anfangs beabsichtigte, beinahe zwei Monate blieb und die Freude hatte, Zimmermann häufig zu sprechen. Bald nach seiner Rückkehr nach Berlin richtete er an ihn folgenden, Vom 29. Januar 1778 datirten, in mehr als einer Hinsicht interessanten Brief:") „Es ist im genauesten Verstände wahr, was man von der Entzückung sagt, in welche Brockmann die sonst so frostigen Berliner zu versetzen gewußt hat. Als ich von Hannover zurückkam, war Alles so voll, so begeistert von seinem täuschenden Spiele, vornehmlich in der Rolle des Hamlet, daß sogar in allen Küchen und Bedientenstuben von nichts anders gesprochen wurde. Das Komödienhaus war in diesen Tagen so gepreßt voll, daß ich Mühe hatte, eine Stelle zu finden. Es hatte sogar einiges Frauenzimmer, aus Beysorge keine Stelle zu finden, wenn sie später' kämen, ihre kalte Küche mitgenommen und Mittags im Parterre gespeiset. Auch mich riß er völlig hin, und er schien alle Erwartungen zu übertreffen, die ich mir je von einem guten Schauspieler gemacht hatte. Man bekömmt in dieser Gegend nie so was zu sehen, und von dem elenden Spiele zu urtheilen, mit welchem die gewöhnlichen Schauspieler uns zuweilen vor die Augen treten, ist man in Gefahr Alles, was von der Kraft der Täuschung erzählt und geschrieben wird, für geflissentliche Uebertreibung zu halten, bis endlich ein Mann sich, zeigt, der wie Hamlet zu seiner Mutter sagt: 16) Der nach Jahr und Monat nicht datirte Brief Hamanns, den Carriere in Westermanns Jllustrirten deutsch. Monatsheften (1878, Mai, S. 164 f.) abdruckt, und in dem es heißt: „An unfern Freund Hrrn. Mendelssohn, wenn er von Hannover zurückgekommen ist, denke ich mit nächsten selbst zu schreiben", ist nicht, wie C. meint, am 23. oder 24. November 1778, sondern 1777 geschrieben. 17) Bei Bodemann, a. a. O. S. 288 f. 18) Brockmann, der bedeutendste Schauspieler seiner Zeitwar zu Anfang des Jahres 1778 in Berlin und feierte als Hamlet seltene Triumphe. Was Mendelssohn in Brockmann's Stammbuch schrieb, findet sich ges. Schriften IV, l. 120.

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