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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-12 · Heft 37 (12.9.1882) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 37 (12.9.1882)
Date
1882-09-12
Page
Seite 614 (sequence 14)
Language
German
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Hier! Hier! siehst du nicht? Und alsdann hat er auch unfern Glauben so fest, so sicher, daß er der Kritik hohnsprechen und der gesunden Vernunft die Thüre weisen kann. Erst bei der dritten, vierten Vorstellung kam es mir vor, als wenn ich eine Möglichkeit entdeckte, wie Garrick ihn dennoch übertroffen haben kann. Der Engländer, sagte ich mir, oder vielmehr meiner freigeisterischew Kritik zu seiner rechtgläubigen Empfindung, der Engländer mag vielleicht weniger gethan und eben dadurch mehr geleistet haben. Es schien mir als wenn Brockmann für den Charakter dieses Prinzen zu viel thue, sich zu lebhafte Bewegungen gebe und zu viel nachahmenden Geberden in sein Spiel mischte. Zuweilen war mir, als wenn ich einen feierlichen Gelehrten erblickte, wo ich das vornehme, Wesen eines Prinzen erwartete. Endlich glaubte ich sogar zu bemerken, daß er die allmähliche Gradation und die mannigfaltigen Abänderungen der Laune und Gemüthsbeschaffenheiten, in welche der Dichter diesen unnachahmlichen Charakter gerathen läßt, nicht genug studirt habe. Mit einem Worte: wenn ich meiner Kritik Gehör gebe, so kann der Engländer den Deutschen zwar nicht in dem täuschenden Ausdruck der Leidenschaften, wohl aber in der Kenntniß der großen Welt und in dem tiefen Studium seines Autors übertroffen haben. Jedoch getraue ich mich nicht, diese meine Gedanken öffentlich zu behaupten, um der Inschrift der Schaumünze, welche diesem großen Schauspieler zu Ehren geprägt worden, nicht geradezu zu widersprechen. Von dem ergötzenden Schauspiele auf den Tod Hallers zu kommen. Der Sprung ist wenigstens eben so groß als aus der täuschenden Zauberwelt in das wirkliche Leben. Was für eine Mederlage hat die gelehrte Welt -in Zeit von wenigen Monaten erlitten, Lambert, Gegner, Haller, LinNaeus, Ferguson, Robertson, Hume, Rollet! Alle diese großen Namen sind dahin! Hat sich etwa die Dummheit mit dem Tode wider uns arme Sterbliche in ein Freundschaftsbündniß eingelassen? Unser vortrefflicher Sulzer allein weiß sich noch gegen diese vereinigten Feinde zu behaupten. Gott weiß wie lange! Mich dünkt, Deutschlands Genius stehet auf Sie, vortrefflicher Zimmermann, und erwartet oder vielmehr fordert von Ihnen eine Zweite Lebensgeschichte des Herrn von Haller. Als Sie die erste schrieben, hatte Haller seine Laufbahn noch nicht vollendet, und Sie die Ihrige kaum betreten. Nunmehr hat jener die seinige geendet und Sie stehen auf der Ihrigen an einem Orte, wo Sie beides, Anfang und-Ende, in gleichem Lichte übersehen können. Die Arbeit, so groß sie auch sein mag, kann Ihnen doch lange so viel Mühe nicht machen, als Sie Verdruß haben würden, wenn sie in Pfuscherhände gerathen sollte, und dieses ist unausbleiblich, wenn Sie sich nicht bald Ihres großen Landsmannes annehmen. Leben Sie recht wohl, mein theuerster Freund! Ich erinnere mich, daß man Ihnen weder durch lange Besuche, noch durch lange Briefe Ihre kostbare Zeit rauben sollte. Leben Sie also wohl und fahren Sie fort mich zu lieben, Ihren aufrichtigen Verehrer und Freund Moses Mendelssohn. Dieser Brief erklärt einen Passus in dem Schreiben Mendelssohns an Zimmermann vom 12. Mai 1778 19), der Herrn Bodemann, wie er selbst gesteht, unverständlich war. Auch in diesem Briefe spricht Mendelssohn von Hallers Leben/ „Wenn vollends durch diesen Streit, — nämlich den Streit, welchen Zimmermann mit Lichhenberg wegen Lavater führte — Hallers Leben nur um einen Grad schlechter werden oder auch nur eine Messe später erscheinen sollte, so würde ich die Streitbegierde der Göttingischen Gelehrten von ganzer Seele verwünschen. Ihre Ankündigung hat mich überaus aufmerksam gemacht." Zimmermann hatte auf die Aufforderung Mendelssohns hin in der That den Plan gefaßt, das dreiundzwanzig Jahre früher von ihm erschienene „Leben Hallers" neu zu bearbeiten, das Erscheinen des Buches auch bereits angekündigt; es fehlte ihm aber an Ruhe und Zeit und so ließ er den Plan alsbald wieder fallen. (Schluß folgt.) 19) Moses Mendelssohn's Ges. Schr. Y, 549. Anzeigen. r*n werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- LXjL&v5JL d Uv folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich Ln die Annoncen-Fxped. von P. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Coln etc. zu adressiren. Eine geprüfte Erzieherin (mosaisch), die nebst Wissenschaft in Musik und Handarbeit unterrichtet, 4 Jahre auf einer Stelle gewesen, sucht zum l. Octbr. ein Engagement. Zu melden bei Lausnitz, Berlin, Königs grätzer Straße 62 II. [B. 13375] pTO mit Renom. i. f. jüd. Häuf. empf. s. A. Melnik, Berlin, Neue Friedrichstr. 25. More Ilaiidels-Facli-Scliule Erfurt. Das Reife.Zeugxtiss der Anstalt berechtigt für den einjährigfreiwilligen Militärdienst. - r-, Zöglinge von 13 Jahren ab finden in allen « Klassen (Quarta bis Prima) Aufnahme. Das g Wintersemester beginnt am 16. 0 et ob er c. 1 Prospecte u. Auskunft über Pension u. s. w. durch den Director Dr. Wahl.

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