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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-12 · Heft 37 (12.9.1882) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 37 (12.9.1882)
Date
1882-09-12
Page
Seite 607 (sequence 7)
Language
German
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607 rottung zu Stande kommt, welche sich aufs Ungeschlachteste Namen unserer Nation gegen jede Aeußerung zu protestiren, bemüht, die dunkelste Opposition zudem erhabenen und ftratjsj toetdje sich als die Vertretung unserer Nation geben möchte, lenden Fortschrittsgeist des 19. Jahrhunderts zu bilden. Es^Denn die großen und mächtigen Staaten, welche eine gleichist dies zwar nicht die Zukunftsmusik, wohl aber ein klein förmige Bevölkerung von 30, 40, 50 und noch mehr Millionen wenig Parsifal-Cichorie zur Belebung der Gemächlichkeit der besitzen, können ohne Schaden die Umtriebe ihrer Sondersächsischen Hauptstadt. Und das ist auch etwas. Es wäre auch schade, wenn es unterbliebe. Denn es würde nichts Anderes zum Vorschein kommen., als die Impotenz der Dummheitsschwärmer und Dummheitsspekulanten Angesichts des riesigen Lächelns der Verachtung der allgemeinen Aufklärung. Und es wäre dies von dem amüsanten Nutzen, daß wir dort all das vertreten sähen, was noch in einigen Staaten von der guten alten Zeiten Befangenheit, Aberglauben, Bigotterie, Haß und Eselei als lebendiges Ueberbleibsel eine Gespensterrolle spielt, und was zu ihren Täuschungen zu benützen die Schwindler der Winkelliteratur selbstverständlich auch jetzt nicht verschmähen. Warum befindet sich aber unter den Unterschriften des Aufrufs nicht die ihres berühmtesten Apostels, des h. Jgnatiew? Der Vorsitz auf jener Dresdener Synode gebührt ja keinem Anderen, als jenem moskowitischen Heerführer, den die französischen und englischen Blätter stets mit dem Prädikate „General Mendax", anführen? Ist denn auch die antisemitische Kirche Angesichts ihrer der Macht verlustig gegangenen oder gestürzten Chefs bei der Tugend der Undankbarkeit angelangt? Ja, die Leutchen reiten schnell wie die Todten. Und wir können es noch erleben, daß Henrici den Stöcker, oder daß Onody Jstoczy exkommunizirt. Dieser Letztere, der übrigens ein gebildeter und gescheidter Mensch ist, würde es verdienen, daß er durch einen Hinauswurf seitens des Jüngers bestraft würde. In jedem Falle muß ich da bemerken, daß ich der ganzen Dresdener Komödie, ob dieselbe nun zur Ausführung gelangt oder nicht, mit keinem Sterbenswörtchen Erwähnung gethan hätte, würde ich in der Liste der Unterschriften nicht auch die Namen unserer genannten beiden Landsleute erblickt haben. Da ich weiß, daß Italien, Frankreich und England mit dem grotesken Kongresse nichts zu thun haben; da Jedermann weiß, daß zur Brandmarkung der russischen Judenverfolgungen Papst Leo XIII., die Erzbischöfe und Bischöfe der englischen herrschenden Kirche, die Kardinale der englischen Katholiken, der Pariser Erzbischof mit vielen seiner Bischofs- Kollegen und mit so weltberühmten Erscheinungen der höchsten französischen Intelligenz wie Viktor Hugo, Renan, Gambetta u. A. in seltener Gefühlsübereinstimmung ihr verdammendes Urtheil darüber ausgesprochen haben; und da sich schließlich die ganze Intelligenz Deutschlands schämt, daß ihr Ruf der Civitisation von einigen Wahnsinnigen und von etwelchen bei diesen schmarotzirenden Wühlern verdunkelt wird: wird es unsere Pflicht, die Pflicht des ungarischen Stammes, anläßlich Hes Dresdener antisemitischen Trödelmarktes im linge, Narren und Betrüger gegen all' das verwinden, was mit dem Begriffe der Civilisation zusammenhängt; in einem Staat wie Ungarn aber, mit einer verhältnißmäßig so geringen Bevölkerung, begehen all' Jene ein Verbrechen gegen die Lebensfähigkeit der Nation, die dieselbe vor der fortschreitenden Welt in den Verdacht der barbarischen Zurückgebliebenheit und unverbesserlicher Wildheit bringen. Man muß daher über den Gegenstand sprechen, wie unangenehm immer es auch ist, sich mit der Dummheit zu beschäftigen. Wohl wäre das Schweigen bequemer und zöge dasselbe auch keine Angriffe nach sich; so lange ich aber Journalist bleibe, berathschläge ich mich Angesichts von beabsichtigten oder unbeabsichtigten Agitationen gegen die Existenz-Interessen meiner Nation nicht mit meinen Bequemlichkeitsneigungen, sondern mit meinem Pflichtgefühl und von dem letzteren nehme ich auch die Befehle an. Darüber aber kümmere ich mich nicht, daß ich sofort durch dieses mein Auftreten den Angriffen der in ihren „Geschäften" Gefährdeten ausgesetzt sein werde; da die antisemitischen politischen Revolverhelden mit ihren unfläthigen Zungen und mit ihren schmutzigen Federn meine Familie, die nicht vorhanden ist, nicht beleidigen können, bin ich die einzig und allein gegen meine Persönlichkeit etwa zu richtenden giftigen Angriffe bereits so gewohnt, daß ich über deren Ausbleiben vielleicht erwachen würde. Kurz, ich will Eines und das Andere über die antisemitischen Wühlereien, wie auch über Einiges, was die Juden zu thun hätten, sagen. Bor Allem aber will ich in meinem nächsten Artikel erzählen, was Kossuth, den ich zu Beginn des laufenden Monats in Turin zu sprechen die Ihre hatte, über die antisemitischen Agitationen empfindet." Nachschrift. Soeben wird eine Eingabe des Verthei-, digers Eötvös an den Minister des Innern veröffentlicht, welche die ganze Reihe der Ungesetzlichkeiten und Gewaltthätigkeiten enthüllt, welche der Untersuchungsrichter und Genossen gegen den 13jährigen Moritz Scharf verübten, um ihn zu einer, seine Eltern gravirenden Aussage zu bringen. Wir werden dieses wichtige Dokument in nächster Nummer analysiren. Zugleich verbreitet sich in Pest die Nachricht, daß man den Knaben in seiner Haft — in Ungarn hält man 13 jährige Zeugen in Haft! — so weit gebracht hat, daß er sich wolle taufen'lassen! Also nun. auch ein Mortara! Welche Schmach über das Land der „ritterlichen" Nation!

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