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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-12 · Heft 37 (12.9.1882) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 37 (12.9.1882)
Date
1882-09-12
Page
Seite 605 (sequence 5)
Language
German
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als die. ihrigen bekannte und bekennt,. ist den -Juden selbst keine Wahl gelassen: sie. können für die „Rechte"- nicht.stimmen, sondern müssen den Liberalen sich zuwenden. Damit hat auch die Königstreue und die Dankbarkeit/gegen den Fürsten Bismarck, sowie die Förderung der . Pläne desselben auf - dem Gebiete der Unfallversicherung. und der. Altersversorgung, der Kranken- und Armenpflege nichts zu-schaffen. Diese Ideen , werden sich Raum und Verwirklichung erringen, unbeschadet der Parteikämpfe, die unserer Meinung nach nur dazu dienen, Licht über die Mittel und Wege zu ihrer Realisirung zu schaffen. Wir schließen mit der nochmaligen Bemerkung, daß wir uns gar nicht anmaßen, unseren Glaubensgenossen eine politische Direktive zu geben, . sondern daß wir nur unserer Pflicht nachgekommen sind, Meinung gegen Meinung zu erörtern. Wir unsrerseits wünschen sehnlich den Zeitpunkt herbei, wo von politischer Meinung der Juden als solcher gar nicht mehr die Rede sein könnte, weil ihre gesetzliche Stellung im Staate so gesichert ist, daß diese irgend welcher besonderen Berücksichtigung gar nicht bedarf, wie dies z. B. in Nordamerika, Frankreich, Italien, Holland, Belgien u. s. w. der Fall ist. Me Vorgänge in Ungarn. Das Dunkel lichtet sich immer mehr. Was wir bei dem Auftauchen der Tißa-Eßlarer Affaire sofort aussprachen, daß hier eine antisemitische Jntrigue und Verschwörung zu Grunde liegt, erweist sich durch Thatsachen so sehr, daß die Ungarn selbst ihre Augen nicht mehr davor verschließen können, nur daß es sich zu unserm tiefen Bedauern herausstellt, wie diese antisemitische Verschwörung in die höchsten Kreise' hinaufreicht und dem gerichtlichen Verfahren die ganze Direktive gegeben hat. Es geht bereits so weit, daß die höchsten Justizbehörden vor. der Alternative stehen, ihre Mitschuld einzugestehen oder sich gegen diese schwere Anklage offen zu vertheidigen. Damit aber Niemand der Meinung sei,/als ob wir, die Betheiligten, diese Anklage erheben, entnehmen wir das Material aus. den national-magyarischen Blättern,- wie wir dies bis jetzt gethan haben. . Das „Pesti Hirlap" schreibt: „Es ist uns nunmehr unmöglich, weiter zu schweigen; es ist uns unmöglich , nicht unsere Stimme zu erheben in jener unseligen Angelegenheit, welche als Tißa-Eßlarer Affaire bekannt ist./ Es hieße die Pflichten! einer ehrlichen Presse infam verletzen-- würden wir nicht auf jenes -schreckliche Gewebe von Versäumnissen,- Nachlässigkeiten, Mißbräuchen, Gewaltthätigkeiten, Dummheiten und Skandalen Hinweisen, deren Fäden der Gerichtshof im. Vereine. mit dem Justizministerium schon seit Monaten zusammenspinnt und/ welches die Tißa-Eßlarer Affaire zu. einem noch viel berüchtigteren/Punkte in .unserer 'Kulturgeschichte; macht als die Frage, ob die Juden 'zu rituellen Zwecken Christenblut gebrauchen oder nicht?;. Wir fragen nicht, ob Juden oder.Andere das arme Mädchen ermordet haben, noch ob der Mord ein rituelles oder gemeines Verbrechen gewesen? Wichtiger als all dies ist die Frage, ob es in Ungarn eine Strafgerichtsbarkeit und eine Leitung der Justiztzflege giebt und ob bei diesen beiden die individuellen Rechte Respekt haben? Denn wenn die Regierung und die Gerichtsbehörde in allen Angelegenheiten das Vorgehen befolgen würden, wie im Tißa-Eßlarer Falle: dann wäre es in der That schade, eine so kostspielige Gerichts-Institution aufrecht zn erhalten und die Mitglieder derselben jährlich mit zehn Millionen zu bezahlen. Dann wäre es besser, wenn Jedermann sein Leben, sein Hab und Gut und seine Freiheit seiner eigenen Faust und seiner eigenen Waffe anvertrauen würde. * v Denn jene Juden sind entweder unschuldig oder sie sind schuldig: Sind sie unschuldig: so müssen sie freigelassen werden. Sind, sie schuldig,: so soll man sie henken. Aber daß man ihre Haft sowohl, als auch die Angelegenheit'des Weiteren in; bie Länge ziehe, die Aufregung nähre, einen Bockstreich nach dem andern begehe, die Reputation unserer Nation und Justizpflege hier in Ungarn, wie auch im Auslande mit Schmach bedecke: dagegen müssen wir auf das Eifrigste.- protestiren. . Der Herr Minister Pauler möge mit seiner Einfalt und Muthlosigkeit' seine/ eigene Haut zu Markte tragen, nicht aber die Ehre der Nation. Im Endresultat ist es gleichviel, ob Dummheit oder Böswilligkeit diese Untersuchung führte Thatsache ist, daß das Ergebmß diesen Untersuchung gleich Null ist; die Angelegenheit kommt nicht vom Fleck. Das Publikum wird tagtäglich durch die unsinnigsten Gerüchte alarmirt; . einzelne/gerichtliche Organe füllen sortwährend die Zeitungen mit wahren oder erdichteten Mittheilungen; der Justizminister, schweigt, als ob er fortwährend schliefe; inzwischen wird die Nation in einer so hochwichtigen Angelegenheit von europäischem Interesse vom Untersuchungsgericht oder Gerichtshöfe an der Nase herumgeführt — wohin, wissen diese selbst nicht. Zum Untersuchungsrichter wird ein junger Mann bestellt, derjetzt erst den Schulstaub abgeschüttelt, der keine Menschenkenntniß hat, das Gesetz in der Praxis jetzt erst kennen lernt und der. ohne schwere Gesetzesverletzung gar nicht zum Untersuchungsrichter bestellt werden kann. Nichtsdestoweniger geschieht dies bei uns; seit fünf Monaten sieht der Justizminister ruhig zu, wie in den Händen./dieses jungen, inkompetenten Individuums diese Angelegenheit verkümmert - und mit ihr auch das Ansehen der Justizpflege. . Der.russische : Czar wird getödtet — die Untersuchung bringt in zwei Monaten Alles an den Tag. Das Ringtheater, brennt ab , es! kommen dabei fünfhundert Menschen um, die Untersuchung

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