Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1882)
- Date
- 1882-09-05
- Page
- Seite 597 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Rev. Isidore Myers, von Sandhurst in Australien, der eine Reise nach verschiedenen Theilen der Kolonie unternommen hat, um Beiträge für den Mansion House Fund zu sammeln, wurde von dem Bischof von Melbourne mit Einführungsschreiben an die Geistlichkeit der anglikanischen Kirche versehen, worin der Gegenstand der Sendung warm empfohlen war. Er hat bereits Eaglehawk, Castlemaine und Kyneton besucht und erfreute sich überall einer guten Aufnahme. (Jewish World.) Palästina. Jerusalem, 5. August. Der „Köln. Ztg." schreibt man von hier: Was Jerusalem betrifft, ist hier der Gegensatz zwischen Mohamedanern und Christen nicht besonders heftig. Eher sind Reibungen zwischen den erstern und den ansässigen Juden zu befürchten. Die Zahl der letztem hat sich binnen wenigen Jahren von 8000 auf über 15000 gehoben und sie bereiten den mohamedanischen Kleingewerbtreibenden eine erdrückende Konkurrenz, indem sie sich Geld zu 5 Procent zu verschaffen wissen, während die Mohamedaner dasselbe schwer zu 20 Procent erhalten. Alle diese Umstände nähren den Haß der Mohamedaner . gegen die Juden. Der Gouverneur unterläßt aber nichts-, .um jeder Störung der öffentlichen Ruhe auch in dieser Richtung zuvorzukommen. Bonn, 27. August. (Notizen.) Bei der diesjährigen Preisbewerbung der juristischen Fakultät der Universität Berlin errang den ersten Preis Raphael Josephson, .ein junger israelitischer Student aus Potsdam. — In einer Korresp. aus Kopenhagen in Nr. 31. d. Ztg. wurden die Juden aufgezählt, welche Minister gewesen oder sind. Unter diesen fehlt, wie die Arch. isr. bemerken, David Raynal, der Arbeitsminister in dem Kabinet Gambetta gewesen. — Man schreibt uns aus Nord hausen vom 23. Aug.: Heute wurde unser Gemeindeältester, der Rentier Herr Lazarus Schönheim nach vollendetem 82. Lebensjahre zur Erde bestattet, lieber ein halbes Jahrhundert stand er im Dienste der Gemeinden Bleicherode und Nordhausen, die Ehrenämter eines Vorbeters, Repräsentanten und Zedoko-Verwalters bekleidend. Er war vielleicht der erste Abonnent auf die Literaturwerke des Instituts zur Verbreitung der jüd. Wissenschaft, wie er oft erzählte. Eine große Anzahl jüdischer und nichtjüdischer Freunde folgte seiner Bahre, die ganze Gemeinde Nordhausen, Deputationen aus Bleicherode, der Männerbildungsverein, die Gesangvereine Concordia und Orpheus, deren langjähriges Mitglied der Verblichene gewesen, sie alle kamen, letztere mit den Vereinsfahnen, um dem würdigen Veteranen das letzte Geleit zu geben. Am Grabe sprach Rabbiner Dr. Leimdörfer über den Text Jes. 56,5 und schilderte in ergreifender Weise. Leben und Wirken des in der Geschichte unserer Gemeinde eine hervorragende Rolle spielenden Mannes, der im Geburts- Hause eines weltberühmten Hebräers (Wilhelm Gesenius) verstorben sei. Vor und nach, der Leichenrede stimmten die christlichen Gesangvereine erhebende Choräle an. Des verdienten Mannes Andenken sei uns zum Segen. — In dem Hörsaal der Knabenschule der jüdischen Gemeinde fand am 25. d. eine Gedächtnißfeier für den vor einem Jahre verstorbenen Rektor A. Horwitz, den Leiter der genannten Anstalt, statt. Um 11 Uhr versammelten sich die Schüler der. Knabenschule, die Zöglinge des Lehrerseminars, welches letztere dem Verstorbenen seine Entstehung verdankt, sowie die Lehrerkollegien beider Anstalten. Nach einleitendem Gesang hielt der interimistische Leiter der Anstalten, Dr. Simon, die Gedächtnißrede, worauf abermaliger Gesang die Feier beschloß. — Die isr. Gemeinde zu Rotterdam hatte den Rabbiner Dr. Rahm er in Magdeburg zu ihrem Rabbiner ’ gewählt^ Dr. Rahmer hat aber die Wahl abgelehnt. Ke ui lle t o n. vermischtes. Ein historisches Kuriosum. Im Archive der Prager Synagoge befindet sich ein von dem wegen seines religiösen Fanatismus bekannten Kaiser Ferdinand II. unterm 18. Januar 1622 ausgestelltes Adelsdiplom, welches vom böhmischen Kanzler Popel von Lobkowitz und dem bekannten Geheimschreiber Philipp Fabricius kontrasignirt ist. Diese Nobilitirungsurkunde ist. deshalb von hohem kulturhistorischen Interesse, weil sie die erste Adelsbelehnung eines jüdischen „Hofhandelsmannes" betrifft. Der Inhalt desselben ist in Kürze: „In Berücksichtigung des redlichen Wandels, und der getreuen Dienste, die Baßchevi vulgo Jakob Schmiles der k. k. Kammer durch allerhand Eröffnungen in Beziehung auf die Regalia und Jntrada bisher erwiesen, und täglich moch erweist, wird er sammt Weib, Kindern und. Hausgesind in besonderen Schutz und Schirm genommen, die ihm von den früheren Kaisern Rudolph und Matthias ertheilten Freiheiten nicht nur bestätigt, sondern auch noch andere hinzugefügt. Es wird ihm, seinen Erben und Nachkommen .gestattet, überall in den kaiserlichen Erblanden, es sei in Städten, Märkten und Flecken, gleichviel, ob dort Juden wohnen oder nicht, auch in Prag und Wien und wo immer, sammt den ©einigen §u wohnen, Häuser zu erwerben, und allenthalben öffentlichen Groß- und Kleinhandel jeder Art zu betreiben. Sowohl er persönlich als auch sein Vermögen und seine Realitäten sind von jeglicher Art Steuern und Abgaben, auch seine Maaren, wenn er dem Hoflager nachgeht, von