Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1882)
- Date
- 1882-09-05
- Page
- Seite 596 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Wahnwitz und die Böswilligkeit bemächtigt haben, um Haß und Unfriedenin die ungarische Bevölkerung zu tragen, därf nicht einen Augenblick auch nur der Schatten des Verdachtes bestehen bleiben, als ob das Gerichtsverfahren von unlauteren, oder ungesetzlichen Motiven beeinflußt wäre. Fm Interesse'der Reputation der ungarischen Justiz verlangen wir daher amtliche Aufklärung. Oder soll der irrige Glaube Wurzel fassen, daß in dem speciellen Falle nicht im Namen des Königs, sondern im Namen irgend eines Konventikels Recht geübt wird? Noch einmal daher — rasche und entschiedene Aufklärung! Das Publikum hat das Recht, sie zu verlangen, der Minister hat die Pflicht, sie zu ertheilen. Kremsier, im August. Der in Olmütz kinderlos verstorbene Beit Mandls von hier vermachte der hiesigen israelitische!: Kultusgemeinde ein Vermögen von ca. 35,000 Guld., deren jährliche Zinsen zur Unterstützung armer Kranken, armer Waisen und Studirenden und zu Heirathsausstattungen armer Bräute bestimmt sind. Brody, 20. August. (V, Z.) Endlich naht der Zeitpunkt, mit welchem wir unsere jüdischen Gäste, die russischen Flüchtlinge, ganz los werden dürften. Noch befinden sich hier etwa 1000 Familien mit über 4000 Köpfen; die Rücksendung nach Rußland nimmt aber einen ungestörten und glätten Verlauf, nachhem Graf Tolstoy angeordnet hat, daß den Remigranten Pässe, bezw. Legitimationskarten zum Ueberschreiten der Grenze anstandslos zu ertheilen seien, sofern die Zurückkehrenden nur Nachweisen können, daß sie russische Unterthanen sind. Um diesen Nachweis zu erleichtern, ist Hier mit Genehmigung des österreichischen Ministeriums des Inner:: der dem russischen Konsulate attachirte Gensdarmerie-Kapitan Debil eingetroffen. In Folge dieser wohlwollenden Disposition des russischen Ministers, welche die Furcht vor einer Bestrafung wegen unerlaubter Auswanderung beseitigt, in Verbindung mit den. ungünstigen Nachrichten über das Schicksal der nach Nordamerika geschafften und zum Theil bereits wieder zurückgekehrten Glaubensgenossen regt sich bei den Juden selbst mächtig der Wunsch, in ihre gewohnten Verhältnisse wieder zurückzutreten. Nur 'Diejenigen, welche sich dem Heeresdienste entzogen haben, können nach Rußland nicht zurück. Sie sollen nach andern Ländern, besonders nach Frankreich und England, verschickt werden; es ist dies eine nicht zu erhebliche Anzahl, ungefähr 100 Familien. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die ganze Angelegenheit in der ersten Hälfte des September erledigt sein. Das ist um so erfreulicher, als beim Herannahen der rauhen Jahreszeit ein größer Bedarf an Kleidungsstücken zu decken sein würde und an manchen Orten Galiziens eine epidemische Krankheit aufzütreten beginnt, welche vorerst nur Cholerine genannt wird, aber einen nicht gutartigen Charakter zu haben scheint. Brody, 24. August. Der hiesige russische-.Konsul wurde vom Grafen Tolstoi telegraphisch angewiesenden in die Heimath zurückkehrenden jüdischen Flüchtlingen die Passirung der Grenze möglichst zu erleichtern und dieselbe auch schon gegen einfache Zertifikate des Komit6s, mit Absetzung von allen sonstigen Formalitäten, zu gestatten. Bon morgen ab werden täglich etwa vierhundert jüdische Flüchtlinge von hier in ihre Heimath repatriirt werden. Aus Galizien, im August. (Privatmitth.) Wie überall, wo der Antisemitismus in irgend einer Schicht der Bevölkerung einigen Anklang zu finden hofft, sich Handlanger einstellen, welche Borurtheile und Haß gegen die Juden zu wecken und zu schüren, zu ihrem Erperb und Handwerk machen , so auch in Galizien. Hier ist es besonders die „Gazeta Narodowa", welche den wüthendsten Geifer in jeder Nummer ausspritzt und sich der schamlosesten Lügen zu diesem Zwecke bedient. Der Tißa-Eslarer Prozeß dient ihr dazu, die furchtbarsten Schreckensbilder von den blutgierigen Juden zu entwerfen. Daß unter den Triester Jtalianissimi einer oder der andere Jude sein soll, wird ausgebeutet, um die Juden fämmtlich der höchsten Undankbarkeit gegen die österreichische Regierung zu zeihen, und dieses erfrecht sich ein Blatt, das im Sinne der Polonissimi schreibt! Natürlich macht die Leidenschaft blind und die G. N. wird oft blödsinnig. So beschuldigte sie sogar die Juden , das Bombardement der Engländer auf Alexandrien, sowie die. ganzen egyptischen Wirren verursacht zu haben! Und nun sage man, daß der Glaube an Hexerei aufgehört habe! . . Lemberg, 22. August. Meldung der „Pol. Korr.": Die Zahl der aus Amerika zurückgekehrten Wischen Emigrirten, welche die Repatriirung nach Rußland einer kläglichen Existenz in Amerika vorziehen, nimmt immer zu. In Deutschland, namentlich in Breslau, erwarten 1000 zurückgekehrte jüdische Flüchtlinge ihre Weiterbeförderung,, welche vom Breslauer Hilfskomitö besorgt wird. Großbritannien. London, im August. Am 25. Juli hielt das Mansion House Committee eine Sitzung unter dem Präsidium des Obersten Lenox Prendergast. Der Fond beläuft sich auf 102,329 Pfund, wovon 78,987 Pfund ausgegeben worden. Es wurde mitgetheilt, daß über die Flüchtlinge in Amerika, namentlich im Westen, befriedigende Nachrichten eingelaufen seien. Unter den Auspicien des Earls Shaftesbury, der Vicomteß Strangford, Mrs. Finn u. A. hat sich in London ein Komitä zur Ansiedlung russischer Juden ln Nordsyrien gebildet. Die erste Subskriptionsliste weist. bereits 3391 Pfund (meist von Nichtjuden gespendet) auf. Wie wir aus bester Quelle vernehmen, schreibt die „Jew. Chr.", ist die Nachricht,, daß mit dem „Pollux" 400 Emigranten aus New- Aork zurückgekommen seien, vollständig unbegründet. — Der