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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-05 · Heft 36 (5.9.1882) · p. Seite 594

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 36 (5.9.1882)
Date
1882-09-05
Page
Seite 594 (sequence 10)
Language
German
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buiig; welche sich die ^uberi von jeher anzueignen suchten, ging, er auf das "segensreiche Wirken Epsteins " über , welcher mit einer vielseitigen, allgemeinen- Bildung und mitden gründlichsten tälmudifchen und juristischen'Kenntnissen ausgestattet, 40 Jahre hindurch im großh. Oberrath der Israeliten, die jüdischen Angelegenheiten besorgte und sich die höchsten Verdienste um die Regelung des jüdischen Kirchen- und Gemeindewesens, sowie um die Gründung und Hebung der jüdischen Schulen erworben hat. Auch vergaß Rabbiner Schwarz nicht-' die außeramtliche Thätigkeit des verewigten Epsteins namentlich in den Zeiten, in welchem es sich um die'Vertheidigung der Rechte seiner Glaubensgenossen, sowie Mm die Gewinnung der allgemeinen Rechtsgleichheit handelte, und die fortwährend nachwachsenden Früchte dieser umfassenden Wirksamkeit, in der anerkennendsten Weise zu würdigen. / Aus Süddeülschland, 24. Aug. (Privatmitth.) Kaum daß durch die Erlasse des neuen Fürstbischofs von Breslau die Aussicht auf einen neuen „Kulturkampf" eröffnet worden, fö Äirft sich die ultramontane Presse wieder auf die Juden und Macht sie —^ so lächerlich dies auch ist — für die Aufregung verantwortlich, welche die Schritte jenes Kirchenfürsten ln Protestantischen und in Regierungskreisen Hervorrufen. Die Juden sollen es sein, welche auf einen neuen Kulturkampf bestehen! Als ob wir Juden nicht schon genug an dem zu tragen haben, was man unmittelbar gegen uns ausübt. Freilich machen es sich diese turbulenten Skribler sehr leicht, wenn die pTribüne", die „Rat.-Z.", die „Boss. Z.", an deren Redaktion bekanntlich kein einziger Jude betheiligt ist, sich gegen den Fürstbischof aussprechen, so sind sie „verlüdet", folglich die Juden an allem Streite schuld. Nicht minder geben diese Blätter, wir citiren z. B. die hier erscheinenden ,-Deutsche Reichs-Post" und „Deutsches Volksblatt", in jeder Nummer die abscheulichsten Berichte in der ' Tißa-Eßlarer Affaire, in denen sie alle möglichen greulichen Beschuldigungen gegen die Juden als erwiesen und wahrheitsgetreu produziren. In der That muß man das deutsche Volk in'seiner großen Mehrheit als vernünftig und voll Neigung zur Gerechtigkeit anerkennen, wenn es allen diesen Wuthausbrüchen niedrigster Leidenschaft gegenüber eine kühle Ablehnung bewahrt. - ■' ■ - ' Wolffenbüttel, 24. August. (Privatmitth.), Die alte hochverdiente Samsonschule begeht am 27. August Voxmittags 11 Uhr die Einweihungsfeier ihres neuen Schulgebäudes,' das einen abermaligen Beweis von der stets frisch aufstrebenden Lebensfähigkeit der Anstalt Zeugniß giebt. Die Anstalt zählt jetzt 74 Zöglinge. In den letzten beiden Jahren erlangten' 11'Zöglinge die Reife für das Einjährig - Freiwilligen -Exämen. Unter den Zöglingen befinden sich 16 Freizöglinge, 3 Legatenpensionaire und 48 zahlende Pensionaire. Bon 5 Stadtschülern gehören 3 der evangelischen- 1 der katholischen und 1 der jüdischen Konfession an. Die Schule umfaßt 6 Klassen. Der selige Jakob Nachod, der seine Erziehung in dieser Anstalt genossen, hat ihr ein Legat von 1500 Mark zu erziehlichen Zwecken hinterlassen. x 1. Friedberg, Hessen, 20. August. (Privatmitth.) Im Anschluß an die dieser Tage stattgehabten Realschulprüsungen fand am 12. d. M. im Lokale der Augustinerrealschule unter Leitung des Herrn Lehrer Heß und in Gegenwart des Großh. Realschuldirektors Herrn vr. Möller, einiger Vertreter der höheren Schulbehörde und Geistlichkeit, sowie mehrerer anderer Lehrer und Angehörigen der Schüler eine spezielle Prüfung der israelitischen Realschüler in der Religionslehre von der achten bis zur ersten Klasse statt. Ohne auf die Einzelnheiten derselben näher einzugehen, sei uns gestattet/ zu berichten, daß das Ergebniß im Ganzen ein recht befriedigendes gewesen und von der Vörtrefflichkeit der jetzigen Einrichtung und dem vereinten Streben des Lehrers und der Schule Zeugniß ablegte. Sämmtliche Examinanden bis auf verschwindend kleine Ausnahmen beweisen, durch die schnelle und korrekte Beantwortung der an sie gestellten Fragen ihre gründliche Vorbereitung in den ihrem Alter entsprechenden Religionswissenschaften, als: Glaubens- und Pflichtenlehre, biblische und nachbiblische Geschichte, Literaturgeschichte bis etwa zur Zeit Moses Mendelssohns. Die Prüfung währte nahezu zwei Stunden und folgten die Zuhörer derselben mit sichtlichem Interesse. — Nicht unerwähnt wollen wir lassen, -daß . auch-an der hiesigen-Musterschule der fragliche Unterricht in gleicher Weise geordnet ist und wir diese segensreichen Veranstaltungen nicht allein dea neuen Schulgesetzen, sondern auch der Initiative des Stadtraths Herrn Eduard Hirsch verdanken, der mit Hülfe der hiesigen Schulbehörde und des genannten Lehrers Herrn Heß System und Plan in diesen Unterrichtszweig brachte. Zu wünschen wä^e noch, daß auch den fakultativ ebräischen Fächern eine eben solche Aufmerksamkeit seitens der Rabbiner und Vorsteher zu Theil werdenmöge. Oesterreich-Ungarn. Von der Donau, 23. Aug. Wie man vom Justizminister Dr. Pauler voraussetzte, hat derselbe sich auf die Seite des Untersuchungsrichters Vary geschlagen. Es wurde von Seite der Ober- Staatsanwaltschaft entschieden, daß der Herr Vice-Staatsanwalt E. Nagy unter ausdrücklicher Betonung dessen, daß man in seinem bisherigen amtlichen Vorgehen in dieser Affaire nichts Tadelnswerthes gefunden, aber wegen seiner jüngsten Publikationen nicht mehr die Eignung besitzt, in dieser Affaire als Staatsanwalt zu fungiren. Es wird deshalb als sein Nachfolger — da der Staatsanwaltsposten in Nyiregyhaza feit dem Selbstmorde Both's noch immer vacant ist — entweder ein provisorischer Ersatzmann ad hoc bestellt, oder die Besetzung des vakanten Staatsanwaltspostens unverzüglich vorgenommen werden.

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