Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1882)
- Date
- 1882-09-05
- Page
- Seite 591 (sequence 7)
- Language
- German
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M ^lnpartellichkeit meiner Auffassung und Behandlung der betr. Frage ttn schmeichelhaftes Zeugniß abgiebt, aber trotzdem durchaus mcft zutreffend ist. Ich bin kein Christ und gehöre überhaupt keiner der bestehenden Religions- und CultusgeseÜschaften weder innerlich. noch äußerlich an, sondern stehe in diesem Punkte tatsächlich auf dem Boden der in der Fabel von den drei Ringen enthaltenen Anschauung und nur, wenn man auch dieser Anschauung den Namen einer „Religion" gehen will, bin ich Mitglied, einer Wohl sehr zahlreichen Religionsgesellschaft, deren größter Therl allerdings aus praktischen Gründen nominell noch bei änderen Kutten „eingeschrieben" ist." — Herr Diehl läßt sich noch weiter über seine Ansichten aus, und in wiefern er sie in seinem Lustspiel ausgesprochen hat, was uns jedoch an dieser Stellte nicht werter interessirt. Redakt. Berlin, 23. Äugust. Herr vr. M. Lazarus; ordentlicher Honorar-Professor an der hreMen Universität, hat den RÄhen Ählerorden 4. Klasse erhalten. Die vielen Freunde des verdienstvollen Mannes werden an dieser Auszeichnung desselben den lebhaftesten Antheil nehmen. — — Gegen den Redakteur des „Deutschen Tageblattes", August v. Zobeltitz, würde gestern vor der HI. Strafkammer hiesigen Laydtzerichis i. eine Anklage wegen Beleidigung verhändelt. In Nr. 204 vom 2Ö. Oktober v. I. brachte datz Blatt, einen Äokalarftkel über Berlins Phhsiögnomie am Tage der HeichÄagMahl und. in. demMen würde gesagt, daß vor dem Wahllokale des „Hotel de. Säxe" in der Bürgstraße die Zettekvertheilev des Kandidaten Liebermänn v. Sonnenberg vielfach von den Juden insultirt, theilweise sogar zur Erde geworfen worden seiend namentlich hatten sich darin die Juden Gideon und Hamburger hervorgethan. Der Kaufmann Äidion, welcher Mitglied des im „Hotel de Saxe" versammelten Wahlvorstandes war, bezog diesen Artikel auf sich. Nachdem er vergeblich eine Berichtigung nachgesucht hatte, veranlaßte er die gerichtliche Verfolgung des Herrn von Zobeltitz. Letzteter legte Gewicht auf die im Artikel gebrauchte Schreibweise „Gideon" und bestritt, Hrn. Gidion überhaupt gemeint zu haben. Da in Berlin ein Gideon nicht existirt, so erachtete der Gerichtshof diesen Einwand für verfehlt; der Staatsanwalt chatte mit Rücksicht auf die gehässige Tendenz, welche das „Deutsche Tageblatt" den Juden gegenüber überhaupt habe Und die in diesem Artikel besonders grell hervorgetreten; ferner auf die Thatsache, daß hier dem Zeugen, der an jenem Tage eine gewisse amtliche Funktion Hatte, eine nichtswürdige Handlungsweise zum Borwurf gemacht worden, eine Geldstrafe von 150 Mk. beantragt. Der Gerichtshof erkannte dementsprechend, indem,er die Beleidiguüg als eine schwere ansah. Berlin, 24. August.. ^PxivätMtth^ Wie in diesem Blatte wiederholt vorausgesetzt worben, fangen die Antisemiten von hZrofefsion, die Stöcker und Henrici zu den bevorstehenden Landtägswahlen an, sich wieder zu rühren. Henrici hält sog. Bblksverfammlungen, m denen er nach wie vor seine Brandreden geßen die Juden losläßt und Stöcker spricht überall, wo er spricht, wie jüngst in Jürihs seine Meinung übtr die „Judenfrage" aus. Wir kennen zwar einen § 130 des Strafgesetzbuches, der lautet: „wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschieden^ Klassen der Bevölkerung zu Gewalttyatigkeiten gegen einander öffentlich attreizt, wird mit Geldstrafe bis zu 200 Thalern oder mit G'efäügniß. bis zst zwei Jahren bestraft;" wir haben auch von Ünem Minist'erialerläß gelesen', der den Sicherheftsbehörden befiehlt, solche Brändredner zu sistiren — aber Henrici treibt bis jetzt ungestört sein Unwesen in der Hauptstadt de'S deutschen Reiches. Es versteht sich, daß Stöcker und Henrici verschiedene Wege gehen; jener ist Diplomat, diirser Demä'goH, jener ist orthodox',. dieser antikirchlich. Aas Zerwürfniß ist da und bekundet sich in einem Probeste, den Skocker m seinem „Reichsboten" gegen Henrici erhebt. Wir wollest die Häuptstellen heräüsheben, obschon wir weder auf dieses Krwürfniß noch aus diesen Protest irgend ein Gewicht legen. Wir möchten fast meinen, daß Henrici den Vorzug verdient, denn seine Ausdrucksweise ist so offen und zugleich so extrem, daß nur blödsinnige Menschen davon geblendet werden können, sein Charakter äb'er nicht darunter leidet. Die diplomatische Weise des Herrn Stöcker aber gewinnt viel leichter Anhänger, stellt ihn vor jedem Strafrichter sicher, so daß, wenn die Henricische Methode den Sieg erlangte, er sich die Hände in Unschuld Wäschen würde. Der „Reichsbote" sägt: „Die antisemitischen Versammlungen und Red'en haben nachgerade einen Charakter angenommen, gegen den wir uns gedrängen fühlen, öffentlich zu protestiren. Wir haben Uns stüher schon wiederholt entschieden gegen die leidenschaftliche Art, wie Herr vr. Henrici eine so ernste wichtige Sache, wie die Judenfrage, behandelt, ausgesprochen; nächgetade haben wir es aber hier nicht mehr bloß mit einer aus jugendlichem Eifer erklärbaren Leidenschaftlichkeit. sondern mit erstem gefährlichen Fanatismus zu thün, der leichtdie Bolksmassen zu Ausbrüchen förtrerßen kann, welche nicht bloß die Juden, Deutschland.