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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-09-05 · Heft 36 (5.9.1882) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 36 (5.9.1882)
Date
1882-09-05
Page
Seite 590 (sequence 6)
Language
German
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ist, die Heiligkeit des Tages noch einmal in ihrem hellsten Licht zu zeigen und ferner die Bearbeitung der Pisman-Anfangssätze in Nr. 242—248. Von bedeutender Wirkung sind auch die drei Schlußsätze Schma Jisrael, Boruch und Adonai hu hoelohim. Damit wäre die Festtags-Synagogepmusik zu Ende. Es kommt nun noch eine Reihe von Chören und Soli für Chanukka, Purim, 9. Ab, für Trauungen, Beerdigungen, patriotische und Nationalfeste, Einsegnungen und ein Anhang — enthaltend Präludien und Ritornelle. Ohne auf die Besprechung einzelner Nummern einzugehen, darf ich getrost das bisherige Urtheil auch hierauf anwenden: überall eine Fülle von glücklichen Inspirationen, ein ganz außergewöhnlicher Melodienreichthum verbunden mit eminentem contrapunktischem Geschick, die Harmonisirung auf das Künstlerischste zu gestalten. In besonderem Maß tritt dies hervor in den Nummern 257, 268, 269, 271, 272, 273 und 274. Die beiden letzteren — Einsegnüngsmotette — beweisen ganz besonders wie gerade diese Art der Kirchenmusik von L. bemeistert wird. Dies veranlaßt mich auch auf seine früher erschienenen 18 liturgischen Psalmen (Leipzig, Breitkopf & Härtel; Preis 8 Mark) zurückzukommen, aus welchen am deutlichsten zu ersehen ist, wie tief der Componist in das Studium der alten Klassiker eingedrungen ist und wie anderseits sein Schaffensgeist noch so rüstig und produktiv ist. Um wieder auf mein Hauptthema zurückzukommen, so sei mir gestattet auf einige kleine Verstöße in demselben aufmerksam zu machen. Die consequettte Verwechslung des „r" mit „z" habe ich bereits oben erwähnt; Seite 141 soll das Vorzeichen durchweg statt jj richtiger {? heißen. Seite 44 im 4. Takt geht der Sopran mit dem Ast in Quinten; allerdings ist die zweite Quinte eine kleine, also der Lapsus ein geringerer, aber ein nichts deftoweniger zu rügender. Nr. 146 beginnt in g moll und schließt incorrekterweise in einer anderen Tonart (d moll). Das sind aber alles Unregelmäßigkeiten, die dem großartigen monumentalen Ganzen gegenüber auch nicht im Entferntesten ins Gewicht fallen können. Das Werk ist mit großem ausdauerndem Fleiß ausgearbeitet und zusammengestellt, so daß die spätesten Geschlechter dem Componisten noch Dank dafür wissen werden. * Lewandowski hat sich aufs Neue ein ewig währendes Denkmal gesetzt und so lange es ein Judenthum giebt, wird der Name Lewandowski nicht vergessen werden. — Auch die Ausstattung des Werkes ist eine vortreffliche und der Preis ein äußerst mäßiger; denn dasselbe kostet trotz seines 338 Folio- Seiten starken Umfangs nicht mehr als 30 Mark — ein winziger Betrag für all das'Schöne, Gute und Erhabene, das in dem Werk geboten wird. L. Levi. Bonn, 8. Aug, Eduard v. Hartmattn hat abermals ein starkes Werk veröffentlicht: „Das religiöse Bewußtsein der Menschheit im Stufengange seiner Entwickelung". Wir' kommen auf dieses Werk zurück. Hartmann bot uns früher manmchfache Veranlassung, seine Ansichten über ^üdenthum und Juden als einseitig und ungerecht zu kritisiren. Um so näher liegt es uns, nächzusehen, wie er sich in diesem Werke darüber äussprichf. Er sä^t Seite 478:'"„Dans Mitgefühl als tröstende Theilnahme und hilfsbereiter^LÄeswllle tritt von jetzt ab (das heißt nach der Zerstreuung der Juden) in - den Mittelpunkt der jüdischen Moral. Laß die Weinenden nicht ohne Trost und trauere mit den Traurigen. Bei eigener Fröhlichkeit auch der Armen liebend zu gedenkenden Elenden und Nothleidenden nicht ohne Hilfe zu lassen, seinen Ueberfluß an Geld nicht zu vergraben, sondern durch Unterstützung des Nächsten sich einen Schatz von guten Werken zu sammeln, das sind die Grundsätze, an denen das Judenthum bis auf die Gegenwart treu festgehalten hat. Zorn, Haß, Feindschaft und Rachsucht gegen den Nächsten widersprechen der Hoffnung, die man auf die Gnade Gottes setzt; man muß zuerst dem Nächsten vergeben, wenn man selbst auf Vergebung rechnen will'. ..? Und Seite 479^eißt es ferner: „Wohlthätigkeit und Familiensinn, Arheitsamkert und Streben nach Bildung und Mehrung der Erkenntniß sind die schönsten Züge des Judenthums, die ihm auch für die Folge treu geblieben sind, und durch die es noch heute den Alkern, unter denen es wohnt, als Muster und Vorbild nützlich werden kann. Sie sind es gewesen, die diesen kleinen Stamm vergrößert und vor dem Untergänge bewahrt haben; denn sie haben ihm jene starke Vermehrung verschafft, welche ihn zur Auswanderung und Kolonienbiidüng. 'nöHigte>' .und. sie haben den jüdischen Kolonien allüberall jenes Gedeihen verschafft, welches trotz aller partiellen Zerstörungen den jüdischen Stamm als ganzen alle Stürme der Geschichte hat überdauern lassen, und ihm auch für die Zukunft eine fortschreitende Prosperität neben den fruchtbarsten Völkern der Erde (Deutschen, Iren, Chinesen) verbürgt." — Wir erhalten aus München vom 7. August eine Erklärung des Herrn August Die hl, die hier zu geben wir nicht umhin können. Sehr geehrter Herr! „In Nr. 31 der Allgem. Zeitung d. Fudenth. wird einer kurzen Besprechung meines Lustspieles „Meier und Mayer" („Die Antisemiten") unter anderem der Satz vorausgeschickt, daß es jetzt gelte, vorzugsweise diejenigen Kampfgenossen in dem vergangenen Streite hervorzuheben, welche „als christliche Mitstreiter für uns eintraten". Aus dieser Bemerkung, im Zusammenhalt mit dem Umstande, daß in dem betreffenden Artikel kein weiterer Mitstreiter außer mir genannt wird, ist offenbar zu schließen, daß ich für einen Christen gehalten werde, welche Annahme' zwar für die

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