Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1882)
- Date
- 1882-08-29
- Page
- Seite 580 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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eines Hauses, in welchem sich eine jüdische Schule befindet, geschah eine Explosion, durch welche das ganze Haus sammt allen in der Schule anwesenden Erwachsenen und Kindern in die Lust gesprengt wurde. Die Explosion entstand durch Unvorsichtige Handhabung eines Lichtes in der Nähe von Pulverfäßchen, die ein Eisenhändler im Keller hatte, welcher mit Pulver verbotenen Handel trieb. Die Detonation war so stark, daß die Fensterscheiben der benachbarten Kirche gesprungen sind. Gleich zu Beginn der Katastrophe erschienen Polizei und Militair auf der Unglücksstätte, und es wurden aus dem Schutte des zusammengestürzten Hauses eine Anzahl ganz verstümmelter . Leichen, sowie viele menschliche Gliedmaßen hervorgezogen. Die Zahl der Verunglückten ist noch nicht konstatirt, weil nicht, bekannt ist, wie viele Kinder während der Katastrophe in der Schule waren. Rumäniens Galatz, 20. Aug. Bon dem Central-Komitö der rumänischen Auswanderung erhalten wir folgendes Telegramm: „Am 18. sind mit dem Lloyd-Dampfer 228 (rumänische) Emigranten, vollständig ausgerüstet zur Ackerbaukolonie abgefahren, die Einschiffung machte großes Aufsehen, und hatte eine große Menschenmenge angezogen. Die Auswanderer sind voll Enthusiasmus." Man kann dem Komite.zu diesem ersten Werke nur Glück wünschen! .. Bonn, 20. August. (Notizen.) Man schreibt uns aus Württenberg vom 10. August: Letzten Sabbat fand ln Baisingen die hundertjährige Feier der dortigen Synagoge statt; die Festpredigt hielt Herr Bezirksrabbiner vr. Silberstein von Mühringen. — Man berichtet aus Berlin vom 14. August. Gestern Vormittag 10 Uhr fand die Traüerfeier für den verstorbenen Geheimen Kommerzienrath Jacob Landau im Trauerhause Wilhelmstraße 71 statt. Der große Saal der Wohnung war durch schwarze Draperien in eine Trauerkapelle umgewandelt, brennende Kandelaber ergossen ihr Licht über den Sarg, der vor Kränzen, Palmen und Blumen kaum sichtbar war. Außer den Angehörigen hatten sich Vertreter der Diplomatie, Oberbürgermeister v. Forkenbeck, mehrere Stadträthe und Stadtverordnete, letztere in ihrer Amtstracht, Vertreter der Kaufmannschaft, sowie die Chefs fast sämmtlicher großen Bankinstitute eingefunden. Der Rabbiner Herr Dr. IM hielt die Trauerrede. Die Beisetzung erfolgte auf dem jüdischen Friedhofe. — Aus Amerika wird berichtet: Einer der jungen russischen Emigranten, S. Freundlich, Zimmermann, 21 Jahre alt, etablirte sich in Huston (Texas) und wußte sich in dieser Stadt schnell den Ruf des tüchtigsten in seinem Handwerk zu erwerben. Schon nach zwei Monaten konnte er 250 fr. seinem alten Vater in Rußland senden. Eine gleiche Summe schickte der Bruder desselben, der in Milwaukee als Bierbrauer etablirt ist und sie haben sich vorgenommen, während des Sommers den Vater nach Amerika kommen zu lassen. — Aus Also - Kubin (Ungarn) wird uns unter dem 6. d. M. geschrieben: Heute wurde Herr vr. S. Feuerstein, zur Zeit in Pest, zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Derselbe wird anfangs September seine Stelle antreten. Ieuilleion. Moses Mendelssohn und Ioh. G. Zimmermann. Bon vr. W. Kayserttng. „Sie fragen, welches denn die schweizerischen Schriftsteller find, die unter den Deutschen zuerst angefangen, die Menschen in der großen politischen Gesellschaft mit wahren philosophischen Augen zu betrachten? Ich glaube Ihnen die Namen Jselin und Zimmermann mehr als einmal genannt zu haben . . So beginnt Mendelssohn den 143. Brief, die neueste Literatur, betreffend, in dem er die 1760 erschienene verbesserte Auflage von Zimmermanns berühmter Schrift „Vom Nationalstolz" beurtheilt und dieselbe in ihrer neuen Gestalt „für eine der feinsten Ausarbeitungen hält, die wir im Deutschen haben." Zimmermann, der nach Beendigung seiner medicinischen Studien in seiner Geburtsstadt Brugg, der aargauischen „Prophetenstadt", als Stadtrath und Schriftsteller lebte, bis er im Juli 1769 einem Rufe als k. großbritannischer Hofrath 1) Mos. Mendelssohn's gef. Schriften IV, 2, 224 ff. und Leibarzt nach Hannover folgte, hatte unfern Mendelssohn früh achten und schätzen lernen; „in seiner Hochachtung für diesen außerordentlich großen, liebenswürdigen und' tugendhaften Lehrer der Wahrheit und des Geschmackes: mischte sich", wie es in seinem Briefe an Nicolai vom Juli 1765 heißt, „so viel Zärtlichkeit, daß er sogar mit dankvollem Herzen seine Ruthe küßte." . Das freundschaftliche Verhältniß zwischen Mendelssohn und.Zimmermann, das durch die von Hrn. Archivar Bodemann 2) in Hannover in neuester Zeit veröffentlichten bisher ungedruckten Briefe an Bedeutung und Klarheit gewonnen hat, beginnt zu Anfang des Jahres 1771; damals hielt sich Mendelssohn mehrere Tage in Hannover auf und lernte Zimmermann persönlich kennen. . Kaum drei Viertel Jahr später bot sich diesem Gelegenheit, Mendelssohns Besuch in Berlin zu erwidern: sein Augenleiden hatte sich nämlich derart verschlimmert, daß er sich einer Operation unterziehen 2) Ioh. G Zimmermann. Sein Leben und bisher ungedruckte Briefe an denselben u. s. w. (Hannover. 1878). \