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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-08-29 · Heft 35 (29.8.1882) · p. Seite 579

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 35 (29.8.1882)
Date
1882-08-29
Page
Seite 579 (sequence 11)
Language
German
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579 Quelle vernehmen, entbehrt die in mehreren Blättern enthaltene Nachricht jedes Grundes, als ob der jüngst in Nyiregyhäza behufs Amts-Inspektion weilende Ministerialrath Berezely hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Staatsanwalt und Untersuchungsrichter Verfügungen getroffen hätte, welche den in dieser Angelegenheit von der Budapester Ober-Staatsänwaltschaft ertheilten Instruktionen widersprechen. Ministerialrath Berezely hat den betreffenden Organen die strikteste Beobachtung der bestehenden Vorschriften eingeschärft und darüber dem Justizminister einen ausführlichen Bericht erstattet, welcher auf Grund desselben die entsprechenden Verfügungen getroffen hat." Dieser Erklärung gegenüber halten wir, sagt der „P. L.", die Mitteilung unseres heutigen Morgenblattes vollkommen aufrecht. Wir wissen nicht, was Herr Dr. Pauker „unter striktester Beobachtung der bestehenden Vorschriften" versteht — wir werden uns demnächst erlauben, in dieser Richtung über einige sehr konkrete Punkte Aufschluß zu verlangen — aber wir wissen, daß unsere Mittheilung auf unanfechtbaren Thatsachen beruhen. Pest, im August. (Privatmitth.)' Die böswillige Behauptung, der man gerade jetzt wieder so oft begegnet,'daß die Juden sich mit der Nation nicht amalgamiren, wird durch die unparteiische Statistik am schlagendsten widerlegt. Budapest zählt gegenwärtig 70,227 Juden, welche zumeist in der Leopoldstadt und Theresienstadt wohnen. Nach den Protestanten h. G. finden sich unter den Juden die meisten Magyaren und sprechen 79 0/0 der jüdischen Bevölkerung ungarisch. Daß die Juden auch hier mehr als eine andere Konfession für die Bildung ihrer Kinder sorgen, ergiebt sich aus dem Verhältnisse der Kinder, welche nicht lesen und schreiben können. Während sich unter den Protestanten 13 °/0, unter den Katholiken 19 % finden, giebt es unter den Juden nur 11 °/o, welche des Lesens und Schreibens nicht kundig sind. — In Wien betrug nach dem von dem statistischen Bureau ausgegebenen Berichte die Zahl der im Jahre 1881 geschlossenen Ehen im (Nanzen 6297, davon wären 429 israelitischer Konfession, was im Verhältniß zu den früheren Jahren eine Abnahme zeigt. Pest, 14. August. (Privatmitth.) Die Tißa-Eßlarer Affaire ist noch nicht weiter vorgeschritten. Die Gerichtsprotokolle über die aüfgefundene Leiche der vermeintlichen Esther Solymosi sind endlich den Verteidigern übergeben undauch in den Journalen veröffentlicht. Das Protokoll schildert, in detaillirter Weise den Leichenfund in Dada und die Agnoscirungsversuche in Dada und Eßlar. Von den 20 christlichen Personen, welche zur Besichtigung der Leiche zugelassen wurden, wollten sechs Personen, darunter auch ein Verwandter der Solymosi, in derselben die Esther erkennen. In dieser räthselhaften Angelegenheit ist von Herrn Prof. Dr. Hermann Strack in Berlin in der Evangelischen Kirchen-Zeitung unter dem Titel „Tißa-Eßlar oder gebrauchen die Juden Christenblut?" ein längerer Artikel erschienen, der nichts Neues enthält, doch aber einen guten Eindruck macht. Lemberg,'10. August Wie man der „Pol. Cor." meldet, betrug, dem amtlichen Ausweise zufolge, die Zahl der jüdischen Flüchtlinge aus Rußland in Brody am 29. Juli 6121 Individuen. Vom 16. bis 31. Juli sind in den Emigranten-Familien 13 Kinder geboren worden. Eine nachträgliche Zählung konstattrte überdies 47 Personen, welche anfänglich in Folge eines Jrrthums nicht konskribirt worden waren. Die russische Emigration zählte daher am Schluffe der bezeichneten Periode 6181 Seelen, wovon jedoch 23 Individuen, die mit Tod abgingen, in Abrechnung zu bringen sind. In der Zeit vom 30. Juli bis zum 4. August wurden über Radziwilow 907 Flüchtlinge, über Nowosielica 51 nach Rußland repatriirt. Nach Amerika wurden 18 Personen befördert. Fünf wurden polizeilich ausgewiesen. Am 5. August befanden sich somit in Brody 5194 Emigrirte. Niederlande. Haag, 16. August. Der „A. A. Z." schreibt man: Das Bestreben, das Elend der aus Rußland geflüchteten Israeliten möglichst zu lindern, ist hier immer noch sehr rege. So wurde hier noch vor wenigen Tagen eine sog. Fancy fair eröffnet, wozu verschiedene Tausende von Geschenken, und darunter sehr werthvolle, von Bekennern aller Konfessionen, wie auch seitens des Kronprinzen, gespendet wurden, und deren Ertrag ebenfalls diesem Zwecke zugewendet werden soll. Außerdem wurden hier zahlreiche jüdische Arbeiter aus Rußland bei verschiedenen Arbeitgebern untergebracht. Die Aufführung dieser Unglücklichen ist eine so musterhafte, daß man sich nunmehr an das Centralkomite der „Alliance israelite“ in Paris gewendet hat, damit dasselbe die Beförderung weiterer der sich in Brody aufhaltenden jüdischen Arbeiter aus Rußland nach Niederland veranlasse. Dieses Ergebniß stimmt übrigens mit den in Paris erzielten Resultaten, wo bis jetzt 1500—1800 solcher Arbeiter untergebracht wurden. Mit Rücksicht auf diese neue Einwanderung hat die städtische Regierung Rotterdams bereits ein geräumiges Gebäude zur vorläufigen Aufnahme der-betreffenden Arbeiter angewiesen. (Was uns hoch erfreut, ist, daß die Niederlande ihren alten Ruhm abermals bewähren, und daß die russischen Juden sich so trefflich erproben!) Rußland. . Grodno, im August. Aus Krakau ist der „N. fr. Pr." am Sonnabend telegraphisch gemeldet, daß daselbst ein Privatbrief ängekommen ist, welcher über eine schreckliche Katastrophe in Grodno, der am Riemen gelegenen Hauptstadt des gleichnamigen russischen Gouvernements, berichtet. Im Keller 34*

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