Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1882)
- Date
- 1882-08-22
- Page
- Seite 564 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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gezwungen sind, zu kampiren.v Das besagte Cornits nimmt 20 fr. pro Familie, um sie in ein Register einzutragen, wodurch sie'eventuell das Recht erlangen das Stück Land in Besitz zu nehmen, das man kaufen wird, wenn man die Mittel, dazu findet. Die Emigranten, getäuscht in ihren Erwartungen, haben ihre Gelder reklamirt, die das Comite wieder herausgeben mußte aus Furcht vor Verfolgung. Man fagt mir, daß es in-Konstantinopel 150 Familien und in Korfu 50 andere gebe, die auf dem Wege nach Palästina seien, wo dasselbe Schicksal sie erwartet. Bonn, 13. August. (Notizen.) Ueber das Gemälde, durch welches der Maler Jsaac Brasch den Michel-Beer'- schen Preis erlangt.hat, läßt sich die „Voss. Z." folgendermaßen aus: Der „Hieroglyphen-Maler" von Jsaac Brasch, welcher diesem jungen Künstler zu dem Michel-Beer'schen Reisestipendium verhalf, ist eine ungewöhnlich tüchtige Leistung an sich und verspricht für die Zukunft ihres Autors. Der darauf dargestellte halbnackte jugendliche Egyptier steht zwischen dem etwas schräg gestellten Deckel des vor ihm aufgepflanzten Mumiensarges und dem Tischchen, dessen Platte seine Farbentöpfe trägt, in einer ebenso natürlich bewegten als für die Erscheinung der Gestalt vortheilhaften, Stellung da, indem er mit dem linken, etwas zurückgezogenen Fuß auf den kleinen Vorsprung am Fußende des Deckels tritt, auf dem rechten ruht, und Oberkörper und Haupt nach rechts hm herüberbeugt, um den Pinsel in eins der Farbentöpfchen dort neben ihm zu tauchen. In der vorzüglichen malerischen Behandlung des Bildes ist her Einfluß der Schule Max Michaels unverkennbar. Aber der Künstler geht eben so ernstlich auf gründliche solide Zeichnung und Modellirung der Gestalt aus, als auf reiche Farbenwirkung. — Sein Mitbewerber (Nelson, wenn ich den Namen recht gelesen habe) malte die Errettung des sterbenden Kindes der Wittwe durch Elias; eine mehr akademische Komposition voll redlichen Strebens, welche in der Gruppirung, wie , in der Bewegung und der Drapirung der Gestalten, die Aehnlichkeit mit Lösungen der Schüleraufgaben in den betreffenden Akademie-Klassen nicht überwunden hat. — Man schreibt uns aus Oels: Vor seinem Abgang nach-Bonn wurde als Zeichen der Liebe und Anerkennung Herrn Prediger Dr. Cohn von seiner Gemeinde ein prachtvoller Silberkasten, von der Religionsschule ein werthvoller Teppich und eine kostbare Uhr, von der Gemeinde zu Wartenberg ein schöner Pokal zum Geschenke überreicht. Einige Tage vor der Abschiedspredigt, welcher auch die städtischen Behörden und eine Deputation der Stadtverordneten beiwohnten, fand ein von der hiesigen Synagogengemeinde veranstaltetes Abschiedsbankett statt. — Man berichtet aus Berlin vom 8. August. Der Geh. Sanitätsrath. Dr. Lewinstein, der Begründer der Maison de Santo in Schöneberg, ist gestern nach kurzem Krankenlager im 52. Jahre seines Lebens gestorben. Er hatte um die erste Einführung des no restraint (Nichtzwang-) Systems in die mit seinem Krankenhause verbundene berühmte Irrenanstalt, durch Förderung der Anwendung des Choral-Hydrats sowie um Heilung der Morphiumsucht sich große Verdienste erworben. Ieuilleton. Korrespondenz. Die 14. Jahresversammlung der israelitischen Lehrer Hessens. Am 3. Juli d. I. hatte sich im Saale des Arbeiter- Fortbildüngs-Bereins zu Kassel eine stattliche. Anzahl hessischer Lehrer zur Theilnahme an der 14. Jahresversammlung eingefunden. Nach der Präsenzliste waren 59 Lehrer anwesend. Als Delegirte waren anwesend: Rab. Dr. Goldschmidt- Leipzig, Vertreter des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, und Prediger Fackenheim-Mühlhausen in Thüringen, als Vertreter des Vereins israelitischer Kultusbeamten in Mitteldeutschland. Die isr. Gemeinde zu Kassel war vertreten durch die Aeltesten Hahn und Rubensohn, die Schulstiftungen daselbst durch den Rechtsanwalt Dr. jur. Rothfels. Außerdem hatten sich noch 4 Gäste eingefunden. Mächtig und voll klang der Choral, der von etwa 70 frischen Stimmen vorgetragen wurde, und um so begeisterter eröffnete der Vorsitzende Herr Dr. Stein-Kassel die Konferenz mit einer gediegenen Rede. Redner betont, - daß das fortdauernde Interesse für diese Versammlungen eine Bürgschaft dafür sei, daß man die geistige Anregung, welche dieselben gewähren, zu schätzen wisse. Die isr. Volksschule Hessens, welche aus dem echten Deutschthum hervorgegangen, nachdem Deutschland sich von fremden-Fesseln freigemacht hatte, habe es sich stets zur Aufgabe gemacht, den väterlichen Glauben mit deutscher Bildung und Gesittung in Harmonie zu bringen. Die isr. Schule möge trotz aller Verkennung festhalten an dem wahren Deutschthum, das in der klassischen Literatur zum Ausdruck gekommen ist. Wenn die Fluth der feindseligen Schriften sich verlaufen haben werde, würden die Werke eines Lessing, Herder und Schiller immer noch unsere Herzen erheben. Redner schließt: „Denn ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt, „Wie auch der menschliche wanke; „Hoch über der Zeit und dem Raume webt „Lebendig der höchste Gedanke. „Und ob alles in ewigem Wechsel kreist, „Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.