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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-08-22 · Heft 34 (22.8.1882) · p. Seite 565

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 34 (22.8.1882)
Date
1882-08-22
Page
Seite 565 (sequence 13)
Language
German
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Nachdem hierauf der Vorsitzende die Gäste vorgestellt - und begrüßt hatte, brachte Herr Dr. Goldschmidt-Leipzig, Delegirter des. deutsch-israelitischen Gemeindebundes, Grüße dieses Vereins und dankte dem Vorsitzenden für seinen vortrefflichen Vortrag. Er freue sich außerordentlich, fährt Redner dann fort, in einem solchen Kreise von Lehrern zu sein. Wohl nirgends stehe die Benennung Lehrer so glänzend da, als im Judenthume, der größte Mann in Israel sei nicht anders als „Rabenu", Lehrer, genannt worden. Die ganze Geschichte Israels konzentrire sich in der Geschichte der Schule Israels. Er könne bei dieser Gelegenheit nicht die Bemerkung unterlassen, daß die Art und Weise, wie in unseren Schulen gelehrt werde, einen schlagenden Beweis dafür liefere, daß das Vorurtheil von einer gewissen Seite, wir hätten kein deutsches Nationalgefühl, gänzlich der Begründung entbehre. Die Juden seien zu allen Zeiten und unter allen Nationen an der Geistesarbeit, der Literatur, betheiligt gewesen, nicht nur, indem sie das Schöne und Erhabene derselben erkannten, sondern auch selbst schaffend. Selbst im Mittelalter, als eine im neuplatonischen Geist geschriebene Arbeit erschienen wäre und Epoche gemacht hätte, habe sich aus dem Pseudonym Avicebron der Jude Gabriol entpuppt. Und daß die Juden in Deutschland den: wahrhaften deutschen Geiste und der Bildung die Herzen geöffnet haben, sähe man klar und deutlich daran, wie dieselben die Werke der Heroen Schiller, Göthe, Lessing, Herder u. a. begrüßt und verehrt hätten, so daß mau sich sogar daran gemacht hätte, sie in das Hebräische zu übersetzen, ohne gar der schaffenden Kräfte wie Mendelssohn und anderer zu gedenken. Redner meint daher, nur derjenige, der uns übertreffe, sei ein besserer Deutscher als wir, aber unsere deutsche Gesinnung und Liebe zum Vaterlande vermöge uns Niemand zu rauben. Die isr. Schule solle daher unentwegt weiter bauen, solle Gottesfurcht, Wahrheit, Recht und Menschenliebe verbreiten, dann werde auch der Segen des Himmels nicht fehlen. Hierauf dankte der Vorsitzende namens der Konferenz dem Redner für die mit wahrhaft jugendlicher Frische ausgesprochenen zu Herzen gehenden Worte, worauf dann Herr Prediger Fackenheim- Mühlhausen, als Delegirter des Vereins isr. Cultusbeamten Mitteldeutschlands, die Grüße dieses Vereins übermittelte. Mit herzlichen Worten hob er hervor, daß die Beziehungen beider Nachbärvereine sich immer schöner und inniger gestalteten; die Ziele beider seien ja auch dieselben, Wirken für Schule und Gotteshaus, beziehungsweise Verbreitung und Erhaltung der Sittlichkeit, Humanität, Treue und Liebe zu Gott, zu Kaiser und Reich. Der Vorsitzende verlas alsdann, nachdem er auch diesem Herrn innigen Dank ausgesprochen, den Jahresbericht. Er referirte über die Thätigkeit des Ausschusses der Konferenz, brachte die Mittheilung, daß verehrl. Vorstand des Gemeindebundes unter Vorsitz des Herrn Geheimen Samtätsrathes Dr. Kristeller zu Berlin unserer Konferenz wiederum eine Subvention von 150 Mark verwilligt habe, daß unsere Zugehörigkeit zum Hessischen Lehrerverein durch den Austritt unseres Vorsitzenden aus dem Vorstande jenes Vereins nicht alterirt werde, und daß wir nach wie vor bestrebt sein müßten, die Bezirksversammlungen zu besuchen und zu fördern. Er gedachte dann der im verflossenen Jahre verstorbenen Kollegen Noi-Langenselbold und Schirling-Marburg, sowie des ebenfalls Heimgegangenen, unserm Verein innigst zugethan gewesenen Herrn Nachod-Leipzig, und forderte die Anwesenden auf, das Andenken der theuern Geschiedenen durch Erheben von den Sitzen zu ehren; es geschah dies unter tiefer Stille. Als nun noch einige kurze Mittheilungen gemacht, die von verschiedenen Autoren eingesandten Schriften vorgelegt und die Denkschrift zur Erinnerung an Nachod, sowie andere vom Gemeindebund eingesandte Schriftstücke vertheilt worden waren, ersuchte der Vorsitzende Herrn Gutkind-Kassel um Erstattung seines Referats: „Der Normallehrplan für den isr. Religionsunterricht einschließlich des Hebräischen." Diese Arbeit des Referenten konnte der Vorsitzende mit gutem Gewissen im Einverständniß mit der Versammlung für eine gediegene, wohldurchdachte, umfangreiche bezeichnen, welche sehr viele beherzigenswerthe Winke bringe und daher die vollste Anerkennung verdiene. Ueber die vom Referenten aufgestellten Thesen entspann sich eine lebhafte Debatte, bei welcher sich besonders die Herren Cornelius-Rotenburg, Dr. Goldschmidt-Leipzig, Levi-Hofgeismar, Amram-Zwesten, Müller- Frankershausen, Fackenheim - Mühlhausen, Spier - Gemünden, Rothschild-Neukirchen, Blach-Gudensberg, Neumark-Abterode, Nußbaum-Hersfeld u. a. betheiligten. So förderte die Arbeit auch hierdurch noch manche gute Idee zu Tage und gestaltete die Thesen folgendermaßen: 1. Der isr. Religionsunterricht hat die Aufgabe, die isr. Jugend in das Verständniß der heil. Schrift und der isr. Religionslehre einzuführen, um sie dadurch zu religiössittlichen Israeliten, zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft und zu ehrbaren und pflichttreuen Bürgern des Staates heranzubilden. 2. Die Bibel ist die Grundlage des gesammten Religionsunterrichts. Z. Auf der Oberstufe ist an der Hand eines Leitfadens unter Zugrundelegung Paffender Bibelstücke und gut ausgewählter Psalmen der Unterricht in der Religionslehre in einfacher, den religiösen Sinn und das Gemüth des Kindes bildender Weise zu ertheilen. 4. Das Hebräische (Lesen und Uebersetzen der Gebete und ausgewählter Stücke aus dem Pentateuch) bildet einen wesentlichen Bestandtheil des Religionsunterrichts.

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