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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-08-22 · Heft 34 (22.8.1882) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 34 (22.8.1882)
Date
1882-08-22
Page
Seite 556 (sequence 4)
Language
German
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unserer Seele sich ein. Während aber das zweite Moment auf die mehr äußerlichen Begebenheiten hinweist, bezieht sich das dritte („um deiner Heiligung willen") auf den inneren Untergrund alles göttlichen und menschlichen Thuns, auf die sittliche Vollkommenheit Gottes und die sittliche Vervollkommnung des Menschen. Mit dem Worte ntsjnpjbezeichnet das Judenthum, auf Grund des mosaischen und jesajanischen Ausdrucks, das höchste sittliche Ideal, wie es in der Gottheit vollendet ist und wie ihm der Mensch mit aller Kraft nachringen soll. Um dieses höchste Ideal von den Menschen immer mehr erkannt und erstrebt zu sehen, kommt es darauf an , daß es sich immer öfter und mächtiger in der Wirklichkeit manifestirt, als das einzig wahrhaft Bestehende und Bleibende sich kund thut und alles Menschliche sich immer wieder darauf resultirt. In unserer Lehre wird daher jede menschliche Handlung, welche eine Aufopferung, eine Hingabe für Wahrheit und Recht, für Liebe und Frieden enthält, als eine „Heiligung des göttlichen Namens", jede böse That als eine „Entweihung" desselben bezeichnet, jene zu den erhabensten und segensreichsten Thaten gezählt, diese als Frevel und Verbrechen gebrandmarkt. Und hieran schließt sich zuletzt um „deiner Lehre willen". In dieser wird alle Tugend und Frömmigkeit gelehrt und als Pflicht dem Menschen auferlegt. Handelt derselbe darnach, so erfüllt er das Gebot derselben und bringt sie vor den Menschen zu Ehren. Bekräftigt sich an ihm der in ihr verheißene Segen, so zieht dies die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich und führt sie zur Erkenntniß' all' der Weisheit und Segensfülle, die in ihr enthalten ist. — Man ersieht hieraus, wie das Gebet bei all' seiner Einfachheit, bei allem Fernhalten des Geheimnißvollen, des Mysteriösen, die höchsten religions-philosophischen Gedanken umfaßt, die jedoch zugleich dem Verständniß und der Vorstellung der Volksseele nahe sind. Es ist dies ein charakteristischer Zug des geschichtlichen Judenthums, selbst der Masse seiner Bekenner metaphysische Begriffe vertraut zu machen, die sich ihr dann allerdings zu naiven Vorstellungen beschränken.-Das Gemüth des Beters verlangt aber aus dieser Gedankenhöhe, wo sich gleichsam die Interessen der Gottheit mit denen des Menschen vereinigen, zur Thatsächlichkeit, und dies prägt sich in dem folgenden Satze aus: „Damit gerettet werden, die dich lieben, helfe deine Rechte, und erhöre mich", der dem Psalm 60, 7 und 108, 7 entlehnt ist. Die innigen Beziehungen zwischen Gott und dem Menschen, die das Judenthum lehrt, drücken sich am zartesten in dem Worte TTT: aus, das ebenso wohl „die dich lieben", wie „die du liebst" bedeutet. Die Verheißung ist bereits im zweiten der Zehnworte gegeben: „Denen die mich lieben und meine Gebote beobachten". Hieran schließt sich Ps. 19, 15, welcher über das hinaus, was sich aus der Seele als Wort über die Lippen ringt, in die Tiefe des Herzens blickt und all' das Wünschen, Hoffen und Entwerfen, das sich da' gebiert, Gott vorträgt und dessen Wohlgefallen dafür anspricht, Gott, „mein Hort und mein Erlöser". Das Gebet endet mit einem Satze, welcher der Schlußsatz aller jüdischen Gebetsübungen geworden. Er verbindet im Geiste die Höhen des Himmels mit der Erde, das Walten Gottes dort mit seinem Wirken hier, und stellt ein einziges Ziel für das Ganze hin. Er lautet: „Der Frieden schafft in seinen Höhen, er wird Frieden schaffen uns und ganz Israel,. Amen," Mögen wir es uns nicht entgehen lassen, daß das Ziel alles jüdischen Betens — der Friede ist. „Friede für ganz Israel", aber dieses Israel, als dieser Schlußsatz gegeben ward, war zerstreut über die ganze Erde und wohnte inmitten aller Nationen. Friede konnte für Israel nur vorhanden sein, wenn er für alle Völker bestand unter einander, und wenn sie Israel in Frieden unter sich wohnen ließen. So umfaßte und umfaßt die Bitte um Frieden für Israel auch den Frieden für die ganze Menschheit. (Fortsetzung folgt.) Die Ungarische Justiz in Tißa-Cßlar. Die Protestation gegen das Gebühren vieler europäischer Zeitungen in der Tißa-Eßlar-Affaire, welche wir in vor. Nr. * erhoben haben, legt uns die Pflicht auf, die Beispiele vom Gegentheil heranzubringen. Unter diesen ist ein Leitartikel' des „Neuen Wiener Tagblattes" vom 2. Aug., dessen wir schon Erwähnung gethan, so zutreffend, so wahrheitsliebend und gerecht, daß wir ihn hier wiedergeben müssen. Er ist überschrieben: „Der Aberglaube in der Justiz" und lautet: „Der politische und religiöse Fanatismus haben niemals so viele Opfer gefordert, wie der düstere, melancholische Bruder von Beiden, wie der Aberglaube. Die Leidenschaften finden bald ein Ende, die Raserei stirbt an Erschöpfung der Kraft, aber der Aberglaube hat ein langes Leben und er erfüllt die Jahrhunderte mit seinen Grausamkeiten und Verheerungen. Die Justiz ist vom Aberglauben nicht frei geblieben und auch dann, wenn der Priester nicht mehr den Richter spielte, hat die Justiz oft genug sklavische Dienste für den Aberglauben. verrichtet. Der halbnackte Neger, den man jetzt mit mitleidiger Verachtung anblickt, weil er Hexenprozesse führt, hatte seinen Vorläufer in dem Hexenrichter der europäischen Welt.' Der Glaube an Zauberei ist nicht nur ein Eigenthum der farbigen Menschenrace, er hat jetzt noch Anhänger in der gebildeten Welt der Weißen. Ein langer Gespensterzug von blutigen Opfern zieht an uns vorüber, wenn wir die Geschichte der Justiz durchblättern. Der Name der Gerechtigkeit wurde mißbraucht, um die schändlichsten Grausamkeiten zu verüben. Alle Laster, die der Mensch kennt, haben auf der Gerichtsbank Platz genommen, um ungestraft sündigen zu können. Erst in unserem Jahrhundert ist das Recht frei

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