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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-08-15 · Heft 33 (15.8.1882) · p. Seite 547

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 33 (15.8.1882)
Date
1882-08-15
Page
Seite 547 (sequence 11)
Language
German
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547 hätten gar keine Idee von dem, was vorgehe. Wer bemühe sich denn nach Castle Garden, wer sehe die Noth und das Elend, die Greise, die Mütter und die Säuglinge schmachtend in glühendem Sonnenbrand, vergeblich nach der Hilfe rufend, die ihnen versprochen wurde! Von verschiedenen Herren wurde darauf bemerkt, sie hätten in der That von dieser Lage keinen Begriff gehabt. Schließlich wurde ein Comito bestehend aus 5 Herren gewählt, um für Gaben zu wirken. — Aus Montreal, Canada, wird gemeldet, daß bis zum 21. Juni 180 Flüchtlinge in dem Auswandererheim Aufnahme gefunden. 100 davon haben durch die Gesellschaft Beschäftigung gefunden, 80, darunter viele Frauen und Kinder, befinden sich noch dort. 48 von diesen 80 wurden auf dem Weg nach Manitoba zurückgehalten, da von dort sehr ungünstige Berichte gekommen waren. Sie waren sehr begierig nach Feldarbeit, womit sie vertraut waren. (I. Mess.) New-Bork,. 14. Juli. Das Londoner Comitö befolgt jetzt eine andere Methode. Unter den am Sonnabend verflossener Woche mit dem Dampfer „Assyrian Monarch", von London hier eingetroffenen Passagieren befanden sich 115 israelitische Flüchtlinge, welche zumeist von dem Londoner „Marion House Committee“ mit Eisenbahn-Billets nach dem Westen uud Süden versehen worden waren und deshalb sogleich nach ihren resp. Bestimmungsorten weiter befördert wurden. Dieselben waren auch fast sämmtlich im Besitz von Anweisungen über kleinere Geldbeträge, die aber erst an den Bestimmungsorten zahlbar sind. Erwähnt mag hier werden, daß diese israelitischen Einwanderer von der Einwanderungs-Kommission unter „Bürgschaft" gestellt wurden, ein Verfahren, das noch nie zuvor beobachtet worden. In den Bürgschafts-Papieren heißt es, daß, im Falle die Betreffenden hier erkranken oder hilflos dastehen sollten, die Monarch-Dampfschiffs-Gesellschaft dieselben kostenfrei nach Europa zurückzubefördern hat. Die Ankunft von ca. 900 weiteren Flüchtlingen ist vvn London aus bereits avisirt, doch werden dieselben fast sämmtlich sogleich nach dem Innern des Landes abgehen. Nach dem Bericht des Secretairs der hiesigen „Hebrew Emigrant Aid Society" trafen hier während des Monats Juni zusammen 2379 flüchtige Israeliten aus Rußland ein, von denen 1012 Männer, 420 Frauen nnd 947 Kinder waren. Seit dem 30. Juni bis zum 8. Juli sind weitere 750 Flüchtlinge hier gelandet und vor dem 1. Juni waren hier 3693 — 2145 Männer, 508 Frauen und 1040 Kinder — eingetroffen, zusammen also in diesem Jahre bis zum 1. Juli,6822. Die genannte Gesellschaft hat die unter.ihrer Obhut stehenden Schützlinge nach folgenden Staaten gesandt: Indiana/Pennsylvania, New-Jersey, Ohio, Iowa, Kentucky, Virginia, Wisconsin, Kansas, Georgia, Alabama, Maryland, Tennessee, Michigan, Arkansas, Louisiana, Texas und Missouri. — Aus den Ver. Staaten, im Juli. (Notizen). In Cincinati (Ohio) fand am 21. Jnni eine Sitzung der Aid Society statt. Der Vorschlag, die Flüchtlinge auf Regierungsländereien in Kansas anzusiedeln, wurde günstig ausgenommen und ein Comite ernannt, um die nöthigen Arrangements zu treffen. — In Buffalo (New-Iork) werden 53 Flüchtlinge in einem zu diesem Zwecke von dem Hilfscomits gemieteten Hause unterhalten. — Der New-Iorker „Jewish Messenger" drückt seine Befriedigung darüber aus, daß viele russische Flüchtlinge trotz der in New-Aork herrschenden Hundstagshitze sich als Schiffsarbeiter verdungen haben und eifrig mit dem Auf- und Abladen beschäftigt sind. Neu-Seeland. Neu-Seeland, im Mai. In Auckland (Neuseeland) wurde am 8. Mai unter dem Vorsitz des Mayors und unter Assistenz des Lord Bischofs von Auckland und des Capitelvicars der katholischen Diözese ein Entrüstungsmeeting in Sachen der Juden gehalten. Die Sammlungen hier wie in Nelson ergaben ein befriedigendes Resultat. Bonn, 6. Aüg. (Notizen.) Aus Krems, am 25. Juli, wird geschrieben: Dieser Tage fand hier die Einweihung des neuen israelitischen Friedhofes statt. Die Betheiligung seitens der jüdischen und christlichen Bevölkerung war eine außerordentlich große und verlief die Feier in würdigster Weise. Die von allen Seiten beifällig aufgenommene Festrede, welche mit einem Gebet für den Kaiser und die kaiserliche Familie schloß, hielt Rabbiner Dr. Weiß, während unter Leitung des Kantors Karfunkel Choral-Gesänge in ergreifender Weise gesungen wurden. Der neue israelitische Friedhof, der in der Nähe des christlichen liegt, wurde, dank den eifrigen Bemühungen des Kultusvorstehers P. Oberländer, trotz der bescheidenen Geldmittel der hiesigen Gemeinde unter sehr günstigen Bedingungen angekauft und bildet ein großes von Manern eingeschlofsenes Viereck. — Am 27. Juli verstarb in Ems der Geh. Commerzienrath Louis Reichenheim im Alter von 76 Jahren. Er bekleidete eine überaus große Zahl von Ehrenämtern, die das Vertrauen seiner Mitbürger ihm übertragen hatte. Seit 171i2 Jahren war er auch Mitglied des Aeltesten-Collegiums der hiesigen Kaufmannschaft und Vorsitzender der schiedsrichterlichen Commission derselben. — Martin Perels, eine in literarischen Kreisen, wegen ihrer Excentricitäten sehr bekannt gewordene Persönlichkeit, ist, wie die „Frkft. Ztg." mittheilt, am 26. d. M. in Frankfurt a/M. gestorben. In der Oeffentlichkeit ist er namentlich durch die Vorträge bekannt, welche er an verschiedenen Orten wiederholt über seinem eigenen Seelenzustand während einer längeren Geisteskrankheit, die ihn betroffen, gehalten hat. 33*

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