Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1882)
- Date
- 1882-08-15
- Page
- Seite 546 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 2× ep/1000834
- Baalbek 1× ep/1044063
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Rußland. Petersburg, 24. Juli. Ein dem Stadthauptmann von Odessa zugekommenes Cirkular des Ministers des Innern (damals noch Graf Jgnatiew) vom-19. Mai a. St. erinnerte unter Anderm daran, daß nach den bestehenden Gesetzen ausländische Juden nur unter der Bedingung, Gildenscheine . erster Gilde gelöst zu haben, in der Stadt und dem Zolldistrict Odessa Handel treiben dürften, und daß solche Juden für die Handels-Concession außerhalb des Zolldistricts noch vorher die besondere Erlaubniß der Ministerien der Finanzen, des Innern und des Aeußern einholen müßten. Ferner hatten alle fremden Juden, welche nicht Kaufleute erster Gilde seien, den Zolldistriet nach Ablauf eines Jahres zu verlassen. Die Odessaer Handels-Uprawa machte sich sofort daran, die Verfügungen des Circulars stricte dürchzuführen. Das war ein neuer und äußerst empfindlicher Schlag für die in Odessa lebenden Juden. Alle ausländischen Juden, welche in der Stadt und dem Zolldistricte Odessa leben und Handel treiben wollen, sind also gezwungen, Scheine erster Gilde zu lösen, was jährlich 859 Rubel 55 Kop. ausmacht. Wie ich aus sicherer Quelle erfahre, haben die verschiedenen Lonsulate sich an ihre Missionen in Petersburg gewendet, die ihrerseits Schritte gethan haben, um die Abstellung der ungerechtfertigten Maßregeln gegen die ausländischen Juden zu erwirken. Die diplomatischen Missionen stellen sich auf den Standpunkt, daß ihre Unterthanen mosaischen Glaubens ganz dieselben Rechte genießen müssen, wie die Nichtjuden. Die Frage wird jetzt debattirt, nach den jüngsten Erlässen des Grafen Tolstoi ist aber auch zu erwarten, daß er auch diesen Gewaltakt feines Vorgängers annulliren werde. Petersburg, 3. August. (Priv.-Telegr. der „Boss. Ztg.") Zu Folge der letzten provisorischen Bestimmungen über die Juden, erließ der Finanzminister ein Circular an die Acciseverwaltung, daß die Juden anzuhalten seien, über ihre Berechtigung zum pachtweisen Betriebe der Branntweinbrennerei Documente vorzulegen. (Man scheint also, jene berüchtigten „provisorischen Maßregeln" Jgnatiew's reformiren zu wollen.) Serbien. Belgrad, 30. Juli. (Orig.-Telegr.) Meldung der „Pol. Corr.: Eine von kompetenter Seite stammende Mittheilung bezeichnet die (durch die Politische Correspondenz" gemeldet) Nachricht von einem in Belgrad stattgehabten Judenkrawall als unrichtig. Es wird hinzugefügt, daß, abgesehen von mehreren hetzerischen Druckschriften antisemitischer Tendenz, deren Verbreitung versucht wird, nichts vorliegt, was zu jener Meldung etwa Anlaß bieten mochte. In Folge der vom Minister des Innern Garaschanin eingenommenen Haltung einer energischen Abwehr beginnen diese Agitationen zu verstummen, weshalb denn auch die Juden Serbiens die Entsendung einer, großen Dankes-Deputation an den genannten Minister planen. Belgrad, 1. August. Meldung der „Ung. Post": Die hier jüngst erschienene Broschüre antisemitischer Tendenz ist nicht gegen die inländischen Juden gerichtet, sondern gegen die Einwanderer. Die Polizei hat die Untersuchung angeordnet und da der Verfasser der Broschüre unbekannt ist, wird gegen die Druckerei eingeschritten, in welcher die Broschüre erschien. Die hiesigen Juden werden auch von den Radikalen und Socialisten in Schutz genommen. Orient. Alexandrien, im Juli. Bei dem Brande ist auch eine der ältesten Synagogen der Stadt, die Synagoge des Propheten „Elias" genannt, weil die Tradition ihren Bau diesem Propheten zuschrieb, verbrannt. Die darin befindlichen Thorarollen sollten aus der Zeit Philos und aus dem Tempel zu Heliopolis stammen. Smyrna, 18. Juli. In der vergangenen Nacht brach in dem fast nur von Juden und Türken und nur wenigen Griechen bewohnten Stadtviertel. „Epano Wehala" Feuer aus; der Brand dauerte volle neun Stunden. Ungefähr 600 Häuser, Gewölbe und Magazine, von denen 500 Eigenthum von Juden waren, während etwa 100 türkischen und griechischen Besitzern gehörten, fielen dem Elemente zum Opfer." Ungefähr 1400 Familien, darunter 1060 jüdische, 250 türkische und 150 griechische, sind obdachlos geworden. Unter den zerstörten Gebäuden befindet sich eine Synagoge, eine Moschee und eine türkische Schule. Amerika. New-Pork, im Juli. Sonntag, den 25. Juni fand in New-Aork eine Versammlung statt, in welcher über das Resultat der neuen Sammlung berichtet wurde. Statt der erwarteten und nothwendigen 150,000 Dollars sind uur f. 40,000 Dollars eingegangen. Herr Henry S. Henry erklärte, daß, wenn nicht , sofort 100,000 Dollars zusammenkämen, die ganze Sache aufgegeben werden müsse. Die laufenden Ausgaben seien 2000 Dollars täglich, und die Auswanderungscommissäre der V. St. seien benachrichtigt worden, daß die Gesellschaft für keine Auswandrer mehr sorgen könne. Herr Eduard Lauterbach hielt eine fulminante Ansprache. 3500 Leute hätten die. Gesellschaft zu unterstützen, und was gäben die New-Yorker Juden? Dr. Köhlers Gemeinde von 300 Mitgliedern habe 6000 Dollars, oder 20 Dollars Pro Mann gegeben, während einige dieser Männer 100 Döllars an einem Abend für ihr Vergnügen ausgäben! Ein einziger edler Jude habe 10,000 Dollars gespendet, der seine Pflichten kenne! aber. 75,000 Juden erfüllten die ihrige nicht. Sie