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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-08-15 · Heft 33 (15.8.1882) · p. Seite 543

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 33 (15.8.1882)
Date
1882-08-15
Page
Seite 543 (sequence 7)
Language
German
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MWWWWW 543 Metz, im Juli. (Franks. Mitth.) Am 1. Mai 1882 constituirte sich unter dem Vorsitze des Oberrabbiners Bigart ein aus eingeborenen und eingewanderten Israeliten bestehendes Comitä zur Unterstützung der bedrängten russischen Israeliten, welches seine Thätigkeit sofort mit einem Ausrufe begann, dem eine Collecte in Metz-Lothringen folgte, welche ein erfreuliches Resultat lieferte. Von diesem Gelde wurden bis jetzt Mk. 3000 dem Londoner, Mk. 1500 dem Frankfurter, Mk. 3000 dem Pariser Comito überwiesen und der Rest hier behalten, um die von dem Frankfurter Comitä nach Paris gesandten Flüchtlinge auf der Durchreise mit Geld und Lebensmittel zu unterstützen. Würzburg, 1. August. Bekanntlich fehert die hiesige Universität ihren 300 jährigen Bestand, welcher auch durch Gottesdienst von den verschiedenen Consessionen begangen wurde. Auch in der feierlich decorirten und beleuchteten Synagoge fand der israelitische Festgottesdienst um 9 Uhr statt; auch hier hatte sich eine zahlreiche Versammlung, worunter viele Festgäste, eingefunden. Der Rabbiner Bamberger wies, wie ein hiesiges Abendblatt berichtet, in seiner Festpredigt darauf hin, daß auch der Jsraelite allen Grund habe, an diesem Feste aufrichtigsten Antheil zu nehmen, denn den Pflanzstätten, Trägern und Pflegern der Wissenschaft verdanke er viel seiner'verbesserten gesellschaftlichen Verhältnisse. Hier werde das Recht gelehrt, das keinen Unterschied kenne in dem Menschen, hier werden durch wissenschaftliche Unparteilichkeit alle Vorurtheile gegen Juden und Judenthum auf ihr Nichts zurückgesührt, dem Verdienste Anerkennung gezollt. Die Hallen der Wissenschaft seien Allen, die sie aufsuchen, geöffnet, und an dieser freiesten und schönsten aller Gaben nehmen jüdische Söhne den lebhaftesten Antheil. Die Hochschule werde auch in Zukunft dazu beitragen, die Wahrheiten zur Anerkennung zu bringen und die Jrrthümer im Hellen Licht verschwinden zu lassen. Bamberg, 28. Juli. Gegen den verantwortlichen Redakteur des „Nürnberger Volksblattes" soll wegen einiger Artikel die Tißa-Eßlar-Affaire betreffend, Strafantrag auf Grund des § 166 des R.-St.-G.-B. (Beschimpfung von Religionsgesellschaften) gestellt worden sein. (Man kann den Vorständen nur Glück zu der Energie wünschen, mit der sie in gesetzlichem Wege gegen diese Volksverhetzer Vorgehen. Red.) Aus dem Ermlande, im August. (Privatmitth.) Jüngst machte ein anmuthender Bericht über eine Unterredung Stöckers mit einem hervorragenden polnischen Juden über die Folgen der antisemitischen Agitation, die von ihm hauptsächlich ihren Ursprung herleitet, wie sie so verderblich in Balta und anderen Orten in Rußland zu Tage getreten sind, die Runde. Stöcker zeigte sich da im milden und versöhnlichen Lichte und fast hätten wir uns schon der angenehmen Hoffnung hingegeben, daß dieser hervorragende Apostel des Antisemitismus die Segel streichen und, wie es ihm als einem Verkünder des Heils sicherlich weit besser anstehen würde, nunmehr in eine friedlichere Bahn einlenken werde, — da sehen wir uns plötzlich wieder in dieser Hoffnung arg getäuscht. Wieder ist die Wahlcampagne für den preußischen Landtag mit voller Verve eröffnet. Von ungefähr fällt uns da kürzlich die giftgetränkte „Liegnitzer Patriotische Ztg." in die Hände, welche die neueste Rede Stöckers auf dem konservativen Parteitage in Breslau reproducirt, und was finden wir da? — daß Stöcker noch lange nicht bekehrt ist, sondern im Gegentheil wieder mit vollen, geschwellten Segeln auf den Wogen der antisem. Agitation gegen die Juden loszieht und schon wieder eine ganze Breitseite seines eigenartigen Judenhasses, wenn auch nur blind — losgeschossen hat. Polemisirend und kritisirend gegen die von Br. Max Hirsch geleiteten Gewerks- oder Gewerbe- Kassen, die uns als Juden doch wahrlich nichts angehen, ruft er unter anderem emphatisch aus: — „und, lieben Freunde, wir wollen auch unsere Israeliten nicht hassen, nicht verfolgen. Wir verabscheuen die Greuelthaten in Rußland, wie bei uns, sie nützen auch der großen Frage nichts, sie schaden nur, aber das wollen wir nicht dulden, daß wir in unserm ehrlichen Arbeitsleben und Ringen nach Befreiung (?), in unserer Wiedergeburt und in unserm Streben nach kirchlicher Reform (o, wer hindert ihn nur daran?) von Leuten uns beherrschen lassen, die nicht unseres Stammes und Glaubens sind. Dazu sind die Israeliten von heute wirklich nicht groß genug. (Heiterkeit.) Wir Deutschen wissen, was wir brauchen, und wenn wir es noch nicht wissen, werden wir es in gemeinsamer Arbeit finden. Mögen unsere israelitischen Mitbürger unter uns wohnen und sich damit begnügen, ihren Erwerb und Arbeit unter uns zu finden, und wenn sie erst einmal in alle Schichten der Arbeit hineingedrungen sind, wenn sie Sackträger und Arbeiter geworden sind, wie unsere deutschen Arbeiter (Beifall und Heiterkeit), dann wollen wir ihnen auch sagen, daß sie in das deutsche Leben mehr, als bisher, eingegangen sind. So lange sie aber das Bedürfniß fühlen, sich in die einflußreichen, mächtigen Stellungen hineinzuarbeiten mit einer Energie und Klugheit, die wir nicht leugnen wollen, ist uns dieser Zustand unerträglich. (Lebhafter Beifall.) Die Parole: „Brecht die Geschäftsverbindungen mit den Juden ab," habe ich bisher — aha! — noch immer bekämpft, weil ich den Krieg zwischen den Mitgliedern eines Staates „bis auf's Messer" — nicht haben will. Das ist aber eine Forderung, die ^unausbleiblich ist, wenn die Juden, sofern wir einmal ein Wort sprechen, das ihnen nicht bequem ist, gleich die Herren spielen wollen über uns. Nein, m. H., das geht nimmermehr. Sie haben Jahrzehnte lang uns nicht bloß kritisirt und heruntergerissen, sondern die Judenpresse hat nichts mehr für heilig gehalten,,

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