Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1882)
- Date
- 1882-08-15
- Page
- Seite 544 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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was unserem Herzen theuer war. (Stürm. Beifall.) Nun, M. H.', der Zustand hat sich ein wenig gebessert. Sie haben zwar gescholten, als ich von ihnen ein klein wenig mehr Bescheidenheit verlangte, aber ein Bischen haben sie es sich zu Herzen genommen, und ich hoffe, daß, wenn sie die Gefahr der Judenfrage, die eine internationale geworden ist und sich nicht durch das Gelächter (? . . .) und den Hohn der Zeitungsschreiber austreiben läßt, wenn sie den Ernst derselben erst merken, werden sie zu der Position zurückkehren, die ihnen gebührt, daß sie unter uns leben als deutsche Staatsbürger, aber auf jeden Gedanken verzichten, uns politisch, communal, im Handel und Gewerbe, literarisch und durch die Presse zu — beherrschen. Das ist unmöglich, einfach, weil wir Christen sind, weil sie Juden sind, weil wir Deutsche sind, — sie nicht fühlen, wie wir."- Also, daß wir's nun wissen, was Stöcker von uns nunmehr als Entgelt für seine Liebe und Duldung verlangt: nichts weiter, als bloß jene Bescheidenheit, ihn unkritisirt machen, reden und agitiren zu lassen und nebenbei noch auf jede Position, außer derjenigen des Arbeiters als deutscher Sackträger zu resigniren; wo nicht, so würde er nicht, wie — bisher, die Parole des Kampfes bis auf's Messer bekämpfen, sondern im Gegentheil würden wir es alsdann bald zu merken bekommen, was der Ernst der international gewordenen Juden frage, den er zu zeigen vermöchte, zu bedeuten habe. — Ist das nicht deutlich genug gesagt? Heißt das etwas anderes, als eine leicht verblümte Drohung mit dem allgemeinen Kreuzzuge gegen die Juden — bis auf's Messer?! N. O esterrei ch-Ungarn. Wien, 25. Juli. Beschlüsse der Delegirten des deutschen Centralcomitäs zu Berlin, des Hilfscomites zu Frankfurt a. M., der A11ian<36 israelite universelle zu Paris und der Israelitischen Allianz zu Wien in Folge eines am 20. und 21. Juli in Wien stattgehabten Gedankenaustauschs. :!. Das Hilfswerk für Brody bezieht sich fortan nur auf die gegenwärtig daselbst anwesenden Flüchtlinge, welche in der Matrikel der Brodyer Filiale der Wiener Allianz ausgenommen sind. Dies ist in Rußland bekannt zu machen. II. Das Hilfswerk besteht: a) iu der Beförderung von circa 1O0 Personen wöchentlich nach Amerika (als Instruktion für die Qualität sind die von der Berliner Commission gefaßten Beschlüsse I. und III. maßgebend), b) in der Unterbringung von in Brody noch angesammelten Flüchtlingen in verschiedenen Ländern, insoweit es die Umstände eines jeden Landes gestatten. ' -- III. Die Rückbeförderung von Flüchtlingen nach Rußland wird, unbeirrt von der Emigration und Dispersion, fortgesetzt. Es wurde in der Sitzung zur Kenntniß gebracht, daß gemäß eines Anfangs Juli von der k. k. Statthalterei an das Brodyer Comite ergangenen Erlasses die Evakuirung Brodys innerhalb sechs bis acht Wochen vollendet sein muß. Wien, 2. August. Die hiesigen Blätter sprechen ihre Entrüstung über das Verfahren der ungarischen Justiz in der Tißa-Eßlarer Affaire, namentlich über die Entscheidung des Voruntersuchungsrichters aus, und beschuldigen ihn, daß er sich von dem scheußlichen Märchen habe leiten lassen. Das „Neue Wiener Tageblatt" faßt das Resultat mit folgenden Worten zusammen: „Und wie steht es denn wirklich mit den Thatsachen, welche die Grundlage für die Fortführung des Prozesses bilden sollen? Der Leichnam der Esther Solymossy wurde noch nicht aufgefnnden. Das Mädchen ist verschwunden, aber man kann noch nicht einmal behaupten, daß es nicht mehr zu den Lebenden zählt. Der Hanptzeuge in dem ganzen Prozesse ist der vierzehnjährige Sohn des Schächters in Tißa-Eßlar, ein ungerathener Bube, der sich ein Vergnügen daraus macht, seine Eltern in Elend und Unglück hineinzujagen und sie dem Schaffst entgegenzuführen. Die Aussagen eines solchen lasterhaften Knaben bilden bis jetzt das Hauptmaterial des Prozesses. Gestützt auf solche, jämmerliche Behelfe wagt man Anklagen zu. erheben, welche nicht nur eine Gemeinde, sondern eine ganze Glaubensgenossenschaft treffen. Von einem solchen Jungen geführt, kehrt man in das Mittelalter zurück. Der Prozeß in Tißa-Eßlar gewährt in der That ein namenloses Schauspiel." — Wenn die Verhandlung über denselben Gegenstand im ungarischen Abgeordnetenhause eine Blamage für dieses war, so ist dieser Prozeß eine solche für die ungarische Justiz, an die bekanntlich noch immer keine reformirende Hand angelegt worden. Pest, 30. Juli. (Privatmitth.) Ein gestern Nacht aus Nyiregyhaza erhaltenes Telegramm lautet: Die Vorunter-' suchung wurde ganz unerwartet soeben als beendet publicirt. Drei Verhaftete, Moritz Bieder aus Tokai, Amsel Fogel Und Nathan Mendelovits aus dem Mermaroser Komitat, alle drei wegen Verdacht des Leichenschmuggels eingezogen,- wurden freigelassen. Vertheidiger Heumann hat für seine Klienten Groß und Klein appellirt, Funtak vor der Hand noch nicht. Der Voruntersuchungsrichter Vary begründet seine Ent-' scheidung folgendermaßen: Die genannten Angeklagten können der angedeuteten verbrecherischen Handlungen mit Fug verdächtigt werden, da ihre häufigen Widersprüche bei Beantwortung der ihnen vorgelegten Fragen, sowie der Umstand, daß sie ihr Alibi, wie sehr sie auch danach strebten, nicht uachzuweisen vermochten, den gegen sie ursprünglich aufgetauchten Schuldverdacht noch bestätigt. Ferner waren im