Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1882)
- Date
- 1882-08-15
- Page
- Seite 540 (sequence 4)
- Language
- German
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widerhallten, ist der Name des Meisters ein solch populärer geworden, daß sein neuestes Tonwerk — der II. Theil der letztgenannten Sammlung: Die Festgesänge — allenthalben, soweit die hebräische Zunge im Tempel des Herrn klingt, mit freudigstem Willkommen begrüßt werden dürste. Es war keine kleine Aufgabe, die sich der Komponist gestellt, jenes große Gebiet der Festgesänge ganz im erhabenen klassischen Stil der bezaubernden Sabbathgesänge des I. Theils zu bemeistern, um den Gemeinden und Kantoren die Hebung und Veredelung auch des komplizirten Festtags-Gottesdienstes zu ermöglichen. Und es ist dem gottbegnadeten Tondichter gelungen der große Wurf, durch welchen an die Stelle der bis zur Karrikatür verzerrten traditionellen Gesänge, der lächerlichsten Geschmacklosigkeiten ein harmonisches Ganze tritt, das getragen von den tiefsten und edelsten Empfindung, durchwoben von den Goldfäden der echten altehrwürdigen Gesangstraditionen, einfach und würdevoll geformt nach den Grundsätzen der Aesthctik sowohl, als auch — und in Wechselwirkung mit dieser — nach den Anforderungen der strengsten kontrapunktischen Regeln durchgeführt ist. — Es ist in der That dieses neue Werk L.'s ein monumentales zu nennen und hoffentlich begehen wir nicht die alte Sünde: die wohlverdiente Anerkennung und pflichtgemäße von Herzen kommende Dankbarkeit für die gebotene schöne Gabe der Nachwelt zu überlassen. Was nun das Werk im Einzelnen betrifft, so zählt dasselbe nicht weniger als 274 Nummern nebst einem kleinen Anhang von Orgel-Präludien und Nitornellen. Ein schöner nmr£ nu in E-dur eröffnet den Reigen; hochinteressant in dieser Nummer ist die in kunstgerechten Varianten gehende , Orgelbegleitung des Männerchors icnr. p'-y. — Hierauf folgt das eigenartige Maariw-Gebet für die drei Wallfahrtsfeste ';) mit überraschend schöner Orgelbegleitung. roDD 'D ist für jedes der drei Feste nach dem bezüglichen Motiv sehr gelungen bearbeitet; Chöre sowie Begleitung geben die uralten ehrwürdigen Weisen in kunstgerecht verwobener Harmonisirung — das tausend und aber tausendjährige Festtagsglück, die 2-.^^-Stimmung längstvergangener Zeiten schallt wie Sphärenmusik zu uns herüber, uns zu begeistern. Von hervorragender-Schönheit ist auch Nr. 12, 'Ji.ife'i in Fis-moll. Ich habe selten eine zum und aus dem Herzen sprechendere Musik gehört. Die Orgelbegleitung ist geradezu mustergiltig. Das Gleiche gilt auch bei den folgenden Nummern: dem Kiddusch mit seinen Festtagsleit- Motiven der „Schehechejonu", die demgemäß dreimal bearbeitet ist. Eine ebenso willkommene wie auch gelungene Gabe sind die Nummern 14 und 15 für Simchas-Thorah. Besonders ist es die Letztere, in welcher das populäre Ono- Motiv eine überaus ansprechende und schöne Bearbeitung erfahren hat. In No. 17 beginnt der Morgengottesdienst mit dem würdevollen uralten Hoel b'saazumos rc., auf dessen eigenartige Harmonisirung durch die Orgelbegleitung Lewandowski bereits in seiner Vorrede aufmerksam macht und dies mit Recht. Es ist eine höchst schwierige Aufgabe, die merkwürdige Jntervallbewegung unserer traditionellen Melodien mit der geeigneten und richtigen Stimmführung in der Orgelbegleitung zu beherrschen. Aber Lewandowski hat sie gelöst in der gewandten Manier des Herrschers im Reich der Töne, mit exakter, schulgerechter Consequenz. Die gleiche Wahrnehmung ist zu machen in den Nummern 9, 18, 19, 60, 61, 62, 109, 212, 218, 194 und vielen andern. Eine hervorragende und hochkünstlerische Leistung ist das Hallel in As-dur mit nicht weniger als 10 Nummern, aber mit der reichsten Abwechslung in gemischtem Männer-Chor und Soli des Vorbeters. In No. 34 bis 37 behandelt der Meister zwei niDsw rron (Seelenfeier) mit angemessenen Psalmtexten; die eine ist in der würdevollen Z-mvIl-Tonart gehalten, um dann mit Ps. 16, 9—11: Lochen semach libi rc. in 2 herrlichen 6-äur-Schlußchören zu endigen. Die zweite Seelenfeier beginnt mit dem ersten „Adonoi! moh Odom" in. dem zarten e-moll; die Trostworte des Textes im mittleren und Schluß-Satze gehen dann in das zuversichtliche und die Glückseligkeit malende E-dur über. Hieran reiht sich der Psalm 24 — zum „Einheben" der Thora gehörend — als wahres Juwel der Sammlung. Erfindung, Stimmung, Orgelbegleitung — alles verräth den vollendeten Künstler. Besonders wirkungsvoll, ist auch der beigegebene Supplementsatz: eine Fuge in e-dur, bie das „Mi jaaleh b'har adonoi" zu einem künstlerischen Tongemälde gestaltet. Recht passend als Gesang vor der. Predigt bringt No. 39 den Psalm 19, Vers 6—8 in schönem stimmungsvollen Wechselgesang zwischen Vorbeter und Chor. No. 40—57 bringen hierauf am und 2-Gebet mit dem traditionellen Kaddisch und Boruch ato. Die Orgelbegleitung ergänzt hier die uralten Motive in vortheilhaftester Weise; aber auch ohne Orgel bringen diese Piecen jene charakteristische Feststimmung zum Ausdruck, die den Ernst der „Jomim noroim" streift. Eine liebliche Melodie ist das „Tal ten" in No. 48, welche sich in No. 55 mit der entsprechenden Textänderung für das Geschem-Gebet wiederholt, während in den No. 56 und 57 beide Gebete für Vorbeter, abwechselnden Männer- und gemischten Chor mit Orgelbegleitung nach dem bekannten „Jaaleh" vom Kol-Nidregottesdienst bearbeitet sind. Besonders hervorzuheben ist noch in dieser Abtheilung die Mussaf-Keduschah, die namentlich im dritten Satze „mimkomo hu gifen rc." Stellen von hoher Schönheit und Wirkung hat. Ebenso originell als gelungen muß auch das für Iden Vorbeter bearbeitete „Modim" bezeichnet werden; der | Chor beginnt dieses Gebet in o-moU und der Cantor fährt