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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-08-08 · Heft 32 (8.8.1882) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 32 (8.8.1882)
Date
1882-08-08
Page
Seite 532 (sequence 12)
Language
German
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beschließen. Zugleich wird darüber entschieden werden, wer noch ferner in Untersuchungshaft zu belassen und wer auf freien Fuß zn setzen sei. Der hierauf bezügliche Gerichtßbescheid wird den Vertheidigern wahrscheinlich am Montag eingehändigt werden. Was die Vorerhebung betrifft, kann ich wiederholen, daß ein positiver Beweis für das Verbrechen nicht vorliegt; dagegen walten viele Verdachtsgründe ob und ist es wahrscheinlich, daß nicht nur die ordentliche Untersuchung, sondern auch die fernere Jnhaftirung mehrerer Häftlinge angeordnet werden wird. Rußland. Petersburg, 22. Juli. Der Verwaltung der russischen Südwestbahnen ist gemeldet worden, daß das Comite für Auswanderung der Juden in Brody beschlossen habe, sechstausend Juden nach Rußland zurückzuschicken, und zwar sollen täglich vierhundert befördert werden. Die Zeitung „Sarja" behauptet, daß die Polizei im Kreise Kanew die Bauern aufgefordert habe, die jüdischen Schaukwirthe zu vertreiben, welches auch vor zwei Wochen geschah. — Das nähere über die in voriger Nr. erwähnten neuesten Erlasse Tolstoi's ist folgendes: Der „Golos" veröffentlicht zwei die Juden betreffende, an die Gouverneure gerichtete Cirkulare des Ministers des Innern vom 3. d. M., welche bisher noch nicht bekannt geworden sind. Nach dem ersten dieser Rundschreiben liegen dem Ministerium des Innern Nachrichten vor, welche ergeben, daß eine bedeutende Anzahl von Juden, angelockt durch verschiedene unbegründete Gerüchte, welche die Agenten einiger ausländischen israelitischen Comitös verbreiten, ihre Wohnorte verlassen, um in andere Staaten überzusiedeln. In Erwägung, daß die Mehrzahl dieser Leute, nachdem. sie in ihren Hoffnungen getäuscht worden, sich gezwungen sahen, nach Rußland zurückzukehreu, und somit nicht selten vollständig ruinirt sind oder wenigstens unersetzliche Verluste erleiden, hält es der Minister für nöthig die Gouverneure zu ersuchen, die erforderlichen Maßregeln zu ergreifen, daß der jüdischen Bevölkerung durch die Ortsrabbiner oder auf dem Wege, der sonst am geeignetsten erscheint, die drückende Lage zur Kenntniß gebracht werde, in welche diejenigen Personen gerathen, welche sich auf die auf nichts begründeten Versicherungen, von eingewanderten, der Bevölkerung unbekannten Leuten verlassen. Unabhängig hievon sollen Maßregeln getroffen werden, daß die Polizeibehörden .diejenigen Persönlichkeiten gerichtlich verfolgen, welche die Juden durch vortheilhafte Versicherungen zur Auswanderung ausreizen, und sich somit der Verbreitung falscher Gerüchte schuldig machen, die Ausländer aber, die in gleicher Weise agitiren, fallen aus den Grenzen des Reiches gewiesen werden. Im zweiten Cirkular erinnert der Minister an eine Verfügung von 1880, die den Gouverneuren vorschreibt, aus ihren Gouvernements die in denselben wohnenden Juden, selbst wenn sie das Recht dazu nicht haben sollten sich außerhalb des jüdischen Ansiedelungs-Rayons aufzuhalten, nicht auszuweisen. Auf Grund neuerer Nachrichten, hält es der Minister für nothwendig, die Gouverneure darauf aufmerksam zu machen, daß es ihnen, dem Ermessen der Verhältnisse gemäß nicht zusteht, aus dem Gouvernement diejenigen Juden zu verweisen, welche sich in demselben vor Erscheinen des Cirkulars von 1880 niedergelassen haben, und daselbst auf Grund gesetzlicher Aufenthaltsscheine leben, unddaß die Gouverneure die Pflicht haben, alle erforderlichen Maßregeln zu ergreifen, daß in ihren Gouvernements den neu einwändernten Juden der ihnen gesetzlich nicht zukommende bleibende Aufenthalt nicht gestattet werde. Petersburg, 26. Juli. In Folge Reklamation der diplomatischen Missionen, daß ihren Unterthanen mosaischen Glaubens ganz dieselben Rechte wie den Nichtjuden wieder eingeräumt werden mögen, erwartet man, daß der seinerzeitige Erlaß Jgnatiew's an den Stadthauptmann von Odessa demnächst annullirt werde. Serbien. Belgrad, 21. Juli. Meldung der „Politischen Korrespondenz" : Heute fand hier ein durch radikale und nihilistische Elemente inszenirter Judenkrawall statt, der jedoch durch die Energie des Ministers des Innern, Herrn Garaschanin, rasch erstickt wurde. Der König und die Regierung sind über diesen Vorfall äußerst erbittert und fest entschlossen, die Agitatoren, die es lediglich darauf abgesehen haben, der Regierung Verlegenheiten zu bereiten, exemplarisch zu bestrafen. Orient. Tripolis, 28. Juli. Hier herrscht unter den jualtesischen und jüdischen Einwohnern große Besorgniß. Der englische Consul sucht sie zu beruhigen und der Gouverneur ist für die Erhaltung der Ordnung eingetreten. Bonn, 30. Juli. (Notizen.) Ans Pest wird uns geschrieben: Das Rabbinat in Kecskemet ist mit Hrn. Dr. Perles, der, ein Schüler der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, bisher Rabbiner in Kaschau war, neu besetzt. In Großwardein ist der frühere Rabbiner von Fünfkirchen, Hr. -Dr. Kohut, gewählt. Großwardein hat nun drei Rabbiner verschiedener Richtung: Fuchs für die orthodoxe Gemeinde, Kunstadt als Rabbiner der Status-quo- Gemeinde und Kohut. — In Smyrna verheerte eine Feuersbrunst am 18. d. M. das jüdische Viertel; viele Häuser sind verbrannt und viele Familien.obdachlos geworden. — Bei der jüngsten Wahl eines Generalraths für den Kanton Sarreburg in Elsaß-Lothringen wurde der Notar Julius Levy, früher Maire dieser Stadt, mit einer Mehrheit von ,1500 Stimmen gegen 600 gewählt.

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