Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1882)
- Date
- 1882-08-08
- Page
- Seite 533 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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533 Jeuilleton. Correspon-enz. Breslau, im Juli. Die vierte Generalversammlung der beiden Vereine der israelitischen Lehrer Schlesiens und Posens. 1. Die Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hielt am 29. Mai ihre vierte ordentliche Generalversammlung. Herr Dr. Samuelsohn- Breslau als Vorsitzender begrüßte die erschienenen Mitglieder, Ehrenmitglieder und Gäste und erstattete Bericht über die Thätigkeit der Kasse im abgelaufenen Jahre. Es traten fünf neue Mitglieder der Kasse bei, so daß die Zahl der ordentlichen Mitglieder gegenwärtig 23 beträgt. Ehrenmitglieder hat die Kasse 120. Die Thätigkeit der Verwaltung beschränkt sich, da nach den Statuten die Unterstützung bedürftiger Mitglieder erst mit dem 1. Januar 1884 beginnt, einzig auf die Einziehung der Beiträge und die Sicherstellung des gesammten Kapitals. Demnach bestand das Vereinsvermögen ult. Dezember 1881 aus 10,300 Mark, welche in vierprozentigen Staatspapieren angelegt sind, und aus einem Kassenbestand von 434 Mk. 12 Pf. Darauf referirte Namens der Revisions-Commission Herr Held-Breslau über den Befund der Kasse und beantragte, dem Vorstande, insbesondere dem Schatzmeister, Herrn Feodor Pringsheim, Decharge zu ertheilen und dem letztereren für die Führung der Kassengeschäfte Dank zu sagen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. — Der vom deutsch-israelitischen Gemeindebunde der Kasse für das Jahr 1881 bewilligte Zuschuß von 50 Mk. ist dazu benutzt worden, um. besonders bedürftigen ordentlichen Mitgliedern die Leistung der Jahresbeiträge zu erleichtern. Bei der Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren erhielten die im vorigen Jahre gewählten Herren wiederum die meisten Stimmen. — Der Vorsitzende legte schließlich nicht nur den Mitgliedern der Kasse, sondern auch den zur Geueralversammlnng des Lehrer-Vereins erschienenen Collegen dringend ans Herz, dafür Sorge zu tragen, daß die materielle Theilnahme der wohlhabenden Glaubensgenossen an der Kasse eine immer lebhaftere werde. 2. Der Verein israelitischer Lehrer - in Schlesien und Posen hielt am ersten und zweiten Pfingstfeiertage seine vierte ordentliche Generalversammlung. Die erste Sitzung eröffnete der Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. Samuels o h n -Breslau am Sonntag Abend um 8 Uhr, mit dem Ausdruck lebhafter Freude über das zahlreiche Erscheinen der Collegen. Mit herzlichen Worten begrüßte er die Collegen und wünschte den Berathungen einen gedeihlichen Fortgang und segensreichen Erfolg. — Es beginnen die Referate über die neueste. pädagogische Literatur, soweit sie die jüdische Religionsschule angeht. Es berichtet Dr. Badt-Breslau über die Anleitung zum jüdischen Religionsunterricht von Landrabbiner Dr. Feilchenfeld. Verfasser habe eine höchst brauchbare Anweisung für die Ertheilung des Religionsunterrichts in kleinen Gemeinden, welche Schule mit nur einer Lehrkraft unterhalten können, gegeben. Manche Winke werden bei richtiger Anwendung vortreffllich wirken. Empfehlenswerth sei z. B. die Einrichtung, die Schüler sämmtlicher Klassen vor jedem Feste zu versammeln, um in ihnen die Festgedanken zu erregen und zu beleben. Solches werde auch auf das Haus ersprießlich nachwirken. Anderes sei weniger zu billigen, z. B. eine Zerlegung einzelner Stunden in je zwei Lektionen. Im ganzen aber verdiene das Buch weite Verbreitung und Benutzung in den Kreisen der Lehrer. Hierauf berichtete Herr Dr. Samter-Waldenburg i. S. über das Büchlein des Bezirksrabbiners Dr. Sondheimer-Heidelberg, betitelt: „Geschichtlicher Religionsunterricht." Verfasser sei von dem Gesichtspunkt ausgegangen, den Unterricht in der biblischen Geschichte und in der Religionslehre in gedrängter Kürze zu vereinigen. Das erste Erforderniß, nämlich Klarheit und Anschaulichkeit der Darstellung sei nicht nur erfüllt, sondern werde noch gefördert durch die dem Text beigefügten Bilder, die den Inhalt der Erzählungen dem Kinde näher bringen. Mit den Grundsätzen des Verfassers bei der Auswahl der einzelnen Erzählungen könne er jedoch nicht überall einverstanden sein. Ebenso sei es bedauerlich, daß um der Kürze willen auf die so notwendige Beibehaltung des biblischen Sprachcolorits habe verzichtet werden müssen. Derlei Bedenken fallen in Bezug auf den zweiten Theil des Büchleins, der die nachbiblische Geschichte behandelt, im Allgemeinen fort. Die Einzelheiten, die Referent hervorhebt, müssen hier übergangen werden. Hieran schloß sich das Referat des Herrn Tintner-Bunzlau über das Schul- und Gesangbuch von Liebling und Jakobsohn. Redner betonte die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Gemeiudegesangs und meinte, daß die Religionsschule der Anleitung zu einem solchen wenigstens ein bescheidenes Plätzchen gewähren müsse. Neben eigenen Kompositionen enthalte die vorliegende Sammlung eine geschmackvolle Auswahl der besten Leistungen auf dem Gebiete der synagogalen Musik^unter steter Anlehnung an die überlieferten Sangesweisen. Die gute Ausstattung und der billige Preis empfehlen noch besonders die sorgsame Arbeit der Verfasser. Daher könne Referent den Collegen die Anschaffung des Buches nur auf's angelegentlichste ans Herz legen. — An letzter Stelle besprach Herr Dr. Brann-Breslau das Lehrbuch des jüdischen Religionsunterrichts von Rabbiner Hochmut h -Veszprin, betitelt: „Gottesverehrung und Gotteserkennung." Das vorliegende