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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-08-01 · Heft 31 (1.8.1882) · p. Seite 513

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 31 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 513 (sequence 9)
Language
German
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513-. angegriffen wird, zu vertheidigen. Was die Gesinnung betrifft, so stoßen wir hier wie anderswo auf Manches, was doch eine ganz andere Färbung verräth. So giebt die „Boss. Ztg." vorzugsweise Artikel aus amerikanischen Blättern gern wieder, welche auf das Emigrationswerk für die russischen Flüchtlinge dunkele Schatten werfen und die Theilnahme in Europa abzuschwächen beabsichtigen. Nun versteht es sich von selbst, daß jedes menschliche Werk einige Uebelstände mit sich führt, und daß sich unter so vielen, nothwendig mit einer gewissen Hast verschickten Flüchtlingen auch unpassende Subjekte befinden werden, ist vorauszusetzen. Dies jedoch immer und immer wieder hervorzuheben, heißt doch das ganze Werk zu discreditiren, und alle diejenigen zu rechtfertigen, welche ihre Beihülfe, versagten. Noch bösartiger ist es, wenn die „Boss. Ztg." betreffs der Affaire von Tißa-Eßlar zweideutige Artikel bringt und z. B. aus dem „Organ der ungarischen Antisemiten Függetlenseg", welches die Lüge, daß die Esther Salomossy ritueller Zwecke wegen getödtet worden, durch erfundene Berichte aus der gerichtlichen Untersuchung, als erwiesen darstellt. Man hätte doch da erwarten sollen, daß die „Voss. Ztg." sich gegen eine solche Insinuation ausspräche. Aber das thut sie nicht, sondern schüttelt das weise Haupt und findet es auffällig, daß die anderen Blätter, namentlich die der Regierung dies nicht dementiren. In der That finden wir es wenig angemessen, sich von Tag zu Tag darauf einzulassen, die niederträchtigen Erfindungen des „Organs der Antisemiten" zu widerlegen. Uns scheint es aber darauf hinauszulaufen, daß die „Voss. Ztg." sich bisweilen das Vergnügen gönnt, auch ihrerseits den Juden etwas anzuheften, und so leid uns dies thut, so müssen wir es uns doch merken. Berlin, 19. Juli. (Privatmitth.) Der Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes ersucht uns um Abdruck folgender Mittheilung: Der Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes gedachte in seiner Sitzung am 19. d. Mts. schwer bewegt des 'großen Verlustes, den engere und weitere Kreise und auch der Bund durch den Heimgang des Herrn Landrabbiner Di\ Meyer in Hannover erlitten haben. Der Vorsitzende berichtete, daß er der Familie des Verewigten im Namen des Ausschusses herzliches Beileid ausgedrückt, und daß, auf sein Ersuchen, der Delegirte Herr Rechtsanwalt Benfey in Hannover die Güte gehabt habe, den Bund bei der Bestattungsfeierlichkeit zu vertreten. Der Vorsitzende hob es mit herzlichem Danke hervor, welche treue Anhänglichkeit und ersprießliche Hülfe der Verewigte jeder Zeit dem Bunde gewidmet habe. Was ihn dem Bunde so besonders werth gemacht habe, sei seine tiefe Religiosität, seine Begeisterung für das Judenthum, verbunden mit Freundlichkeit und Energie, dazu ein klarer Geist mit einem seltenen Verständniß für das praktische Leben und die socialen Verhältnisse der Juden. Diese glücklichen Eigenschaften haben den Entschlafenen befähigt, der Bündessache Dienste zu leisten, welche ihm ein unvergeßliches ehrenvolles Andenken sichern. Frankfurt a. M., 19. Juli. Die „Franks. Mitth." Nr. 5. berichten: Bei dem Hilfs-Comite in Frankfurt Ind bis jetzt aus Frankfurt selbst und den Gemeinden, die sich ihm angeschlossen haben, ca. 340,000 Mk. eingegangen. In Mainz'hat sich ein Damen-Comite gebildet, welches zu Gunsten der russischen Juden eine Lotterie veranstaltet und einen schönen Erfolg damit erzielt hat. Dem neugebildeten Hilfs-Comitä in Crailsheim (Württemberg) gehören u. A. der Dekan, die Oberamtleute, der Stadtpfarrer, der Kaplan, der Stadtschultheiß u. s. w. an. Oesterreich-Ungarn. Wien, im Juli. Das hiesige Local-Comite, an dessen Spitze die Herren Leitenberger, Ed. Surß, Zichy und Glumezky stehen, hat der Wiener Allianz 62,843 Fl. übersandt. Wien, 18. Juli. Am 20. Juli findet in Wien eine Conferenz von Delegirten der europäischen Hilfs-Comitss statt. Es sind dazu eingeladen die Alliance Israelite Universelle und das Hilfs-Comite in Paris, das Nansion House Committee in London, das deutsche Central-Comite in Berlin, das Comite in Frankfurt a. M., die verschiedenen Comitss in Oesterreich, das Comits in Amsterdam, und Herr Veneziani, Vertreter des Barons von Hirsch. 11, A. werden anwesend sein: Herr Justizrath Makower und Herr Stadtverordneter Dietmer als Vertreter des deutschen Central-Comitss, Herr Benjamin L. Cohen als Vertreter des Mansion House Committee, Herr Direktor Dr. Baerwald als Vertreter des Frankfurter Comites, Herr Rabbiner Dr. Landsberger aus Liegnitz und Herr Veneziani als Vertreter der Alliance Israelite und des Pariser ComitSs. Den Hauptgegenstand der Berathung bildet die Frage: Wie ist der Noth der noch in Brody befindlichen Tausende von russischen Flüchtlingen am besten abzuhelfen? Es liegen verschiedene Vorschläge vor, darunter ein Projekt des Herrn Veneziani, von welchem wir bereits gesprochen. S. oben. Redakt. t : Pest, 13. Juli. Unter Vorsitz des Obergespaus des Szabolcser Comitats fand eine Conferenz der Stuhlrichter, betreffend die Sicherheitszustände im Comitate, statt. Ein großer Theil der Stuhlrichter berichtet, daß in ihren Bezirken trotz der herrschenden Aufregung keine Ausschreitungen vorgekommen. Andere berichten, daß in ihren Bezirken kleinere Ausschreitungen gegen die Juden vorgekommen sind, deren Urheber aber sofort verhaftet und den Gerichten eingeliefert wurden. Sämmtliche Stuhlrichter berichteten,, daß im Juni antisemitische Flugschriften, Plakate, Cirkulare in alle Ge- 31

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