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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-08-01 · Heft 31 (1.8.1882) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 31 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 508 (sequence 4)
Language
German
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auszusehen war, ihre Thätigkeit wesentlich eingeschränkt, da sie den durch die stark? Einwanderung russischer Israeliten an sie gestellten exorbitanten Ansprüchen aus Mangel an Fonds und anderen in der Veranlagung dieser Einwanderer zu suchenden Gründen nicht mehr gerecht zu werden vermochte. Für die soweit unter ihrer Obhut befindlichen und einer Unterstützung würdigen Flüchtlinge wird die Gesellschaft selbstverständlich so viel wie möglich auch fernerhin Sorge tragen, allein für weiteren Nachschub hat sich dieselbe bedankt, indem sie der hiesigen Einwanderungs-Commission angezeigt hat,. daß ,sie sich der künftig hier eintreffenden russischen Israeliten nicht, mehr annehmen könne. In Folge davon wird diese Species der. Einwanderung in Zukunft vor der übrigen nichts mehr voraus haben, wodurch dieselbe sachgemäß darauf angewiesen sein dürfte, sich sehr bald zu acclimatisiren, von ihren Ritualen in manchen Beziehungen abzusehen und das „Help yourself“ des Amerikaners auch ihrerseits in's Praktische zu übertragen. Gleichzeitig wird dadurch auch der Einwanderungs-Commission die ausschließliche Controle über die Einwanderung nach hier wieder überlassen bleiben und ihr eine bessere Möglichkeit gegeben werden, unliebsamen Elementen unter den russischen Einwanderern, wie solche sich namentlich in der letzten Zeit nur zu zahlreich Hier eingestellt haben, den Zutritt zu den hiesigen Gestaden zu wehren. Gerüchtsweise verlautet, daß sich die Gesellschaft demnächst vollständig reorganisiren werde. — Erwähnt mag hier noch werden, daß viele der in den letzten Tagen hier eintreffenden Israeliten mit ihnen bereits in Europa behändigten Eisenbahnbillets versehen sind und deshalb ohne Verzug nach ihren Bestimmungsorten im Westen weiter befördert werden. In Milwaukee, Wisc., hat am 29. Juni eine zahlreich besuchte Versammlung stattgefunden, um Schritte zur Unterstützung von 350 russischen Israeliten zu thun, welche das „Mansion House Committee" in London nach dort entsendet hatte. Gleichzeitig wurde dem betreffenden Comitä mitgetheilt, daß. in Milwaukee nicht vorher angemeldete Flüchtlinge in Zukunft keine Aufnahme mehr finden und die bereits dort befindlichen nach London zurückgeschickt werden würden, wenn man von dort kein Geld zu ihrem Unterhalt anweise. " Das Resultat ist also:, es sollen keine Emigranten mehr nach Amerika geschickt werden. Was nun? . Wir haben ein Gegenbild aus Brody in einem Schreiben des Herrn Veneziani dieses rühmlichst bekannten, jüdischen Philanthropen an das Central-Comite der Alliance isra. univ. vom 29. Juni. Herr V. wurde vom Baron Hirsch mit einer bedeutenden Summe nach Brody gesandt, um den dort angehäuften Flüchtlingen möglichst zu Hülfe zu kommen. Wir entnehmen diesem Schreiben die wichtigsten Stellen. „Die russische Emigration erscheint als geschloffen; aber Brody enthält noch 12,000 .Flüchtlinge, deren Unterhalt allein wöchentlich 25,000 frcs., also monatlich 110,000 frcs. kostet. Die materielle Unmöglichkeit, dies längere Zeit durchzuführen, liegt auf der Hand. Es ist demnach eine absolute Pflicht, alsbald diese armen Leute entweder zu repatriiren, oder nach Amerika zu bringen oder in unsren eigenen Ländern zu vertheilen, bevor unsre Mittel gänzlich erschöpft sind. Wir sind verantwortlich gegenüber diesen 12,000 Menschenleben, die seit Monaten von uns ihr Theil erwarten. Wir haben, indem wir sie unterhielten, gegen sie, gegenüber der Welt, der öffentlichen Meinung, sowie uns selbst gegenüber die stillschweigende Verpflichtung übernommen, sie nicht zu verlassen, und ihnen den Weg zu einer neuen Existenz zu öffnen. Sie hier zurückzuhalten in einem harten Elend (ich habe dies schon mit einem Worte bezeichnet, indem ich bemerkte, daß wir ihnen nur 1 Florin wöchentlich bewilligen können, mit Hinzufügung der Hälfte für ein Kind unter zehn Jahren), das ist nicht allein unsren Verpflichtungen nicht Nachkommen, ohne Nutzen die reichen Spenden der Barmherzigkeit beider Welttheile verschwenden, uns der Gefahr aussetzen, den Winter herankommen zu sehen, ohne unsre Aufgabe erfüllt zu Haben, das hieße auch noch diese Unglücklichen zwingen, den kärglichen Sparpfennig, den sie ihren Räubern zu entziehen vermocht, aufzuzehren, Stück für Stück das armselige Lager ihrer Kinder zu verkaufen, das hieße vor Allem in ihnen die Quelle der Energie zu erschöpfen, deren sie so höchst benöthigt sind in den neuen und nur allzu sicheren Schwierigkeiten, die sie noch erwarten. Wie viel Männer und ganze Familien waren angekommen voller Kraft, die jetzt nach monatelangem Aufenthalt in.den schmutzigen Asylen zu schwach scheinen oder es in dpr That sind, um als Emigranten verschickt zu werden. Wäre es nicht hundertmal besser gewesen, ihnen von Anfang an alle Hoffnung zu rauben, als sie verkommen und demoralisiren zu lassen in einer Lage ohne endlichen Ausgang? Wenn sie wußten, daß sie nicht auf uns hätten rechnen können, so hätten sie selbst ein Hülfsmittel in ihrem Elend gesucht, oder wären schon lange wieder an ihren Heerd zurückgekehrt, den viele von ihnen ohne Zweifel nicht verlassen hätten. Es heißt dann weiter: „Die Entleerung ging bis jetzt auf zweierlei Art vor sich: die Emigration nach Amerika und die Repatriirung. Das erstere Mittel hört für uns auf und allem Anscheine nach bis zu der Zeit, wo New-Iork die 3—4000 Emigranten, die bis jetzt weder Beschäftigung noch Schutz gefunden, hat unterbringen können. Kommen wir ihnen zu Hülfe durch die Verkeilung der Flüchtlinge in die verschiedenen Theile Europas, Asiens und Afrikas, ihre Zerstreuung in den respektiven Ländern mit der Hülfe der israelitischen Gemeinden, der großen wie der kleinen. Dieses Vorgehen bietet keine großen Schwierigkeiten, es hat einen

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