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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-07-25 · Heft 30 (25.7.1882) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 30 (25.7.1882)
Date
1882-07-25
Page
Seite 498 (sequence 10)
Language
German
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d. zu Würzburg verstorbeu ist. Seine Leiche wird hierher gebracht. Godfroy war-ein treuer Anhänger seiner väterlichen Religion. Lange Zeit Abgeordneter für Amsterdam, hat er das Justizministerium durch Einwirkung vorzüglicher Gesetze in ausgezeichneter Weise verwaltet, und schied bei einer Wendung der Politik zum Bedauern des ganzen Landes aus dem Amte. Bei späteren Ministercombinationen wurde ihm wiederholt das Justizministerium abermals angeboten, er lehnte dies aber ab. (Godefroi war auch Mitglied des „Instituts zur Förderung israelitischer Literatur" während des ganzen 18 jährigen Bestandes desselben, ein Beweis seiner Theilnahme an der Entwickelung des Judenthums.) — Auch hier hat sich ein Hülfs-Comitö für die russischjüdischen Flüchtlinge constituirt; aber, wie es in allen jüdischen Angelegenheiten in Holland geschieht, hat sich das Comitö isolirt und will nur die Flüchtlinge unterstützen, welche über Amsterdam nach Amerika gehen. — (Mitth. aus Franks.) Der Prinz von Oranien hat dem Comita der Alliance Israelite in Haag 300 Gulden für den russischen Hülfsfond geschickt, auch hat derselbe das Patronat über eine zum Besten dieses Fonds zu veranstaltende Feier übernommen. Vielleicht nirgends ist die Bewegung zu Gunsten der verfolgten russischen Juden so verbreitet als in Holland. Es giebt kaum eine Stadt oder ein Städtchen in diesem Reich, worin nicht ein Hülfs-Comitä — oft, wo keine Juden wohnen^ lediglich aus Christen bestehend — gebildet worden wäre. Für die Flüchtlinge werden Hauskollekten veranstaltet, Kleidungsstücke gefertigt, und in Amsterdam haben verschiedene christliche Geschäftsleute bekannt gemacht, daß sie einen gewissen Procentsatz (in einem Fall sogar 10 Proc.) ihrer Baareiunahmen während einer bestimmten Woche dem Lokalhülfsfond schenken würden. Ein ergreifender Hülferuf, worin besonderer Nachdruck auf die Mißhandlungen jüdischer Frauen und Mädchen gelegt ist, wurde von Professor Harting von der Universität Utrecht (der den ersten Anstoß zu der Bewegung in den Niederlanden gab) an die Frauen Hollands erlassen. Haag, 7. Juli. Unsere Abgeordnetenkammer hat in einer ihrer letzten Sitzungen sich mit dem Handelsverträge mit Rumänien beschäftigt. Da ergriff Herr von Kerwijk (kein Jude, wie einige ausländische Blätter meinten) das Wort. Das betreffende Mitglied der parlamentarischen Linken bedauerte nämlich Die in dem gedachten Lande den Israeliten, „diesem eifrigen thätigen Volke," gegenüber herrschende Intoleranz. Redner lenkte zu gleicher Zeit die Aufmerksamkeit auf die traurigen, schändlichen Judenverfolgungen in Rußland, sowie auf den'Geist der Intoleranz, welcher auch in anderen Ländern den Israeliten gegenüber zu herrschen anfängt. Dieser Geist, fuhr Redner fort, wird namentlich bei denjenigen wahrgenommen, welche da glauben die besten Christen zu sein, und die nichtsdestoweniger, wie z. B. in Berlin, die Juden bekämpfen, indem sie das Princip des Christenthums, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben, außer Acht lassen. Unsere Heimath kann sich berühmen, eine Stätte der wahren Religionsfreiheit 511 sein, wo jeder, welcher Confession er auch angehören möge, die nämlichen Rechte besitzt und geachtet und geehrt wird, sobald er nur ein ehrlicher Bürger ist. Zur Unterstützung dieser Behauptung wies Redner aus den so eben Heimgegangenen ehemaligen Abgeordneten und Justizminister Godefroi hin, indem er seine Collegen aufforderte, sich recht zahlreich bei dem am anderen Tage stattfindenden Leichenbegängnisse dieses jüdischen Staatsmannes einzufinden, welches sich denn auch zu einer sehr imposanten Kundgebung gestaltete, und bei welchem seitens des Justizministers Modderinan und des Reichsgerichtsraths Zolles sehr erhebende Reden gehalten wurden. (Wir werden über das Leichenbegängniß Ausführliches bringen. Redakt.) Dänemark. Kopenhagen, im Juni. (Privatmitth.) Wenn man die vielen Berichte von den Sammlungen für unsre verfolgten Glaubensbrüder aus Rußland, die in den kleinsten jüdischen Gemeinden stattfinden, liest, und von hieraus nichts der Art bis jetzt in den resp. Blättern mitgetheilt worden, so könnte man leicht glauben, es wäre hier garnichts geschehen. Dies veranlaßt mich, verehrter §ett Rabbiner, Ihnen Folgendes mitzutheilen: Schon im vorigen Sommer wurde eine im Verhältnisse zu unserer Gemeinde gewiß sehr bedeutende Summe durch das hiesige Comite an die „Alliance israelite linrverselle“ geschickt, wie dies in dem Semmestral-Berichte derselben mitgetheilt ist, während nebenbei unser Herr Oberrabbiner extra kleine Summen nach Memel geschickt hat. Sodann veranlaßte derselbe einen öffentlichen' Aufruf in den Tageblättern, welcher von folgenden Männern unterzeichnet wurde: Peter Egholm, Größerer. Prof. Brix, Jnspector, Reichstagsmann. Prof.jur. Goos, Reichstagsmann. Ludwig Hausen, Banquier.. E. S. Henrichsen, Höchste Gerichts-Advokat, Bürgerrepräsentant. E. L. Herforth, Ober-Gerichts-Prokurator. Severin Jensen, Bürgerrepräsentant. H. H. Kayser, Vicepräsident, Bürgerrepräsentant. Lehmann, Prof. Dr. med. Moritz G. Melchior, Etatsrath, Ritter und Groß Kreuz, Größerer. Emil Rosenärn, Oberpräsident, Kammerherr. Georg Wilhem, Kaufm. Prof. vr. A. A. Wolff, Rabbiner a. D. rc. Christian F. Sjelle, Kaufmann. (NB. Das sind 12 Christen und 2 Juden.) Und der Aufruf hatte sich eines sehr günstigen Erfolgs zu erfreuen. Bis jetzt sind nämlich, weit über 30,000 Mark eingekommen. Da inzwischen viele der Auswanderer ihren Weg über Stettin nach hier genommen haben, und sich ein Paar Tage vor Abgang des Dampfschiffes nach Amerika hier aufhalten müssen, so hat sich ein besonderes Comits, unter

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