Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1882)
- Date
- 1882-07-25
- Page
- Seite 496 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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496 vorliegen, welche ein administratives Einschreiten und die Ergreifung besonderer Abhilfemaßregeln neben der privaten Thätigkeit.der verschiedenen Comites erfordern. Die hieraus etwa erwachsenden Kosten, insbesondere auch zur zeitweisen Abordnung von Aerzten an besonders gefährdete Punkte werden nach Maßgabe der Umstände aus den Centralfonds des Ministeriums der Medicinal-Angelegenheiten gedeckt werden. — Hiesige Blätter enthalten folgende Mittheilung, welche Ms durchaus nicht zuverlässig erscheint: „In Eydtkuhnen wurde der Minister v. Puttkamer u. Ä. auch von dem dortigen Comitä für die aus Rußland auswandernden Juden empfangen. Der Vorsitzende dieses Comite's erklärte dem Minister, daß sich dasselbe auflösen werde, weil sonst der Zudrang von Juden aus Rußland nicht aufhören würde. Der Minister v. Puttkamer äußerte den Wunsch, das Comitä möge sich noch nicht auflösen, er wolle noch über diese Angelegenheit mit dem auswärtigen Amte in Verhandlung treten." Leipzig, im Juli. (Privatmitth.) Der stets eifrig wirksame Vorstand der hiesigen „Israelitischen Religionsgemeinde" hat seinen Bericht über das Verwaltungsjahr 1881 ausgegeben. Die Gemeinde zählte Ende 1881 297 Mitglieder, (was aus ungefähr 1500 Seelen schließen läßt.) Es fanden 88 Geburten, 25 Eheschließungen und 47 Todesfälle statt, also mit einem Ueberschuß von 41 Geburten über die Zahl der Todesfälle. Zur Feier des 70. Geburtstages des Rabbiners Dr. A. M. Goldschmidt wurden 5000 Mark zu einer Stiftung bestimmt und bei' gleichem Anlaß der Rabb. Dr. L. Philippson zum Ehrenmitgliede der Gemeinde ernannt. Zur Erzielung größerer Sicherheit in der Synagoge wurden eine neue Treppe und verschiedene anderweitige Vorrichtungen angebracht. Der Unterricht der Religionsschule findet in Klassenzimmern der ersten Bürgerschule statt und wird unentgeltlich ertheilt. Die Zahl der Zöglinge belief sich auf 240, und zwar 118 Knaben und 122 Mädchen, die sich auf je 5 Klassen vertheilen. Die Unterrichtsstunden finden statt: Sontag von 8—12, Mittwoch von 2—6 und Sonnabend von 2—5 Uhr. Es sind an derselben außer dem Herrn Rabbiner noch 4 Lehrer, thätig. Für die Leichenbegängnisse sind sehr angemessene Maßregeln getroffen worden. Die Einnahmen und Ausgaben balancirten mit Mk. 39,679. Die vielen Wohlthätigkeitsvereine und Stiftungen sind in blühendster Wirksamkeit. So z. B. hat die Mendelssohn- Stiftung seit 1861 545 Stipendien mit Mk. 36,607 und 656 Unterstützungen mit Mk. 10,287 gewährt. Hannover, 10. Juli. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde sowohl wie unsere Provinz haben einen großen Verlust erlitten: Mittwoch, den 6. d. M. wurde uns unser allgemein verehrter Landrabbiner Dr. Samuel E. Meyer nach einem fünf Wochen langen schweren Krankenlager durch den Tod entrissen. Gestern Nachmittag fand unter außerordentlicher Theilnahme der Bevölkerung sein Leichenbegangniß statt. Dr. Meyer erreichte ein Alter von über 62 Jahren. Nach der Berufung des Dr. Adler nach London wurde er, ein Verwandter und Schüler Adler's, zum Landrabbiner von Hannover erwählt und bekleidete er diese Stelle mit großer Pflichttreue beinahe 37 Jahre. Durch sein menschenfreundliches und friedfertiges Wesenerwarb er sich die Liebe und Achtung seiner Gemeinden, welche ihn noch lange schmerzlich vermissen werden. Bremen, 5. Juli. (Privatmitth.) Die Leser dieser Zeitung dürfte vielleicht die Thatsache interessiren, daß hier vor einigen Tagen der erste Jude in die Bürgerschaft (gesetzgebender Körper für unsere staatlichen und städtischen Angelegenheiten)' gewählt worden ist. Die Wahl fiel auf Herrn Alex. Abraham, , der bereits seit mehreren Jahren als stadtbremischer Armenpfleger wirkt und zu dem Vorstande des Neustädter Bürgervereins gehört. Die Eltern des Gewählten waren die ersten Juden, welche von der neuen Bremischen Staatsverfassung Gebrauch machten und 1849 nach hier übersiedelten. Die Sammlung für die nothleidenden russischen Glaubensgenossen hat bis jetzt die Summe von ca. 7,000 Mk. ergeben. ' Wenn man bedenkt, daß unsere Gemeinde nur klein ist und keine Geldmänner, wie andere große Gemeinden aufzuweisen hat, ferner daß zugleich mit unserem Aufrufe noch zwei andere, Bremen nahe berührende, erlassen wurden, einer für die Errichtung eines Denkmals des ehemaligen hiesigen Bürgermeisters Schmidt, des Gründers von Bremerhafen, ein anderer für die hiesige Taubstummen-Anstalt, endlich, daß gleichzeitig eine Sammlung für die Ueberschwemmten in Gelnau, Geburtsort eines hiesigen sehr beliebten Dompredigers, veranstaltet wurde, so kann man minder Betheiligung der christlichen Mitbürger an der Sammlung für die russischen Juden immerhin zufrieden sein. M. Lewinger. Oesterreich-Ungarn. Aus Ungarn, im Juli. (Privatmitth.) In der Tißa- Eßlnrer Affaire ist seit den letzten zwei Wochen keine wesentliche Aenderung eingetreten. Alle Nachrichten, welche die judenfeindlichen Blätter über die Aussagen der verhafteten Juden, welche äußernden allgemeinen Fragen hinsichtlich des Mordes noch nicht einmal vernommen wurden, bringen oder brachten, sind vollkommen grundlos. Das einzige Resultat der Untersuchung besteht darin, daß die Zahl der verhafteten Juden sich um zwei vermehrt hat. Der eine derselben, David Herschko, wurde am Samstag in Ketten und in Sträflingskleidern nach Nyiregyhaza geschleppt. In dieser Angelegenheit haben nun auch die autonomorthodoxen Rabbiner des Landes sich vernehmen lassen.. In einer Erklärung rufen sie alle Akademien und gelehrten Ge-