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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-07-25 · Heft 30 (25.7.1882) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 30 (25.7.1882)
Date
1882-07-25
Page
Seite 495 (sequence 7)
Language
German
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: 495 aber was geschieht, ersieht man nicht. Die Hauptklage ist: es fehlt an Geld und die europäischen Comites müssen solches schicken. Und in der That giebt es unter den 300,000 Juden der B. St. nicht viel Reiche, um für. 10,000 Emigranten die nöthigen Geldmittel zu beschaffen. Eine besondere Schwierigkeit, den Ankömmlingen Arbeit zu verschaffen, liegt in der streng religiösen Observanz derselben, so daß Gesellen, Fabrikarbeitern und Tagelöhnern das Unterkommen sehr erschwert ist. Die ägyptische Krise. Es sind jetzt einige Monate verflossen, als wir in einem Leitartikel darauf aufmerksam machten, daß der so überaus seltene Moment eingetreten sei, in welchem auf dem ganzen Erdball zwischen den Völkern und Staaten Friede herrsche. Derselbe ist bereits wieder vorüber; die Engländer bombardiren Alexandrien und ihre Truppen sind gelandet. Welche weitere Verwickelungen hieraus entstehen werden, kann wohl noch Niemand voraussehen. Wenn der Leser diese Zeilen vor Augen hat, weiß er schon mehr davon. Seit Mehmed Ali der europäischen Cultur Eingang in Aegypten verschafft, und sein Nachfolger Ibrahim und Ismail sie noch weit mehr in ihrem Lande heimisch zu machen gesucht, konnten natürlich die Träger und Werkzeuge derselben, die Europäer, nicht entbehrt werden. Solche überflutheten bald aus allen Theilen Europas, besonders aus Italien, Frankreich und England, abgesehen von den Griechen, das Nilthal, und machten hier in gerechter und ungerechter Weise gute Geschäfte. Die Schuldenmasse, die der Khedive auf seinen Staat, häufte, schwoll übermäßig an, bis die europäischen Regierungen die ägyptischen Finanzen unter ihre Controle nahmen und ihre Agenten die Herren spielten. Andererseits wurde das Volk noch weit mehr von Steuern erdrückt als früher. Rechnet man nun hinzu, daß der mohamedanische Fanatismus sich von dieser Herrschaft der christlichen Mächte und von diesem Zusammentreffen mit antiislamitischen Sitten und Gebräuchen tief verletzt fühlen mußte, ein Fanatismus, der durch die Niederlagen und Beschränkungen des Sultans und durch die Wegnahme von Tunesien schon aufs Aeußerste gekränkt war: so ist es nicht zu verwundern, daß unter einem kühnen Führer wie Arabi Pascha die ägyptische Armee sich auflehnte und das Volk zu Gewaltthätigkeiten gegen die Eingewanderten schritt. Diese mußten die Flucht ergreifen, und es ist constatirt, daß 76000 Europäer, 19000 christliche Syrier, 4500 eingeborene Israeliten, 15000 Muselmannen bis zum 7. Juli den ägyptischen Boden verlassen haben. Unter diesen, von offiziellen französischen Berichten gegebenen Zahlen fallen die „4500 eingeborene Israeliten" am meisten auf. Denn sie bezeugen, zu welcher Flamme der mohamedanisch-ägyptische Zelotismus aufgelodert ist, daß ihm nicht blos die eingewanderten Europäer und syrische Christen, sondern auch die eingeborenen Israeliten weichen müssen. Er will also Niemanden im Lande dulden, als die ägyptischen und arabischen Moslem, und deshalb sehen wir auch 15,000 Muselmannen unter den Flüchtlingen, wahrscheinlich aus der europäischen Türkei und Vorderasien. Ferner wird hierdurch bezeugt, daß nicht blos in Alexandrien, wo die Unruhen blutig gewüthet haben, sondern auch in Kairo und den anderen ägyptischen Plätzen der Fanatismus seine Geisel schwingt, denn diese große Zahl jüdischer eingeborner Flüchtlinge kann nur aus Kairo selbst hergekommen sein, wo die bei Weitem größere Zahl ägyptischer Juden wohnen. Augenblicklich hat dies schon die Wirkung, daß der Galatzer „Emigrant" selbst räth, vorläufig eine Einwanderung in Syrien zn widerrathen, da man nicht voraussehen könne, wie weit die mohamedanische Aufregung gehen werde. Das Weitere müssen wir abwarten. Ob es gelingt, die Ruhe wieder herzustelleü, oder ob wir hier an einem neuen Wendepunkte im Kampfe zwischen dem europäischen Christenthum und dem Islam stehen, ob daraus ein blutiger Religions- und Rassenkampf entspringt, ob die übrigen europäschen Großmächte mit der Besetzung Aegyptens durch die Engländer einverstanden sind, muß die nächste Zukunft lehren. Deutschland. Berlin, 7. Juli. Anscheinend officiös wird geschrieben: Die große Zahl der jüdischen Flüchtlinge aus Rußland, welche Preußisches Gebiet gegenwärtig passiren, erheischt eine vermehrte Vorsicht, um jeder hiermit verbundenen Gefahr einer Einschleppung von ansteckenden Krankheiten mit Energie entgegen zu wirken. Obgleich das deutsche Central-Comite in Gemeinschaft mit den verschiedenen Hilfs-Comites bereits nach dieser Richtung hin alle Fragen einer eingehenden Beratung unterzogen und den sanitären Interessen der Auswanderer eine besondere Sorgfalt zugewandt hat, so ist doch namentlich nothwendig, an den Eintritts-, Erfrischunge und Ankunfts-Stationen die erforderlichen sanitäts- und medicinalpolizeilichen Vorsichtsmaßregeln zu treffen und die Befolgung derselben durch die Kreis-Medicinalbeamten und den Regierungs - Medicinalrath überwachen zu lassen. Es wird überallin Erwägung zu ziehen sein, ob sanitätspolizeiliche Gründe

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