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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-07-25 · Heft 30 (25.7.1882) · p. Seite 494

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 30 (25.7.1882)
Date
1882-07-25
Page
Seite 494 (sequence 6)
Language
German
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über zehn Jahren und 2825 Kinder unter zehn Jahren. Da aus England und Amerika ungünstige Nachrichten bezüglich der Erschöpfung der Hülfsgelder einliefen, erlitt, wie der „N. Fr. Pr." geschrieben wird, die Emigration aus Galizien eine Stockung und man beschäftigte sich um so eifriger mit der Repatriirung solcher Personen, welche notorisch nicht vertrieben worden waren. Diese Rücksendungen finden aber namentlich bei Frauen und Mädchen nicht geringen Widerstand. Der Bedarf für die Verpflegung beträgt dermalen wöchentlich 9633 fl.-, wozu Hr. Veneziani, Bevollmächtigter eines Pariser Bankiers, einen 20 procentigen Beitrag mit 1926 fl. wöchentlich leistete. In einem Rundschreiben Veneziani's an die sämmtlichen europäischen Hülfscomitäs wird ein gemeinsamer Zusammentritt von Delegirten aller Hülfscomit6s in Brody zu dem Behufe empfohlen, um unter den dort anwesenden Flüchtlingen die bestimmte Auswahl der zu Repatriirenden, sowie der zu Emigrirenden zu treffen, wonach> die Ausführung dem in Brody bestehenden .LocalcomiL6, einer j Filiale der Wiener Allianz, überlassen werden soll. Gleichzeitig circnlirt hier auch ein Memorandum der Wiener israelitischen Allianz, welches, die Resultate der von ihren Delegirten gewonnenen Erfahrungen zusammenfassend, darin gipfelt, daß drei Ziele im Auge behalten werden müssen, und zwar: 1) den Zuzug aus Rußland nach Oesterreich zu hemmen, 2) Brody ehemöglichst zu evacuiren, und 3) zu verhindern, daß das Proletariat der russischen Emigranten sich auf österreichisch-ungarischem Boden festsetze. Rücksicht auf die allzu strenge Auswahl, welche seither unter den zu emigrirenden Flüchtlingen von Seite Englands und Amerika's getroffen worden war, erklärt die Wiener Allianz von ihrem Standpunkte mit Bestimmtheit, daß sie die Zumuthung den Bodensatz der russisch-jüdischen Flüchtlinge in Oesterreich zu behalten oder denselben in unsagbares Elend nach Rußland zurückzujagen, von wo dieselben grausam vertrieben wurden, nachdrücklich und entschieden zurückweist. Hierauf sormulirt das Circular eine Reihe von Punkten, welche der Beachtung und Vereinbarung bei einer eventuellen Delegirten-Conferenz empfohlen werden und aus welchen wir die wesentlichsten in Folgendem herausheben: es soll sich die Hülfsaction in Betreff der Emigration nur auf solche beschränken, welche in Folge, der Gräuel den russischen Boden verlassen haben, sollen Familienglieder in der Regel nicht getrennt und für die leistungsfähigen Mitglieder dem amerikanischen Comits separate Unterstützungssummen bezahlt werden. Es soll die Ziffer der zu befördernden Auswanderer so weit gesteigert werden, um vor Eintritt des Herbstes die Hülfsaction zu beendigen; deßgleichen soll auch bis zu dieser Zeit für den verbleibenden Rest der Flüchtlinge die sich als unabweisbar darstellende Repatriirung durchgeführt werden, und zwar sollen in dieselbe namentlich jene Personen einbezogen werden, welche, ohne daß sie von Gräueln betroffen oder durch Bedrohung genöthigt waren, aus Rußland nach^ Oesterreich immigrirten. Man. hofft mit genauer Befolgung dieser Directiven und unter Zuziehung der vorhandenen und noch in Aussicht stehenden Beihülfen die Action im Wesentlichen noch - vor Eintritt der kalten Jahreszeit beendigen zu können. Die Anzahl der bisher zum größten Theile durch das Mansion- House-Comite in London zu einem geringeren Theil mit Hülfe anderer Comrtäs und durch Privatwohlthätigkeit nach Amerika beförderten russischen Flüchtlinge wird auf ungefähr 10,000 Köpfe geschätzt. Aus Brody wird ferner berichtet: „Die Zuzüge russischer Flüchtlinge nehmen noch immer kein Ende. Hierzu gesellt sich der weitere Umstand, daß zahlreiche Flüchtlinge, die bereits mit Hilfe der eingelaufenen Spenden in das Ausland geschickt wurden, wieder hierher zurückkehren, da sie nicht im Stande waren, sich im Auslande einen Verdienst zu verschaffen. Die „iftliance Israelite“ sah sich daher veranlaßt, solche Flüchtlinge, von denen vorauszusehen, daß sie nicht im Stande seien, sich ihr Fortkommen zu verschaffen, mit Geldmitteln zu versehen und wieder in ihre Heimath zurückzuschicken. Die neu Ankommenden werden von' der Polizei strengstens überwacht, und, wenn dieselben nicht mit'Pässen versehen sind, wieder über die Grenze - abgeschoben. Noch immer langen aus allen Gegenden Kleidungsstücke für Männer, Frauen und Kinder an und werden in eigens zu diesem Zwecke gemietheten Kanzeleien vertheilt. Unter Anderen befindet sich hier, wie bekannt, ein Herr Namens Veneziani, . der im Aufträge des Baron Hirsch die Nothleidenden in besonders zuvorkommender Weise unterstützt und sogar Kranke, nachdem er sie mit den hierzu nöthigen Geldmitteln versieht, in Kurorte schickt. Am 6. d. M. findet aus Anlaß der Speisung armer Schulkinder ein Schulfest statt, bei welcher' Gelegenheit dem sehr verdienten Wohlthäter Ovationeü gebracht werden sollen. In allen Lebensmitteln herrscht große Theuerung, ebenso in den Wohnungen, da dieselben von Wohlthätern gemiethet und den Bedürftigen zur Verfügung . gestellt werden. Doch reichen die Lokalitäten beiweitem nicht aus, um alle Flüchtlinge zu fassen, weßhalb die Meisten in großen. überhäuften Sälen und sogar theilweise im Freien übernachten. Es wird' daher der Ausbruch von ansteckenden Krankheiten befürchtet, weßhalb von den Behörden sanitäre ' Vorkehrungen getroffen wurden. Für die nächsten Tage wird hier ein ganzer Transport erwartet, bestehend aus Flüchtlingen, die aus Amerika wieder hierher zurückkehren." Es liegen uns viele amerikanische Blätter vor, die aber von der dortigen Lage der Emigration durchaus r deutliches Bild geben. Es werden Meetings und viele 9j| gehalten — auch Herr Pates, .der Delegirte von Sof wohnte einigen an - viele Reden vom Stapel gelasH

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