Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1882)
- Date
- 1882-07-18
- Page
- Seite 481 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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pathie verwandelten. Es stehen nun allerdings neue Wahlen und zwar zum preußischen Landtage bevor. Mag nun in der Hitze des Wahlkampfes hier und da ein antisemitischer Stoßseufzer zu Gehör kommen, zu einem, wirklichen Kampfmittel wird der Antisemitismus sich nicht wieder erheben lassen. Haben doch selbst die vorbereitenden Versammlungen der hochconservativen Vereine in ihrem Programm nichts von ihm ausgenommen. Die Antisemiten haben in Gesetzgebung, Volksaufregung und als Partei eine völlige Niederlage erlitten und Alles, was sie als Ziele und Mittel vorgeschlagen, hat sich als eitel Dunst erwiesen. Berlin, 9. Juli. (Privatmitth.) Das „Deutsche Central- Comits" hat seinen 2. Monatsbericht und zwar über Juni 1882 ausgegeben. Er schließt mit der Einnahme, Mark 398,888 und der Ausgabe von 137,827 ab, so daß in Cassa blieben Mark 261,06t. Da die A. Z. d. I. gern einen Ueberblick über die gesammte Ausdehnung der dem russischen Hülfswerke gewordenen Unterstützungen schaffen will, so geben wir hier die Uebersicht dieser Einnahmen. Local-Comite Berlin ..... 100,010 Mk. — Pf. Dr. Hildesheimer, Berlin . . . 7,000 „ — Local-Comiw Bamberg . . . 8,000 „ . -- Beuchen O.-Schl. . 2,750 „ Breslau . . . . . 73,500 „ — für Beförderung . . . . . . 1,150 „ 30 Local-Comich Briefen .. . . . 281 „ 30; Colberg .-V / . . 700 „ — Cosel. . . 400 „ — Dresden .. . , . 10,000 „ . — Düsseldorf . . 2,350 „ „ Frankfurt a/M. , 80,000. „ — „ „ Gießen . . . 1,455 „ —- „ „ Görlitz . . . . 5,000 „ — „ „ Halle . . . . . 1,000 „ — „ „ Hildesheim . . . .. 12,979 „ 76 „ „ Köln . . . . . . 15,250 „ „ Königsberg . . . . . 18,000 „ — „ " Leipzig . . . . 5,000 „ — „ „ Liegnitz .... 3,000 „ — „ „ Hannover .. . . . 20,000 „ — „ „ München . . . . . 12,000 „ — „ „ Nienburg a/Wes. . 238 „ io n » Stockholm . . . ’. 16,878 „ 77 „ „ ' ' Thorn . . . . . 1,000 „ — " "? 955 , — “398,888 Mk. 23 Thatsächliches ist aus dem diesmaligen Berichte folgendes zu entnehmen: „M erwies sich, daß die in unserem Maiberichte betonte, von uns selbst anerkannte Härte,- gerade die Hilflosesten in Brody nicht nach Amerika zu befördern, eine unumgänglich nothwendige war. Von New-Aork sind bereits, nach eingegangenen Nachrichten, 400 von den dahin Expedirten, angeblich solche, die nicht arbeiten können oder wollen, zur Rückbeförderung eingeschifft. Um nun New-Iork in den Stand zu setzen, möglichst von weiteren Rücktransporten abzustehen und die Tausende, welche ohne Beschäftigung dort verweilen, einige Zeit -dort unterhalten und allmälig unterbringen zu können, haben wir der dortigen Emigrant Aid Society 100,000 Mark übersandt, und hoffen hiermit dem Willen unseres Localcomitös entsprochen zu haben." — Aus den zu repatriireuden Familien will man die Kinder zurückbehalten und erziehen lassen, wofür das Comits 50,000 Mark bestimmt hat. Offenbach, Anfangs Juli. (Privatmitth.) Theils als Aufmunterung zur Nachahmung, theils zur Charakterisirung der Gegenwart für eine spatere Zukunft verzeichnen Sie in dieser Zeitung die Ergebnisse der Bestrebungen unserer verschiedenen israel. Religionsgemeinden zu Gunsten der unterl drückten Israeliten in Rußland. Deßhalb hoffe ich, ,daß Sie auch einen kleinen Bericht über das, was in unserer hiesigen Gemeinde in dieser Beziehung erzielt wurde, gütigst aufnehmen werden. Am jüngsten Peßach-Feste besuchte ich in Begleitung des ersten Vorstehers unserer Religionsgemeinde, Herrn Jakob Levi, den Vorsitzenden der hiesigen Freimaurer-Loge, den Herrn Apotheker Klingelhöffer, einen Christen. Wir machten ihn mit dem Zweck unseres Besuches bekannt, schilderten ihm das große Elend der mißhandetteK,LsraelitenD in- Ruß-, 'land^tttbähnten, was zur Linderung Dieses Elendes in.vielen Städten geleistet wurde, drückten unser Bestreben aus, auch in unserer Stadt Offenbach, welche niemals unthätig blieb, wenn Hülfe in der Roth -verlangt, wurde, auch nt dieser Noch Theilnahme zu wecken, daß wir aber eine warme Theilnahme nur dann hoffen dürften, wenn die würdige Loge, welche hier schon so viele edle Werke geschaffen habe, ihren gütigen Beistand uns verleihen wolle. Herr Klingelhöffer versicherte uns seiner aufrichtigen Theilnahme und versprach uns, das Hülfswerk in die Hand zu nehmen. Und der edle Menschenfreund hielt Wort. Durch seine Bemühung bildete sich, mit dem Beistand verschiedener Logen-Mitglieder, ein Hülss- Comits, es wurde eine Collecte veranstaltet, welche, nach Verhältniß der Einwohnerzahl unserer nur mittelgroßen Provinzialstadt, ein erfreuliches Ergebniß erzielte. Die Liste der Einzeichnungen eröffnete der genannte erster Vorsteher, Herr Jakob Levi, mit einem Beitrag von zweihundert Mark; ihm folgte. Herr Fabrikbesitzer E. Oehler, ein Christ, mit fünfhundert Mark, und in diesem Verhältnisse folgten die weiteren Einzeichnüngen. Ich füge nur noch die Bemerkung hinzu,, daß unter den 47 Comits-Mitgliedern mir 13 Israeliten sich befinden, die übrigen sind Christen und zwar die angesehendsten und einflußreichen Bürger unserer Stadt. vr. S. Formstecher. 29