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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-07-11 · Heft 28 (11.7.1882) · p. Seite 463

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 28 (11.7.1882)
Date
1882-07-11
Page
Seite 463 (sequence 7)
Language
German
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468 ' Das Curioseste dabei ist, das es gerade Abkömmlinge der mongolischen und finnischen Völker sind, welche am lautesten nach Reinigung Europa's von fremden Elementen schreien. Fürchten sie etwa, man werde, wenn man einmal daran geht, Europa mit der Raceneinheit, wie Tirol mit der Religionseinheit, zn , beglücken, sie als Nordasiaten erkennen und zu ihren nächsten Vettern, den Ostjaken und Wogulen zurückschicken, und suchen sie deshalb durch lautes antisemitisches Geschrei die Reinheit.ihres arischen Blutes zu beweisen?' „Koran und Talmud gehören nicht nach Europa," hat ein Mitglied des ungarischen Parlaments gesagt, und wir wollen mit ihnl durchaus nicht über die Heimathsberechtigung dieser Bücher streiten, die er wahrscheinlich nicht gelesen hat und nicht lesen kann; wir wollen ihn auch nicht erinnern, daß auch altes und neues Testament nicht in Europa entstanden sind, denn der Mann ist ein guter Christ, wie er ein echter Europäer ist, und das könnte ihn vielleicht kxänken. Aber wir wollen ihn sragen, wer denn die Schuld trägt, daß noch so viel Koranverehrer Europa „verunreinigen," wenn nicht die Magyaren? Waren sie es denn nicht die immer im Gefolge türkischer Sultane gegen das christlich germanische Wien die Waffen trugen? Waren es nicht Magyaren, die immer die Türken gegen die deutschen Kaiser zu Hülfe riefen,, und selbst noch im Jahre 1709 die Pforte um Unterstützung gegen den Kaiser baten mit dem Versprechen künftig das Doppelte des ehemaligen Tributs zu entrichten? Auch das Recht des Früherkommens können die Magyaren nicht gegen die Juden anrufen. Denn als sie, von den Petschenegen aus Asien vertrieben, vor ungefähr tausend Jahren nach Pannonien als halbe oder ganze Barbaren kamen, da lebten die Juden schon seit Jahrhunderten in Europa und standen auf gleicher Stufe der Civilisation mit den fortgeschrittensten Völkern Europa's. Wollte man also in Europa mit dem Hinauswerfen der Zuletztangekommenen beginnen, so müßte man eigentlich mit der „ritterlichen Nation" anfangen. Wir sind aber durchaus keine arischen Knownothings und denken gar nicht an eine Austreibung der Magyaren, ja wir werden keinen Kreuzer beisteuern, um etwa ihre Auswanderung nach Amerika zu befördern, obwohl sie, der nordasiatischen Race angehörig, den Jndogermanen viel ferner stehen als die Semiten, , welche mit den Hamiten und Jndogermanen zu den Völkern des Mittelländischen Meeres gerechnet werden. Ja, wir sind so tolerant,, daß wir das ganze Princip des Frühergekvmmenseins zu opferu bereit sind; denn — unter uns sei es gesagt -— wenn man mit dem Princip Ernst machen wollte, müßten wir alle, Deutsche, Franzosen, Engländer, Slaven u. s. w. Europa räumen und es den . aütochthonen Europäern überlassen. Freilich wären diese, außer etwa Basken und Eskimos, schwer zu finden, und man müßte in allen Zeitungen Aufforderungen an die „unbekannt wo" abwesenden Aütochthonen Europa's erlassen, sich „an Unterzeichneter Stelle" zn melden und ihre böswillig verlassenen Wohnsitze wieder einzunehmen, widrigenfalls sie als tobt, erklärt werden würden. - Wir hoffen, daß sie sich nicht melden und uns nicht aus der süßen Gewohnheit des Daseins zwischen Ural und Atlantischem Meer aufschrecken werden. Auch hätten wir das Recht, von ihnen Entschädigung für Eisenbahnen, Festungen, Museen und andere Ameliorationen und Jnvestirungen zu verlangen, die sie wahrscheinlich nicht zu zahlen im Stande sein würden. Die Gefahr ist also für Europa nicht so nahe, aber wie steht es mit den anderen Welttheilen? In Asien freilich können wir noch ein gewisses Heimathsrecht beanspruchen. Ob aber der Umstand, daß wir vor ein paar tausend Jahren von dort ausgewandert sind> uns das Recht giebt, dort die Herren zu spielen, wie die Engländer in Indien, die Russen in Turkestan und Bochara, das ist noch die Frage. Wir bringen ihnen freilich unsere Civilisation dafür, und den Chinesen dazu etwas Opium. Wenn fie's nicht freiwillig nehmen wollen, zwingen wir sie mit unseren Kanonen dazu. Die Chinesen aber sind so dumm und nennen die Engländer rothhaarige Barbaren. Von Menschenrechten und Menschengleichheil haben diese gelben bezopften Asiaten sonderbare Begriffe. Wenn die Amerikaner ihnen einen Handelsvertrag aufzwingen und in den chinesischen Hafenplätzen Factoreien anlegen, so glauben die Chinesen auch das Recht zu haben nach Amerika einzuwandern! Da hat ihnen aber' die große Republik gezeigt, wie die Menschenrechte zu verstehen sind, indem sie das Einwanderungsrecht der Chinesen auf zehn Jahre sistirte. Den Juden aber, denen Ungarn den Zugang wehrt, gestatten die Amerikaner die Einwanderung. Wie wäre es, wenn man dagegen den Strom der chinesischen Einwanderung nach Ungarn lenkte? Sie gehören ja so gut wie die Magyaren und Tataren zur nordasiatischen Race und würden dort wohl mit freudiger Ueberraschung manchen avitischen Zopf wiederfinden. Die Amerikaner aber können froh ffein, daß das Einwanderungsverbot nicht vor drei- bis vierhundert Jahren erlassen worden; denn hätten die Sioux, Irokesen, Mohikaner u. s. w. rechtzeitig die Einwanderung der Blaßgesichter verhindert, wie man jetzt die der Gelbgesichter verhindert, so wüßten wir nicht, was mit unserer überschüssigen europäischen Bevölkerung anzufangen. Freilich würden dann auch die Rothhäute die Wohlthaten des Branntweins und der Blattern entbehren. Wenn wir uns jetzt für Türken- und Saraceneneinsälle, für die Raubzüge der nordafrikanischen Seeräuber an ihren

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