Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1882)
- Date
- 1882-07-04
- Page
- Seite 452 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227393-3227421--40019-3257633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
: ' ■ ■ ■ 452 : . , . ' ganz gut zu vereinigen; ein wenig Vokabeln, ein wenig Grammatik und auch ein wenig Mechanismus, und man komme zum Ziele. Die Hauptarbeit bleibe doch immer dem Lehrer. Lehrer Fauerbach ist der Ansicht, daß wie bei allen Unterrichtsgegenständen auch bei dem Unterricht im Pentateuch die allgemeinen pädagogisch-didaktischen Grundsätze zur Anwendung kommen müßten. Das mechanische sogen. Chumesch- Hersagen sei geistestödtend und zu verwerfen, da es erfahrungsmäßig zu keinem erwünschten Ziele führe. Das Kind müsse so früh als möglich mit Verständniß lernen.. Es komme ihm nicht auf die Quantität, sondern darauf an, daß das Kind lerne, wie man lerne. Er betrachte den grammatischen Unterricht auch nicht als Zweck, sondern als Mittel, aber als solches sei er absolut nicht zu entbehren und daher auch nicht bedeutungs- und zwecklos. Am Schluffe der Debatte sprach vr. Guttmann, gestützt auf praktische Erfahrungen, die Ansicht aus, daß es für den gedeihlichen Unterricht im Pentateuch, resp. der Bibel, dringlich nothwendig sei, einen Auszug zu besitzen, der als Schulbuch alle anstößigen, sittliche Bedenken erregenden, oder für den Schulunterricht nicht zu verwerthenden Stellen ausschließe. — vr. Prager anerkannte die Dringlichkeit des Bedürfnisses nach hinein solchen Auszuge nicht; er glaubt, daß er zu entbehren sei, wenn man weder in der Schule noch zu Hause bei der Präparation eine Uebersetzung zulasse. Obwohl die Majorität der Versammlung sich zur Ansicht des vr. Guttmann bekannte, verständigte man sich, um der nicht geringen Minorität, die den Ausführungen des vr. Prager zustimmte, gerecht zu werden, zu folgender Resolution: „In Anerkennung der Schwierigkeiten, welche dem Pentateuchunterricht aus denjenigen Stellen erwachsen, die entweder in geschlechtlicher Beziehung oder wegen ihres sonstigen Inhalts für das kindliche Alter nicht angemessen erscheinen, in fernerer Erwägung, daß in einigen der lehrreichsten und das kindliche Gemüth ganz besonders ansprechenden Stellen einzelne Ausdrücke in geschlechtlicher Beziehung beim Unterricht Anstoß erregen, beschließt die Versammlung, in Verbindung mit den anderen jüdischen Lehrervereinen Deutschlands, in die Erörterung der Frage einzutreten, ob nicht die Veranstaltung einer Schulausgabe des Pentateuchs, resp. einer Schulausgabe der Pentateuchübersetzung in Aussicht, zu nehmen sei, welch' letztere den Schülern zur häuslichen Vorbereitung in die Hand zu geben wäre.— Der Vorstand wird beauftragt, mit den jüdischen Lehrervereinen dieserhalb in Verbindung zu treten." Es folgte nunmehr der zweite Vortrag vom Lehrer Horwitz-Wunstorf: „ Charakter und Charakterbildung". Der - wohldurchdachte und mit Fleiß und Geschick ausgearbeitete Vortrag wurde beifällig ausgenommen, gab jedoch zu einer eingehenden Debatte keinen Anlaß. . Sodann hielt Lehrer Vogelsdorff-Drausfeld einen Vortrag über das Thema: „Welche positiven Zuchtmittel lassen sich in der Schule anwenden?" Referent stellte in gedrängter aber klarer Weise das Hauptsächlichste zusammen, was die. allgemeine Pädagogik in dieser Beziehung lehrt. Bei der Debatte, die vornehmlich auf die körperliche Züchtigung sich bezog, betonte man vielseitig, daß die Strafe nach der Individualität und den häuslichen Verhältnissen zu bemessen und körperliche Züchtigungmur selten und im äußersten Nothfalle anzuwenden sei. Stern-Hildesheim hält es für erforderlich, nur gelinde Strafmittel im allgemeinen in Anwendung zu bringen, damit nothigenfalls dieselben gesteigert werden können und man auch bei bösartigen Kindern ausreiche. Eckmann-Nienburg will die Strafe, namentlich bei Ungezogenheiten und Rohheiten energisch und möglichst sofort ertheilt wissen, weil dieses überrasche und einen tiefen Eindruck bewirke. Rosenbaum-Hameln tritt entschieden für die Ausschließung einer jeden körperlichen Züchtigung in der Religionsschule ein, was jedoch mehrseitigen Widerspruch hervorrief. Hiermit schloß, Mittags 1 Uhr, die Vormittagssitzung. — Die Vereinsmitglieder folgten sodann der seitens mehrerer Mitglieder der Gemeinde Hildesheim an sie ergangenen freundlichen Einladung zum Mitlagsmahle. Um 3 Uhr Nachmittags wurden die Verhandlungen fortgesetzt und es kam zunächst das Referat des Lehrers Selig- Gleidingen: „Wovon, hängt vorzugsweise der Erfolg des Unterrichts ab?" zum Vortrage., Referent sprach sich in seinem wohldurchdachten und sehr erschöpfenden Bortrage dahin aus, daß die Klagen über ungenügenden Erfolg des Unterrichts seltener gehört würden, wenn die Lehrer den Grund weniger in den Schülern als in sich selbst suchten. — Ein günstiger Erfolg des Unterrichts sei nur dann zu erwarten, wenn der Lehrer völlig Herr des Unterrichtsstoffes sei, frei vortrage, zu den Lectionen sich gewissenhaft vorbereite, das Pensum genau bestimme, die beste Methode zur Anwendung bringe und eine Mte Disciplin zu halten verstehe. — Redner empfahl noch als geistig anregend und belehrend die jüdische Schulzeitung, die zwar bislang den nichtjüdischen Schulzeitungen nicht gleichkomme, die aber gewiß viel mehr bieten werde, wenn ihr von Seiten der Lehrer mehr Interesse zugewandt würde. Die Ausführungen des Referenten fanden keinen Widerspruch und gaben zu einer Debatte keine Veranlassung. Hierauf referirte Lehrer Fauerbach-Hildesheim über die ' H.