Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1882)
- Date
- 1882-07-04
- Page
- Seite 451 (sequence 11)
- Language
- German
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451 neuerdings wohl Tausende von Familien zur Niederlegung ihres bisherigen Erwerbes gezwungen werden, und so wird es systematisch mit Grazie weitergehen! Galatz, 21. Juni. Nach neuesten Nachrichten eröffnet die Türkei den einwandernden Juden alle Häfen und Plätze des Reiches mit alleiniger Ausnahme des Gouvernements Jerusalem, d. h. Palästina's. Dieses letztere Verbot hält die türkische Regierung aufrecht. Selbstverständlich hat dies auf einzelne Einwanderer keinen Bezug, sondern nur auf Gruppen von 100 Köpfen und darüber. Bonn, 25. Juni. (Notizen.) Man schreibt uns aus Alzey: Das angekündigte Fest des silbernen Hochzeitsjubiläums unseres Rabbiners wurde würdig gefeiert durch eine schmeichelhafte Adresse und werthvolle Gabe seitens der Gemeinde, wie durch viele Gratulationen, kostbare Geschenke und eine überreiche Blumenspende von nah und fern Stehenden aus unserm und anderen Orten, auch Aachen, dem Orte der früheren Wirksamkeit unsers Rabbiners, von College» und sonstigen Freunden, unter denen auch der würdige Redacteur d. Zeit., Juden und Christen, unter denen auch die hiesige Geistlichkeist nicht fehlte. Ieuilleton. Lorrespon-euz. Die am 29. Mai 1882 in Hildes heim stattgefundene Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover.*) An der diesjährigen Versammlung nahmen außer den Ehrenmitgliedern Landrabbiner vr. Guttmann - Hildesheim, vr. Sophar-Celle, Seminardirektor vr. Prager-Hannover 22 Lehrer Theil. Der zeitige Vorsitzende, Lehrer Schlesinger-Güttingen, eröffnete die Versammlung mit herzlichen Begrüßnngsworten und gedachte zunächst des leider so früh und unerwartet erfolgten Heimgangs des Vorsitzenden im Vorstände des deutschisraelitischen Gemeindebundes, Jakob Nachod aus Leipzig, der sich um das jüdische Gemeinde- und Schulwesen hervorragende Verdienste erworben und welcher für den jüdischen Lehrerstand stets das wärmste Interesse bekundet habe. — Die Versammlung ehrte dessen Andenken durch Erheben von den Sitzen. — Hierauf bewillkommnete Landrabbiner vr. Guttmann in seinem Namen und in dem der Gemeinde Hildesheim die Versammlung mit herzlichen Worten. Nachdem sodann die bisherigen Vorsitzenden, Schlesinger-Göttingen und Feuerbach- Hildesheim, per Acclamation wiedergewählt und Blumenfeld- Adelebsen und Stern-Hildesheim zu Schriftführern ernannt worden waren, wurde in die Tagesordnung eingetreten. Dieser gemäß hielt Oberlehrer Baßfreund-Hannover einen Vortrag über das Thema: „Der Pentateuchunterricht nnd die hebräische Grammatik in der Religionsschule." Der längere Vortrag des Referenten gipfelte darin, daß beim Unterricht im Uebersetzen des Pentateuch nicht wie bei der Erlernung einer anderen fremden Sprache mit Nutzen verfahren werden könne, indem bei der knappen Zeit, welche für diesen Gegenstand in der Religionsschule zu Gebote steht, ans diesem Wege das erwünschte Resultat nicht zu erreichen *) Es liegen uns die Berichte mehrerer Lehrer-Bersammlungen vor. Wir geben sie nach der Reihenfolge des Einlaufs. Redakt. sei, vielmehr glaubt er, daß dies leichter und eher geschehe bei der bislang üblichen Methode des Vor- und Nachsagens der Uebersetzung neben dem Gebrauche eines guten Vokabulariums, und daß bei diesem Verfahren die Anwendung der Grammatik nur in ganz beschränktem Maße nöthig sei. Der Vortrag gab Veranlassung zu einer sehr lebhaften und eingehenden Debatte, an der sich namentlich Dr. Guttmann, Dr. Prager und Lehrer Fauerbach betheiligten. Di-. Guttmann dankte dem Referenten, daß er ihm durch seinen Vortrag Gelegenheit gegeben, aus den wichtigen Gegenstand, über den bereits wiederholt in den Conferenzen verhandelt worden sei, nochmals zurückkommen zu können. Redner sprach sich in längerer, auf praktische Erfahrung sich gründender Auseinandersetzung dahin aus, daß in der Religionsschule bei zwei wöchentlichen Unterrichtsstunden im Pentateuch von einer wissenschaftlich-methodischen Behandlung keine Rede sein könne. Die Methode, wie sie gegenwärtig bestehe, habe sich aus den gegebenen Verhältnissen herausgebildet und werde daher, so lange diese dieselben bleiben, im wesentlichen nicht zu verändern sein. Man dürfe allerdings in der Sache nicht stehen bleiben, müsse. vielmehr unaufhaltsam dahin streben, den hebräischen Unterricht zu heben und die Methodik darin weiter auszubilden, um in der kurzen Zeit so viel wie möglich leisten zu können. Man dürfe ferner nicht vergessen, daß der Pentateuchunterricht kein Sprachunterricht, sondern Religionsunterricht sein und bleiben müsse, und daher sei die hebräische Grammatik/ die niemals bei dem Kinde so fest sitze, daß sie bei dem Uebersetzen in vollem Maße zur Anwendung komme, nur insoweit zu lehren, als sie als Hilfsmittel nothwendig sei. Ihm komme es in erster Reihe darauf an, das Kind so früh und so rasch als möglich in den Geist des Pentateuch, resp. der Bibel, einzuführen. vr. Prager schließt sich im allgemeinen den Ausführungen des vr. Guttmann an und hebt noch besonders hervor, daß nicht das Uebersetzen, sondern das Verständnis; des Inhalts Hauptsache und Zweck sei. Jede Methode sei berechtigt, die 1 zu diesem Ziele führe. Die verschiedenen Methoden seien .27*