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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-07-04 · Heft 27 (4.7.1882) · p. Seite 450

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 27 (4.7.1882)
Date
1882-07-04
Page
Seite 450 (sequence 10)
Language
German
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450 * ' MW stantische Consistorium von Brest an das Hülfs-Comite für die russischen Juden folgendes Schreiben gerichtet: „Meine Herren! Am 31. Januar 1882, nach den ersten Nachrichten über die Verfolgungen — wir finden keinen Ausdruck, um sie zu charakterisiren — der Israeliten Rußlands, fühlten wir uns schmerzlich bewegt und gedemüthigt, und in einer öffentlichen Versammlung in unsrer Kirche zu Brest bekundeten sich Zeugnisse der tiefen Sympathie zu Gunsten der armen Verfolgten. Vorgestern wurden 102 fr. am das Journal Le signal in Antwort auf Ihren Aufruf geschickt. Entschuldigen Sie die Geringfügigkeit; es ist mehr ein Zeugniß als eine Unterstützung. Heute geben wir uns die Ehre, an Sie einen energischen Protest zu richten im Namen des Consistoriums von Brest und wir glauben sagen zu dürfen im Namen des ganzen Protestantismus der Bretagne gegen die Verfolgungen, deren Gegenstand die Israeliten sind, und wir flehen zum Vater der Barmherzigkeit, sich ihrer zu erbarmen. Empfangen Sie den Ausdruck unsres Schmerzes. Im Nanieu des Consistoriums von Brest, der Abkömmlinge der alten Hugenoten E. Berthe als Präsident; Bellamy Maire von Brest, Ritter der Ehrenlegion, als Sekretär. Rußland. Petersburg, 1. Juni. Man telegraphirt dem „Golos" aus Ch arkow vom 29. Mai: Gestern beim Diner des Handels- Clubs schlug der Starost der Kaüfleute Herr N. A. Jewerjew vor, Schritte bei der Regierung, nach dem Beispiel der Moskauer Kaufleute, zu thun, um eine günstige Lösung der Jndenfrage nach den Anforderungen der Menschlichkeit und der Würde des russischen Volkes herbeizuführen. Dieser Gedanke wurde zustimmend ausgenommen. Die Vertreter des Handels von Charkow, die Herren Akimenko, Orlow, Byschew, Pomararw, Fricke, Gorbonnow, Karew und andere, die dem Diner anwohnten, setzten auseinander, welch' traurigen Einfluß das unglückliche Geschick der Juden und die ihnen anferlegten Beschränkungen in Bezug auf ihre Wohnungsberechtigung auf die Interessen des Handels ausübey. Man erkennt hieraus abermals, daß die einsichtsvollen und nicht vom wüsten Parteigetricbe ergriffenen russischen Kreise sich über die Ursachen allen Unheils und das einzige Heilmittel, die Gleichberechtigung der Juden, völlig klar sind. — In der kleinen litthauischen Stadt Kynki hat eine Brandstiftung den vierten Theil der Stadt, 120 Häuser, in Asche gelegt. Die ^meisten derselben gehörten Juden, die dadurch in großes Elend versetzt worden. — Die katholische Geistlichkeit in Polen eifert energisch von den ° Kanzeln gegen jede Verfolgung der Juden. Petersburg, 11. Juni. (Privatmitth.) Welche Wendung die Angelegenheiten der Juden unter dem neuen Minister des Innern, Grafen Tolstoi, nehmen werden, ist bisjetzt unbekannt und aus irgend welchen Maßnahmen nicht, zu erkennen. Von den Projekten, mit welchen Jgnatiew sich trug, ist aus den letzten Tagen seines Regiments noch bekannt geworden, daß er ■ die Anzahl der Synagogen und jüdischen Bethäuser verwinden wollte und deshalb eine sorgfältige Erhebung über die Zahl derselben an den von Juden bewohnten Orten angeordnet hatte. Auch hier natürlich waren nur menschenfreundliche und loyale Motive vorhanden. Die Unterhaltungskosten dieser Häuser seien eine zu große Last für die armen Juden; auch dienten sie oft nur zur Zufluchtsstätte „zweifelhafter Leute, welche die Bevölkerung der Umgegend ausbeuten und regierungsfeindliche Zwecke verfolgten". (!!) Ferner erhielten alle Criminalgrerichtshöfe den Befehl, die Liste der von Juden während der letzten zehn Jahre begangenen Verbrechen aufzustellen, mit dem Namen der Schuldigen und der Angabe, welche Verluste durch diese dem Staatsschatz und Privatpersonen verursacht worden. Man kann sich denken, mit welcher Gewissenhaftigkeit diese Listen gearbeitet sein werden, da den Gerichtshöfen zugleich kundgegeben ward, daß diese Tabellen dienen sollten, um vor Europa die Verfolgungen der Juden zu rechtfertigen. — Ich gebe ihnen diese.Nachrichten nicht aus eigener Wahrnehmung, die man bezweifeln könnte, sondern nach russischen Blättern, die unter russischer Censur erscheinen. Doch noch Eines. Jgnatiew beabsichtigte auch, das jüdische Lehrerseminar zu Wilna aufzuheben. Rumänien. Galah, 6. Juni. Der hier erscheinende macht in seiner Nummer vom 6. Juni auf die Lage der Juden in Rumänien aufmerksam. Er führt zuerst aus, wie in früheren Zeiten die Moldau und Wallachei die Juden herbeizuziehen suchten, um ihren völlig darniederliegenden Verkehr, namentlich auch das ganz vernachläßigte Handwerk zu beleben und in die Höhe zu bringen. Jetzt nun, wo das rumänische Volk sich eines besseren Zustandes zu erfreuen beginnt, werden alle möglichen Maßregeln getroffen, um die Juden durch Aushungern aus dem Lande hinauszudrangsalen. , Er sagt hierüber. Auf diese Weise fing man mit Kleinem au, um später mit Großem zu endigen. Man entzog ihnen den Tabakverschleiß im ganzen Lande, den Brandweinverkauf in den Rural-Gemeinden und kleinen Städten, man nimmt ihnen in der obern Moldau den Detailverkauf in den Straßen weg, durch Jmportation der Oltener, die man auf jede Weise begünstigt. Das neue Makler- und Börsengesetz, wie auch die jüngsten Zollgesetze Haben Hunderten von Familien alle Aussicht auf eine andere Beschäftigung benommen. Es liegen noch Gesetzesprojecte vor, zur Regelung des Hausirhandels- und Handwerkerstandes, rc., wodurch

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