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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-07-04 · Heft 27 (4.7.1882) · p. Seite 448

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 27 (4.7.1882)
Date
1882-07-04
Page
Seite 448 (sequence 8)
Language
German
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— Der Herr Otto Glagau ist nun endgültig wegen Beleidigung des (jüdischen) Redacteurs Dannenberg in Hamburg, zu 500 Mk. event. 50 Tagen Gefängniß vernrtheilt worden. Trier, 22. Juni. (Privatmitth.) Auch hierorts ist . aus angesehenen jüdischen und christlichen Mitbürgern ein Comitö zusammengetreten, um für die unglücklichen russischen Juden Unterstützungen zu sammeln. Unter dem 12. d, erließen sie einen in warmen Worten abgefaßten „Aufruf". Unterzeichnet sind: Dr. A. Dronke, Realgymnasial-Direktor; Robert Geller, Kaufmann und Stadtverordneter; Fr. Krehmer, Direktor der städtischen höheren Töchterschule; Louis Lautz, Commerzienrath und Stadtverordneter; M. Löser, Kaufmann; de Nys, Ober-Bürgermeister; L. Ed. Paltzer, Kaufmann und Stadtverordneter; Pleuß, Erster Staatsanwalt; Valentin Rautenstrauch, Commerzienrath und Beigeordneter; Professor Dr. Renvers, Gymnasial-Direktor; Eugen Rothschild, Kaufmann und Stadtverordneter; Dr. Zuckermandel, Oberrabbiner. . Würzburg, 22. Juni. (Privatmitth.) Pädagogen und Aerzte sind wohl jetzt über die segensreichen. Wirkungen der Kindergärten in erziehlicher und gesundheitlicher Beziehung einverstanden, besonders aber der nach Fröbels System eingerichteten. Um so mehr möchten wir unsre Leser auf einen in Würzburg bestehenden Kindergarten für Israeliten aufmerksam machen. Derselbe wird geleitet von einer bewährten Kindergärtnerin Fräulein Eva Meyer und hat in der kurzen Zeit seines Bestehens — wie wir aus eigener Anschauung wissen — schon recht schöne und anerkennenswerthe Leistungen erzielt. Zu wünschen wäre nur, daß unsre Glaubensgenossen in größerer Z^hl ihre Kleinen dem Institut zuführen möchten, welches ^segensreich wirkt. Die Zahl seiner jetzigen Besucher — 2M— steht keineswegs im richtigen Berhältniß zu der hiesigen großen israelitischen Gemeinde, deren Verwaltung die Leistungen des fraglichen Instituts durch einen baaren Beitrag anerkannt hat. Die Inhaberin des Instituts ist auch bereit und befähigt, Mädchen welche sich zu Kindergärtnerinnen heranbilden wollen, -die nöthige theoretische und praktische Anleitung zu ertheilen und zwar für Deutsche und Französinnen, da Frl. Eva Meyer der französischen Sprache vollständig mächtig ist, sowie sie auch durch ihre musikalischen Kenntnisse die Kinderliedchen und die körperlichen Bewegungsspiele der Kleinen auf dem Klavier selbst zu begleiten vermag. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, daß der Kostenpunkt, wenn derselbe überhaupt in einer so wichtigen Frage, wie die Kindererziehung, entscheiden darf, eigentlich hier keine Rolle spielt, denn die Entschädigung, welche für ein Kind zu entrichten ist, kann selbst von minder bemittelten Eltern ohne Schwierigkeit aufgebracht werden. Schenken unsre Glaubensgenossen diesem Institut, welches wir bestens empfehlen können, etwas mehr Aufmerksamkeit und erfüllen dadurch eine Pflicht gegen ihre Kinder; so ist der Zweck dieser Zeilen Erreicht, sie selbst aber werden die segensvolle Wirkung mit Empfindungen des Dankes sehr bald . bemerken können. Aus Württemberg, 18. Juni. (Privatmitth.) Der Staatsanzeiger für Württemberg veröffentlicht in seiner heutigen Nummer eine Bekanntmachung der K. isr. Oberkirchenbehörde, betreffend das Rechnungsergebniß der israelitischen Zentralkirchenkasse pro 1880/81. Darnach beliefen sich die Einnahmen auf 91,112 M./darunter 7134 M. Kapitalzinse, 10,884 M. Landesumlage, 8009 M. Beiträge zu Rabbinatsgehalten, 23,822 M. Zuschuß der K. Staatskasse (25o/o aller Einnahmen), 700 M. freiwillige Beiträge größerer Gemeinden zur Unterstützung unbemittelter Gemeinden. Die Ausgaben betrugen 83,681 M., darunter 7866 M. Aufsichts- und Verwaltungskosten, 24,818 M. für (12) Rabbinatsbefoldungen, 10,149 M. für Gehaltsaufbesserung für Lehrer u. Vorsänger, 4585 M. Turnus und Kirchenkosten. Das Vermögen beträgt 166,077 M. Die heutige Neckarzeitung veröffentlicht das 2. Spendenverzeichniß des Heilbrunner Comitö's für die russischen Juden; dasselbe enthält auch ansehnliche Gaben von christlichen Spendern.! Oesterreich-Ungarn. Wien, 22. Juni. Unsere Leser erinnern sich der Notiz über „antisemitische Bübereien" mit Siegelmarken, die wir in Nr. 23 mittheilten. Die Sache hat noch weitere Folgen gehabt. In den letzten Wochen wurden an Planken, Bäumen und Häusern im ganzen Wiener Polizeirayon und sogar in - Sommerfrischen Vignetten antisemitischen Inhalts angeklebt. Die polizeilichen Nachforschungen lenkten den Verdacht, diese Vignetten zu erzeugen, gegen den Siegelmarkenfabrikanten Rudolph Kunze, aus Sachsen gebürtig. Der Chef des Detektiv-Instituts überraschte heute Kunze in dessen Wohnung, gerade als er bei Erzeugung antisemitischer Vignetten begriffen war. Viele Schachteln mit vollendeten Vignetten wurden mit Beschlag belegt. Ferner gelang es zu constatiren, daß vier Personen Abnehmer und.Besteller dieser Vignetten sind. Aus der in den Wohnungen der Verdächtigen vorgenommenen Durchsuchung ergab sich, daß Kunze an dieselben bisher 12,000 dieser Vignetten abgeliefert hat. Pest, 20. Juni. Das Räthsel von Trßa Eßlar ist nunmehr, soweit es die Juden betrifft, gelöst. Die Leiche des Mädchens wurde von der Hochfluth der Theiß ans Land geworfen; sie zeigt keinerlei äußere Verletzung, und die eine Hand hielt krampfhaft ein Päckchen Farbe fest, die zu holen das Mädchen von seiner Herrschaft geschickt worden.^ Es liegt entweder ein Unglück oder ein Selbstmord zu Grunde. Die Nachricht verbreitete sich , wie ein Lauffeuer durch das

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