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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-07-04 · Heft 27 (4.7.1882) · p. Seite 446

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 27 (4.7.1882)
Date
1882-07-04
Page
Seite 446 (sequence 6)
Language
German
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m mungen im modernen Rußland von Dr. Ludwig Holthof. (Frankfurt a. M. Morgenstern 1882.) Der Verfasser stellt aus bewährten Quellen die krankhaften Zustände des russischen Staates und Volkes und deren Ursachen zusammen. Der Inhalt befaßt die Kapitel: Die Entwickelung des auto- 1 kratischen Zaarenstaates, der Zaar und das Zaarenhaus, die Beamtenhierarchie des Tschin, Heer und Geistlichkeit, Adel und Landvolk, der Nihilismus, der Panslavismus, die Unterdrückungen in Polen und die Judenhetzen, Retter des Staats und der Gesellschaft. Der Verfasser zeigt uns also die Ereignisse in ihrem geschichtlichen Zusammenhänge, in der Verkettung der Motive und Faktoren und in diesem Lichte auch die Verfolgungen der Juden. — Denkschrift über Entstehung und Charakter der in den südlichen Provinzen Rußlands vorgefallenen Unruhen, verfaßt von Dr. Simeon Leon von Schwabacher, Stadtrabbiner in Odessa. (Stuttgart, Levi und Müller, 1882.) Es ist dies eine etwas umgearbeitete neue Austage der in Odessa erschienenen Denkschrift, deren Inhalt wir schon früher skizzirten und aus welcher wir mehrere Auszüge gebracht haben. — — Berlin, Wien und der Antisemitismus. Bon Isidor Singer. (Wien, Löwy, 1882.) — Presse und Judenthum von Isidor Singer (Wien, Löwy, 1882.) Junger Most will gähren! Der für die Wiederbelebung des Judenthums begeisterte junge Autor hat sich in der ersteren Broschüre gegen die Antisemiten ins Zeug geworfen. Jüdische Autoren in Wien lieben es jetzt, die antisemitischen Hetzereien in Deutschland zu übertreiben, und dagegen das Verhalten der Wiener Regierung und des Wiener Volkes zu preisen'. -Mit letzterem sind wir einverstanden; aber gegen die Insinuationen, wie sie in übermä» ßiger Weise gegen Deutschland ausgesprochen werden, müssen wir uns verwahren. Deutschland hat den Antisemiten so klar und vornehmlich geantwortet, auch die Berliner Bürgerschaft, daß sie vorläufig verstummten. Wie leicht übrigens in einem Lande, wennsich politische Motive und Jntriguen hineinmischen, der Antisemitismus sich breit machen könne, das beweist gegenwärtig Ungarn, wo die „äußerste. Linke" dieselbe Rolle spielt, wie in Preußen die conservatjve Partei gespielt hat. In Ungarn brachte man es doch noch viel weiter als in Deutschland, sogar bis zur Blutbeschuldigungsfabel, welche man ganz ernst zu nehmen sich anstellte. Aber auch hier hat das Volk durch seine Ruhe und Mäßigung die Antwort ertheilt. Beiläufig bemerken wir, daß, wie uns der Verfasser nnttheilt, das Gerücht; als ob Fürst Bismarck wegen dieser Broschüre eine Anklage gegen ihn erhobest hätte, unbegründet sei. In der zweiten Schrift, einem Buche (163 S.), entwirft der Verfasser wie er sich das Ideal einer jüdischen Zeitschrift vorstelle, wobei er dann seine. Ansichten über das gegenwärtige Judenthum ausspricht, das er durch seine ideale Zeitschrift nach rückwärts und vorwärts zugleich führen will. Selbstverständlich läßt er sich auf eine Würdigung dessen, was die jüdische Presse seit fast 50 Jahren geleistet hat, nicht ein. Denn hierzu bedürfte es eines genauen Studiums, und dazu haben die jungen jüdischen Autoren keine Zeit. — Deutschland. Berlin, 22. Juni. (Privatmitth.) Man athmet jetzt wieder freier auf, . da die Zeitungen seit einiger Zeit nichts mehr über die Juden bringen, während man Monate lang nur mit Bangigkeit eine Zeitung in die Hand nahm, da man irgend eine schlimme Nachricht darin zu finden glauben mußte. Wenn es in dem alten Sprichwort heißt: Die Frau ist die glücklichste, von der Niemand spricht, so paßt dies besonders auch auf uns Juden. Da wir nichts als den ruhigen gesetzlichen Schutz wünschen, nichts als daß man uns in Frieden lasse, so ist für uns das Beste, wenn man weder im Guten noch im Bösen von uns redet.' — Es war vorauszusetzen, daß Herr Otto Glag au mit seiner Ablehnung jüdischer Richter in seinen Prozessen über Preßvergehen nicht durchdringt. Es ist dies vom Vorgesetzten Gerichte bereits in einem Falle ausgesprochen worden. — Hiesige Blätter bemerken: „Betreffs der aus Rußland kommenden jüdischen Auswanderer und Flüchtlinge ist in Preußen auf den größeren Stationen, speciell in Berlin ein freiwillig-ärztlicher Dienst organisirt, welcher die Kranken, Maroden und Verdächtigen aussondert und theils unmittelbar in die Krankenhäuser, theils in das für die Zwecke des Central-Comitäs geschaffene, mit Desinfections-Vorrichtungen, Bad u. s. w. versehene Asyl bringt. Wenn auch durch alle diese Maßnahmen die Gefahr, welche die Zusammenhäufung von 14,000 Menschen mit sich bringt, deren Zustand nach anderweiten, uns zugegangenen Nachrichten immerhin höchst trauriger Art ist, keineswegs; aus der Welt geschafft ist, sondern immer wieder wie der Funke unter der Asche glimmt, so geht doch aus dem Obigen hervor, daß von allen Seiten eifrigst und . hoffentlich mit Erfolg daran gearbeitet wird, derselben nach Kräften entgegenzutreten". - Auch hier wieder die Gefahr witternde Besorgniß, deren Grund nur eine Voraussetzung ist. Die Zahl der angehäuften Flüchtlinge bleibt ja auch bei dem fortgesetzten regelmäßigen

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