Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1882)
- Date
- 1882-07-04
- Page
- Seite 445 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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begonnener Werke liegen uns die Lieferungen 13 bis 20 Von „Palästina in Bild und Wort" von G. Ebers und H. Guthe (Stuttgart, deutsche Verlagsanstalt) vor. An der Hand des sachkundigen Führers wandern wir in diesen Heften durch einen höchst interessanten Theil des h. Landes. Von Anathoth, dem Geburtsort des Jeremias, auf dem Plateau bei Jerusalem aus besuchen wir Rama, Bethel, Silo mit ihren Trümmerresten, besuchen den Jakobsbrunnen und Josephs Grab. Ein anderer Abschnitt ist Sicheln (Nablus) und Samaria gewidmet, wo wir auch eine genauere Kunde von dem gegenwärtigen Zustande der Samaritaner erhalten. Hierauf zieht unsere Aufmerksamkeit die „große Ebene" auf sich. Wir besteigen den Dschebel ed Dahi, von wo wir eine Strecke Landes übersehen, welche die Verfasser als das „Schlachtfeld Palästinas" bezeichnen. Wir blicken nämlich hier über die Oertlichkeiten, wo Barak den Sisera besiegte, Gideon die Midianiter schlug, Saul, und Jonathan auf dem Gilboa fielen, König Josia bei Megiddo gegen den Aegypterkönig Necho den Heldentod fand, und endlich Bonaparte (1799) das türkische Heer in die Moräste und den Jordan warf, dennoch aber die Belagerung von St. Jean d'Acre (Akko) aufheben mußte. Ganz ausführlich wird über Liberias, Safed und Kades-Naphtali gehandelt. Hier ist es auch, wo wir auf die Trümmer einiger alten Synagogen stoßen, denen wir einen kleinen Feuilleton-Artikel widmen werden. Die vorliegenden Lieferungen sind wiederum mit zahlreichen Illustrationen in künstlerischer Ausstattung versehen. Allerdings wenn wir diese vielen Bilder durchmustern, kommt uns die ganze trostlose Beschaffenheit des Landes so recht zur Anschauung. Außer den seltenen kleinen, von Ruinen umgebenen Ortschaften und schmutzigen aus verfallenden Lehmhütten bestehenden Dörfern nichts als Trümmerhaufen, kahle Berge und dürre Thäler, ohne Straßen und Verkehr, alles todt, ohne Leben. Armuth, Hunger und Durst starren uns gleichsam aus allen Ecken an. Und dahin wollen einige Schwärmer Tausende flüchtiger und besitzloser Juden verpflanzen! — Von öer Bibliotheea RalMnica, d. i. der „ Sammlung alter Midraschim, zum ersten Mal ins Deutsche übertragen von Dr. Aug. Wünsche (Leipzig, Otto Schulze, 1882) ist die 16. Lieferung erschienen, mit welcher der Midrasch zum 5. Buche Mose, d. i. Midrasch Debarim Rabba beginnt. Die Lieferung reicht bis zur 8. Parascha, Kap. 30, 11. Allerdings aber ist der Midrasch Schemoth Rabba noch nicht vollendet und restiren zum Abschluß der Sammlung noch die Midraschim zu Ruth, dem 3. und 4. Buche Mose, den Sprüchen Salomonis und den Büchern Samuelis. lieber die Bedeutung dieses Werkes und den Werth der Bearbeitung haben wir uns schon wiederholt ausgesprochen. — Unsere Leser wissen, daß wir nur ausnahmsweise die Lectüre. eines Romans empfehlen und auf diesem Gebiete uns besonderer Vorsicht befleißigen. Um so eher können wir auf die eben erschienene Erzählung aufmerksam machen: „Die Walldorfer. Roman von I. Hirsch. Berlin, Jßleib, 1882.)" Wer sensationelle Romane, abenteuerliche Begebenheiten, Jntriguen und Verbrechen zu lesen liebt, wird in der vorliegenden Schrift keine Befriedigung seiner Neigung finden. Es ist nur ein liebliches Stillleben, ein reiches Familienleben, das Zusammenwirken edler und pflichtgetreuer Menschen innerhalb des Wechsels von Leid und Freud, von Glück und Mißgeschick, das uns hier vorgeführt wird. Die Schilderung aufrichtiger Empfindungen innerhalb der verschiedenen gesellschaftlichen Kreise, und wie Charakterfestigkeit, Gewissenhaftigkeit und Edelsinn zu gedeihlichen Zielen führen. Dabei wird doch eine bestimmte Tendenz verfolgt, zu zeigen nämlich, wie die verschiedenen Confessionen, wie Christen und Juden in bester Harmonie, in aufrichtiger, sich durch gegenseitige Opfer bethätigenden Freundschaft leben können, und zwar ohne daß sie hiermit ihrer religiösen Ueberzeugung zunahetreten. Selbstverständlich wird mehrfach das gegen die Juden noch herrschende Vorurtheil besprochen und dessen Nichtigkeit zu klarem Bewußtsein gebracht. In gleicher Weise werden die Vorurtheile der Aristokratie gegen die Bürgerlichen in die Erzählung verflochten und zu erfreulichem Ausgleich geführt. Die Verbreitung dieses Buches erachten wir daher als sehr nützlich. Wenn wir unsere Voraussetzung aussprecheu sollen, so verdanken wir diesen Roman einer weiblichen Feder. Dieser sehen wir auch-nach, wenn die Schilderungen bisweilen ins Breite auslaufen und der Phantasie des Lesers zu wenig Vorbehalten. Dafür entschädigen uns reichlich die erhebenden Blicke, die uns in das Seelenleben edler Frauen eröffnet werden. — Es war vorauszusetzen, daß die düstren Ereignisse in Rußland eine ganze Literatur namentlich in Broschürenform nach sich ziehen werden, theils um die Thatsacheu richtig zu stellen, theils um die Zustände zu schildern und zu erklären. Wir haben heute folgende vorliegen. Bei Louis Gerschel in Berlin erschienen 3 Broschüren: Die Juden-Berfolgungen in Rußland. Zwei Berichte des Times-Correspondenten. (Artikel vom 11. und 13. Januar.) — Die Juden-Berfolgi'.ngen in Rußland. Russische Greuel 1881. Supplementarbericht herausgegeben von dem russisch-jüdischen Comits. Zur Beglaubigung der Timesberichte vom 11. und 13. Januar (veröffentlicht in der Times vom 2. und 3. März 1882.) — Die Londoner Rathhausversammlung für die verfolgten russischen Juden unter den Vorsitz des Lord Major, am 1. Februar 1882. — Die Titel dieser drei Broschüren geben den Inhalt derselben genau an. Sie werden dem zukünftigen Geschichtsschreiber unentbehrlich sein. Der Ertrag ist „Zun: Besten, der Verfolgten" bestimmt. — Der russische Vulkan. Ein Versuch zur Erklärung der Zustände und Geistesströ-