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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-27 · Heft 26 (27.6.1882) · p. Seite 437

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 26 (27.6.1882)
Date
1882-06-27
Page
Seite 437 (sequence 17)
Language
German
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437__^ sind. Die düsteren Wetterwolken, welche über dem türkischen Reiche in Europa und Asien hängen, lassen uns diese Entschlüsse der türkischen Regierung wenig bedauern. Uebrigens ist damit den Einzelnen noch nicht genommen, sich zu begeben, wohin sie wollen. Bonn, 18. Juni. (Notizen). Das Jew. Chron. berichtet über den Tod zweier Personen, welche, der höheren Schicht der englischen Gesellschaft angehörend, durch eine allmälig gewonnene Ueberzeugung vom Christenthum zum Judenthum übergegangen waren. Thomas Jones, Journalist, Katholik, der sich viel mit der biblischen Literatur beschäfttgt hatte, ttat zur spanisch-portugiesischen Synagoge über, deren Gottesdienst er regelmäßig besuchte. Er starb 91 Jahre alt. Die andere Persönlichkeit gehörte der höchsten englischen Aristokratie an, die Gräfin von Charlemont, geb. in der anglikanischen Kirche. Sie bewohnte gewöhnlich ein Schloß nahe bei Belfort, und besuchte häufig die Synagoge dieser Stadt. Wenn sie in London war, sah man sie gewöhnlich in der Bayswater- oder der Centtal-Synagoge, eine eifrige Zuhörerin des Großrabbiners Adler. Sie war die einzige Tochter des Lord Athlumney, der die Tochter des Marquis von Conyngham geheirathet hatte; im Jahre 1856 hatte sie der Marquis von Charlemont geheirathet. — Dr. Frankel, Oberrabbiner von Zwolle (Holland), ist verschieden. In früheren Jahren hat er mehrere Beiträge für die A. Z. d. I. geliefert. Feuilleton. Die Vertreibung brr 2«)en aus Spanien in „Torquemada", Drama von Victor Hugo. Wir haben die neueste Veröffentlichung des greisen französischen Dichters, der bereits seit fast 60 Jahren eine so hervorragende Stellung in der französischen Literatur einnimmt, in unsrem „Literarischen Wochenbericht" besprochen, und wollen hier nur auf den Gegenstand näher eingehen, der uns darin besonders interessirt, wie er nämlich die Vertreibung der Juden aus Spanien behandelt. Hugo widmet dieser Episode den dritten Akt seines Dramas, ohne daß sie in den eigentlichen Gang desselben eingreift. Der König Ferdinand und die Königin Jsabella hatten das Verbannungsdettet bereits erlassen (31. März 1492) und Torquemada einhundert Juden zum Autodafe verurtheilt. Sie machten den Herrschern große Geldanerbietungen, wenn sie das Dekret widerriefen und jene Opfer der Inquisition frei ließen. Der Großrabbiner Mose ben Habib an der Spitze eines Zuges von Juden soll vor dem König und der Königin erscheinen, um ihre Gnade anzuflehen. Die Scene geht in einem großen Saale des königl. Palastes vor, in dessen Mitte eine Tafel steht, auf der die Goldhaufen liegen, welche die Juden als Preis der königlichen Gnade darbringen wollen. Hugo läßt nämlich die Juden so schlau sein, das Geld abzuliefern, ehe der König den Widerruf zugestanden hat! An den entgegengesetzten Enden der Tafel stehen die beiden Throne für den König und die Königin. In dem ersten Aufritt kommen der Marquis de Fuentel und der Großrabbiner Mose ben Habib in den Saal. Der erstere ist ein vertrauter Rathgeber des Königs; Ferdinand und Fuentel aber mißtrauen und hassen einander, und ersterer thut gewöhnlich das Gegentheil von dem, was der Marquis ihm anräth. Das weiß dieser sehr wohl und richtet seine Rathschläge darnach ein. Der Marquis bemerkt zu Habib: Geld, viel Geld sei das beste Mittel, denn Jsabella sei geizig und Ferdinand verschwenderisch. Er sagt: „Die Wahrheit wohnt im Grunde eines Brunnens, In einer Mine Goldes die Jntrigue. Du möchtest leben? gieb Geschenke, reiche: Die Mächtigen gestatten Dir zu sein. Dem Herrn, dem Richter zu entwischen, der Dich quält, dem Fürst, dem Priester, sei Der Arme reich und fleh' mit vollen Händen." Habib weist auf die Goldhaufen hin, bittet den Marquis, die Juden zu retten und die Audienz beim König auszuwirken, und wird vom Marquis nach einem Nebenfaale geführt. Dieser kümmert sich wenig um das Loos der Juden; ihm liegt vielmehr das Schicksal seines Enkels und dessen Braut am Herzen, welche letztere der König liebt und besitzen will. Man hat den Jüngling in ein Mönchs-, das Mädchen in ein Nonnenkloster gesperrt, und der Marquis will sie befreien. Im zweiten Auftritt sind der Marquis und der König allein. Jener will diesen zur Gnade bestimmen, - doch der König zeigt wenig Lust, sich mit der Kirche einzulassen, welche die Vertreibung der Juden und das Autodafe verlangt. Davon nimmt Fuentel Veranlassung, die Verheerungen zu schildern, welche die Scheiterhaufen der Inquisition bereits in Spanien angerichtet haben. Auch diese kümmern den König nicht, aber er will das Mädchen aus dem Kloster haben, und hier tritt ihm Torquemada wiederum entgegen. Der Marquis spricht nun ausführlich über die Gewalt der Priester und zeigt dem König, daß er diesen gegenüber alle Macht verloren habe. Darüber ärgert sich Ferdinand, und unterschreibt eine Vollmacht für den Marquis, einen Theil der Leibwache zu nehmen , das Mädchen aus dem Kloster zu holen und jeden niederzuschlagen, der sich dem widersetze, sei es Priester, sei es Mönch. Die Königin erscheint und die Herrscher lassen sich auf dem Throne nieder. Der Herzog von Alava tritt ein und bittet um Audienz für die Juden. Im dritten Auftritt ziehen die Abgeordneten der Juden zwischen einem Spalier von Hellebardisten in den Saal: „Männer, Frauen, Kinder, alle bedeckt mit Asche und bekleidet mit Lumpen, 26

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