Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1882)
- Date
- 1882-06-27
- Page
- Seite 438 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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mit nackten Füßen, einen Strick um den.Hals, -Einige verstümmelt- und? durch, die Tortur geschwächt, an Krücken sich schleppend; andere mit ausgestochenen Augen, durch Kinder geführt; an der Spitze der Großrabbiner. Alle mit dem gelben. Fleck auf den zerrissenen Kleidern." Nach einigen einleitenden, unbedeutenden Versen hält Ben-Habib folgende Anrede: : „Hoheit, welch' grausame Dekrete! Wir weinen, in den Gräbern ach erbeben Darob der Vater trauernde Gebeine! Habt Mitleid! treu und sanft sind unsre Herzen. . In unsre enge Häuser eingeschlossen, Demüthig leben , wir; einfach und grad' ist Unser Gesetz, ein Kind wohl schreibt es nieder. Der Jude singt, der Jude lachet niemals. Wir zahlen den Tribut, so groß er sei. Mit Füßen tritt man uns, wie das Gewand Eines Ermordeten find wir geachtet. Gelobt sei Gott! doch muß denn Israel Mit neugebornem Kinde, mit zartem Säugling, Nackt, vor sich her. Hund, Ochs und Ziege treibend, Nach allen Winden flieh'n, zerstreut, vereinsamt: Kein Volk, nur Wandrer soll'n wir sein! O laßt uns nicht mit Lanzenstößen jagen, Und Gott wird Euch des Glückes Pforten öffnen! . Erbarmt Euch unser, wir sind tief gebeugt;. Nicht seh'n wir fürder unsre Bäume, Felder, Der Mütter Brüste haben keine Milch! Die Thier' im Walde sind mit ihren Weibchen, Die Vögel nisten kauernd unter Zweigen, Die Hirschkuh säugt in Frieden ihre Jungen — Laßt uns denn auch in unsren Höhlen leben, Fast Sklaven unter unfern armen Dächern, Doch bei den Gräbern unsrer Väter! Duldet Uns unter Euren Füßen, die mit Thronen Wir reich benetzten! Ach, auf fernen Pfaden Zerstreut, welch' Jammer! Laßt aus unsren Brunnen / Uns trinken, leben hier in unsren Feldern, Zum Glück wird es Euch sein! Verzweifelt ringen Die Hände wir: o spart uns das Exil, Den Todeskampf der ewigen todten Oede! Laßt uns das Vaterland, laßt uns den Himmel! Das Brod, auf das man weint, der Galle gleicht'^ O gleicht dem Winde nicht, wenn wir der Asche!" Der Großrabbiner zeigt auf das Gold auf der Tafel und bittet dies als Lösegeld anzunehmen. Hierauf entfernen sich die Juden wieder und der König und die Königin halten eine Berathung. Diese besteht nur darin, daß sowohl er als sie das große Lösegeld in Betracht ziehen und dessen Werth berechnen. Der König sagt sich, damit' könne er den Krieg gegen Boabdil führen. Nachdem die Königin einen Rosenkranz gebetet, sagt sie: „Gemahl, das Geld, wir nehmen es und jagen Die Juden doch, die ich nicht dulden mag In meinem Reich. (Nach einer Pause:) Die Juden jagen .wir, das Geld ist unser!" Dennoch besinnt sie sich, und meint, man könne doch wohl von den Juden noch mehr erlangen. Der König antwortet: „Ja, später," und darauf willigt die Königin ein, und der König schreibt einen Befehl, welcher das Verbannungsedikt außer Kraft setzt und die gefangenen Juden freizulassen verordnet.. Schon hat die Königin die Feder ergriffen, um - diesen Befehl ebenfalls zu unterzeichnen, als Torquemada mit dem Crucifix erscheint und nun das vor sich geht, was die Sage erzählt. Er ruft den spanischen Herrschern zu: „Judas hat den Herrn für 30 Silberlinge verkauft, Ihr aber wollt ihn für 30,000 Goldthaler verkaufen." Der König und die Königin demüthigen sich, Torquemäda verflucht sie. Sie stürzen auf sein Verlangen auf die Knie und empfangen dann erst Absolution. Es versteht sich, daß das Schreiben zerrissen wird. Aber Torquemada hat nicht hierauf gewartet. Er zieht einen Vorhang zurück und man sieht den Platz de la Tablada, auf welchem die Scheiterhaufen auflodern, die Opfer auf und an denselben; „man hört sie heulen. Enormer Anblick von Mißhandlung und Feuer. Der König und die Königin betrachten es in Schrecken." Torquemada feiert seinen Triumph mit einer großen Rede. Hiermit schließt die Episode. Zum 1. September d. I. soll unsere vacante Rabbinerstelle besetzt werden, für welche außer Nebenrevenuen ein Gehalt von 2000 Mark festgesetzt ist. Akademisch und talmndisch gebildete Rabbiner wollen sich beim Unterzeichneten Borstande unter Einsendung ihrer Zeugnisse resp. nNTin mnn melden. [9376] Griitz, Prov, Posen, im Juni 1882. Der Corporations - Vorstand. Ich suche für ein Mädchen von ll Jahren eine Gouvernante. [9185] B. Hecht, Thüle bei Salzkotten. Anzeigen. Für die hiesige Synagogen - Gemeinde werden [9375] 2 erste Tenöre und 1 Basfist bei einem Monats-Gehalt bis zur Höhe von je 60 Mark zum sofortigen Antritte gesucht. Um Mißverständnissen vorzubeugen, wird bemerkt, daß diese Bacanz, mit der eines Schächters und Hülfsvorbeters nichts gemein hat, vielmehr tüchtige musikalische Sänger gesucht werden, die ihre Bewerbungen bei dem Unterzeichneten einreichen wollen. Königsberg i. Pr , im Juni 1882. Ed. Birnbaum, Erster Cantor der Synagogen - Gemeinde. Junge Mädchen von jüdischer Confession, welche zu ihrer gesellschaftlichen Ausbildung, wie zur Vervollkommnung in Sprachen, Musik und Malerei, ,oder zur Erlernung des Hauswesens sich in Hannover aufhalten sollen, finden liebevolle Aufnahme und Anleitung zu allen weiblichen Kenntnissen unter specieller Aufsicht der Dame des Hauses. Mäßige Preise. Referenz: Landrabbiner Dr. Meier. Adresse: Frau J. Alexander, Göthestraße Nr. 6, Hannover. [2127] Eine tüchtige Verkäuferin, nur eine solchef. Wäsche, Leinenu. Strümpfwaaren w. ges. Pergamenter, Leipzig, Reichsstr. [9160]