Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1882)
- Date
- 1882-06-27
- Page
- Seite 436 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Consulat bte mit dem Siegel des Central-Comites versehenen Emigranten- Certifikate, deren Inhaber mittellos sind, mit halber Taxe das Paßvisa geben. Der Herr Pineles dankte dem Herrn General - Consul für die gefälligen Informationen und ersuchte ihn, da die türkische Regierung sämmtliche Juden, die in die Länder der Hohen Pforte einwandern wollen, als türkische Unterthanen betrachten will, wenn es möglich wäre, bereits von hier aus diese mit türkischen Pässen zu versehen, was der Herr General-Consul höhern Orts vorzuschlagen versprach. Herr Pineles ersuchte ferner um nähere Angabe der Ansiedlung in Gruppen, da der Herr General-Consul 50—100 Familien zur Ansiedlung berechtigt glaube, aber nicht etwa 500 oder 1000. Herr P. bemerkte, daß wir heuer keinesfalls mehr als eine Colonie von-150—200 Familien etabliren können , werden, wo der Herr General-Consul versprach darüber nachzufragen und nach Erhalt der Antwort, solche dem Central- Comits mitzutheilen. Dasselbe Blatt berichtet auch folgenden interessanten Zug: Herr Löwy Durst, Sekretär des Succursal Comitäs 'in Adjud, theilt uns mit, daß Herr Osias Brociner, Pächter des dortigen Gutcomplexes, als einer der vorzüglichsten Agrikulteure in der Moldau bekannt, den Ertrag von zehn Falschen (60,000 Quadratmeter) seines bestbestellten Bodens, 30 armen Familien schenkte, die sich unterzogen, die weiteren Feldarbeiten eigenhändig zu bewerkstelligen. Herr Br. selbst giebt ihnen die nöthigen Anweisungen, und wir brauchen erst nicht hervorzuheben, welche Dienste damit diesen Leuten geleistet werden. Daß alle diese einst 'den Colonien nützlicher sein werden, als die Zöglinge der berühmten Agrikulturschule in Jaffa, liegt auf der Hand. Damit bis zur Einheinrsung der Ernte diese Familien ungestört ihren Arbeiten obliegen können, hat. das Comite- Mitglied, Herr Isaak Goldstein aus Adjud, jeder Familie zu 15 Oca (ca. .20 Kilogramm) Maismehl, geschenkt, welches bekanntlich.hierzulande die gewöhnliche Nahrung der untern B olksklaffen bildet. Man sieht seitdem täglich mit Tagesanbruch alle 30 rüstige Männer in Bauerntracht, mit ihren Frauen und erwachsenen Kindern beiderlei Geschlechtes, ihre Haueil auf den Schultern, aus, das eine halbe Stunde von der Stadt entfernte Ackerfeld gehen, und dort den ganzen langen Tag der . brennenden Sonnenhitze oder dem strömenden Regen, bei einfacher Kost ihre Arbeit unermüdet verrichten. Herr Br. sagte, er brauche ihnen nur ein- oder zweimal die Art und Weise des Manipulirens zu zeigen, und geht alles sehr_ gut von Statten, so daß sie nicht im mindesten den christlichen prakticirten Arbeitern nachstehen. . Herr Br. ließ auch^ letzten Samstag in der Synagoge - bekannt machen, daß er soviele erwachsene Kinder, als nur gehen wollen, zur leichtern Erdarbeit engagiren will, wie z. B. das Unkraut zwischen den Runkelrüben jäten, die er für die Sascuter Zuckerfabrik angebaut; er giebt jedem Kinde 1 Frank und st/2 Oca Maismehl Per Tag. Es haben, sich bereits 30 Kinder angeboten. Türkei. Konstantinopel, 31. Mai. (Privatmitth.) Die heutigen Times enthalten eine Zuschrift des Herrn Laurence Oliphant, worin dieser mittheilt, daß die türkische Regierung verordnet hat, jeder Jude, der aus Rußland nach der Türkei einwandern wolle, müsse eine Dokument unterschreiben, durch welches er sich verpflichtet, die ottomanische Nationalität anzunehmen, sich ohne Vorbehalt und Einschränkung den Gesetzen und Anordnungen des türkischen Reiches zu unterwerfen und sich nicht in Palästina niederzuläffen. Er versichert, daß die türkische Regierung jetzt keinem Juden aus Rußland erlaubt, in Palästina einzutreten. Wenn übrigens Herr Oliphant in Galizien und Rumänien überall das Verlangen fand, nach Palästina auszuwandern, so wird er von den Thatsachen, die aus Rumänien berichtet werden, widerlegt. Er mag dort Personen gesprochen haben, die ihm von jenem allgemeinen Verlangen sagten; aber schwerlich hat er Gelegenheit, dies in der Masse selbst bewahrheitet zu finden. Wenn er also von einer „Million" Menschen spricht, so hat ihm seine Phantasie einen Streich gespielt. — Die Beweggründe der türkischen Regierung zu obigem Verbote, liegen offenbar in der Befürchtung, daß eine ungeheure Masse russischer Juden nach Palästina kommen und der türkischen Regierung große Verlegenheiten schaffen würden, um so mehr, als die Verkehrs- und Erwerbs Verhältnisse in Palästina sowie die Bodenbeschaffenheit keine Aussichten auf . eine nützliche Thätigkeit, wohl aber solche auf Verarmen und Verhungern eröffnet. Herr Oliphant selbst ist schuld daran, da er immer von Hunderttaüsenden oder einer Million Emigranten sprach. Es handelt sich also hier durchaus nicht um ein hadrianisches Verbannungsdekret, sondern um eine weise Vorsichtsmaßregel. Konstantinopel, 13. Juni. Die Frage der- Judenan? siedlung ist seit gestern in der Hauptsache entschieden. Die Pforte hat durch Dekret Ländereien in den Gebieten von Adana, Aleppo und Mesopotamien angewiesen und bestinnnt, daß daselbst die flüchtigen Juden in Dörfern bis zu je 200 Familien angesiedelt werden sollen. Nach der Auffassung der Pforte, fällt diese ganze Angelegenheit unter die bereits bestehenden Ansiedlungsgesetze, sodaß. es keines besonderen Jrades bedarf, und mit dem Dekret alles, erledigt ist. , Ob und inwieweit die flüchtigen, Juden von, dieser, sie höchst, beschränkenden Maßnahmen Gebrauch machen werden, .ist eine andere Frage, noch dazu , da zu gleicher Zeit-alle.Eisenbahn- Pläne, z. B. von Jaffa nach Jerusalem, zurückgelegt worden