Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1882)
- Date
- 1882-06-27
- Page
- Seite 433 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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438 Allerdings ist es gegenwärtig selbst hier vom Antisemitismus füll. Die Probe auf dessen Lebensfähigkeit wird jedoch erst zur Zeit des bevorstehenden Wahlkampfes gemacht werden. Daß es den Führern derselben nicht an gutem Willen fehlt, und es nur darauf ankommt, ob sie ein Stückchen Publikum für ihre. Reden finden, versteht sich von selbst und hat auch Stöcker jüngst zu erkennen gegeben, da er z. B. in einer Rede, die er .in einer schlesischen Stadt hielt, die Fortschrittspartei, „den Hampelmann der Juden" genannt hat. Es ist dies ebenso geistreich wie anständig. Frankfurt a. SK., im Juni. Seit einiger Zeit erscheinen von Zeit zu Zeit allhier unter der Redaction. des Herrn Dr. L. Heilbut „Mittheilungen des Preßausschußes des Comites zur Unterstützung der russischen Israeliten" (I. Kauffmann.) In diesem werden möglichst viele Nachrichten über diese Angelegenheit gesammelt. Aus Nr. 3 tragen wir Folgendes nach: Die altehrwürdige Portugiesische Gemeinde in Amsterdam besitzt einen Fond zur „Auslösung von Gefangenen". Aus diesem Fond hat die Verwaltung 1000 Gulden zu dem Hilfsfond gespendet. Der Arbeiterverein zu Gröningen (Holland) hat eine Denkschrift an den König von Holland gesandt, worin S. Majestät gebeten wird, zur Ehre des Christenthums seinen Einfluß zur Beendigung der Judenverfolgungen in Rußland geltend zu machen, sei es vermittelst eines europäischen Congresses, sei es durch eine andere gemeinsame Aktion der Mächte. Frankfurt a. M., im Juni. (Privatmitth.) Ueber die Stürme der letzten Zeit dürfen wir unsere bestehenden wohlthätig wirkenden Anstalten und deren consequente Fortführung nicht vergessen: jene werden mit Gottes Hülfe' vorübergehen, diese müssen bestehen bleiben. Der hiesige „Verein zur Förderung der Handwerker unter den israelitischen Glaubensgenossen", der seit 1829 besteht, hat seinen Bericht über die Jahre 1880 und 1881 ausgegeben. Der Vorstand durfte im Vorwort die Zufriedenheit über die Wirksamkeit des Vereins aussprechen. Er bemerrkt: „Wir hatten durchweg 45 bis 55 Jungen unter unserer Obhut und Leitung, die wir sämmtlich mit Lehrgeld, Handwerkzeug, Wäsche, Kleidungsstücken und Schuhwerk unterstützten; außerdem erhielten diejenigen, die ohne Schulbildung waren, den nöthigen Unterricht in der hiesigen Fortbildungsschule. Mehrere unser Pfleglinge haben durch selbstständig ausgeführte Arbeiten auf'verschiedenen Ausstellungen sich ausgezeichnet, so u. a. zwei Mechaniker die nach vollendeter Lehrzeit auswärts in Stellungen gekommen, die ihnen ein sicheres gutes Einkommen gewähren." Der Bericht führt mehrere dieser günstigen Fälle an. 'Ferner, bemerkt er: „Im verflossenen Jahre haben wir in einem Rundschreiben an viele seit kurzer Zeit hier ansässig gewordene Glaubensgenossen hie Aufforderung gerichtet, unserem Verein beizutreten. Unsere Bitte fand ein williges Entgegenkommen, und wir haben die Befriedigung, 100 neue Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von ca. 1000 Mk. verzeichnen zu können. Die Einnahmen beliefen sich vom 1. Januar 1879 bis dahin 1880 auf 13,527 Mk. und die Ausgaben auf 12,626 Mk. Vom 1. Januar 1880 bis dahin 1881 betrugen die Einnahmen 14,078 Mk. und die Ausgaben 13, 881 Mk. Die Uebersicht der Lehrlinge weist deren Verkeilung auf die verschiedenen Handwerke nach. . . Cottbus, 13 Juni. (Privatmitth.) Auch in unserer Stadt ist ein Comits zusammengetreten und hat einen Aufruf erlassen, in welchem gegen die Barbareien in Rußland protestirt und zur Unterstützung der Flüchtlinge aufgefordert wird. Unterzeichnet sind: Prediger I)r. Dienstfertig, Rabbiner. G. Dittmar, Gymnasialdirektor. M. Freund, Kaufmann. Gollner, Landgerichts-Präsident. Adolf Gradewitz, Direktor der Niederlausitzer Bank. Emil Harnisch, Kaufmann, Alb. Heine, Buchdruckereibesitzer. Ed. Koppe, Stadtrath. Dr. Liersch, Sanitätsrath. Dr. Mayer, 1. Bürgermeister. Müller, Pfarrer. 1)r. Rosenberg. Dr. phil. Bronisch, Archidiaconus. Schiedewitz, Schloßprediger. Otto Sommerfeld, Fabrikbesitzer. Albert Balte, Fabrikbesitzer. Posen, 13. Juni. Man schreibt von. hier: Die Befürchtungen,-daß die in den verschiedenen Gegenden des Königsreichs Polen gegen die Juden in Scene gesetzten Gewaltthaten. sich auch auf die Deutschen erstrecken werden, scheinen leider zur Wirklichkeit werden zu wollen. Aus Wolhynien wird gemeldet, daß am vergangenen Freitag die deutschen Colonisten in der Umgegend von Sytomir von russischen Bauern angegriffen wurden, welche die Gebäude der Colonisten vernichteten, die Anpflanzungen in Gärten und Feld zerstörten, das Vieh fortnahmen und verschiedener anderer Gewaltthaten sich schuldig machten. Die Geschädigten wandten sich beschwerdeführend an den Kreishauptmann und verlangten Schadenersatz, wurden aber, ohne gehört zu werden, abgewiesen. Die bedrängten Colonisten haben sich nun schütz- und hilfesuchend an den Gouverneur gewendet. Ob dieser im Interesse der deutschen Colonisten eingreifen wird, müffen dieselben allerdings abwarten. Eilig haben es die russischen Verwaltungsbeamten in dergleichen Angelegenheiten gerade nicht. Stettin, 16. Juni. In diesen Tagen hat sich hier ein conservativer Provinzialverein für Pommern constituirt. Einer der Redner, Herr von Köller-Kammin, hat bei der. Erläuterung des Zweckes des Vereins gesagt, derselbe „beabsichtige keineswegs von vornherein eine antisemitische Tendenz zu bekunden". Das „von vornherein" ist charakteristisch, und schließt eine antisemitische Tendenz nicht geradezu aus: Oesterreich-Ungarn. , . Aus Ungarn, 13. Juni. (Privatmitth.) Wir haben bereits bemerkt, daß die Petition des Szatmarer Comitats