Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-27 · Heft 26 (27.6.1882) · p. Seite 428

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 26 (27.6.1882)
Date
1882-06-27
Page
Seite 428 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227420--39994-3257607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

zu bringen, und. daß die Schuldigen die schwerste Strafe für 1 ihr Verbrechen ereile. . - Zugleich aber auch von dem heißen Verlangen erfüllt," daß der auf dem Verschwinden Esther Solymosi's ruhende Schatten im Interesse der Würde unserer Konfession, wie auch, um die Hetzer, verstummen zu machen, ehestmöglich entfernt werde, haben mehrere unserer Glaubensgenossen zur Förderung der Untersuchung sich bewogen, gefühlt, Beiträge zu steuern zur Ausschreibung eines Preises für Denjenigen, der Esther Solymosi lebend oder todt dem königl. Gerichtshöfe von Nyiregyhäza einliefert, oder demselben solche Daten an die Hand giebt, die zur Auffindung des Mädchens oder ihres Leichnams führen. Selbst Esther Solymosi soll den Preis erhalten, wenn sie etwa zurückkehrt und sich freiwillig dem königl. Gerichtshöfe von Nyiregyhaza-stellt. Indem wir fünftausend (5000) Gulden, die Summe der zu diesem Behufe gemachten Spenden, Ew. Exzellenz zu übergeben wagen, stellen wir die ganz ergebene Bitte: Ew. Exzellenz geruhe, diesen Preis entgegenzunehmen und. die Kurrentirung Esther Solymosi's unter Ausschreibung des 5000-Gulden-Preises im angegebenen Sinne zu veranlassen. Mit ausgezeichneter Verehrung Ew. Exzellenz Ergebenste Budapest, 7. Juni 1882. , Das Präsidium der israelischen Landeskanzlei." Der Ministerpräsident hat diesem Verlangen gemäß alle Jurisdiktionen davon unterrichtet. Die Lage der Emigranten in Drady uii- Eydt- Iruhnen. III. lieber die Stellung, welche die österreichisch-ungarische Regierung gegenüber der Einwanderung russischer Juden einuimmt, sowie über, den Stand der augenblicklichen Situation! wird der „N. fr. Presse" von verläßlicher Seite folgendes mitgetheilt: Nach vorhergegangenem Uebereinkommen des österreichi-! schert und ungarischen Minister-Präsidenten hat sich die Regierung veranlaßt gefühlt, auf nachfolgende drei Punkte ihr Hauptaugenmerk zu richten, und zwar: 1. Der weiteren Emigration Schranken zu setzen. 2. Brody ehemöglichst zu evacuiren und 3. zu verhindern, daß sich das Proletariat der russischen Emigranten auf österreichisch-ungarischem Boden festsetze. Was den ersten Punkt betrifft, so kann — will man Humanitäts-Rücksichten nicht verletzen — eine weitere Auswanderung der russischen Juden nur dadurch eingedämmt werden, daß die russische Regierung jene Uebelstände beseitigt, welche die Emigration veranlaßt haben. Aus diesem Grunde hat sich das Ministerium des Aeußern im vertraulichen Wege an das Kabinet in Petersburg gewendet, und dieser Schritt scheint nicht ohne Erfolg geblieben zu sein. Als nächste Antwort wurde am Schluffe des vergangenen Monats jener Ukas erlassen, durch welchen sämmtliche Behörden Rußlands eindringlichst aufgefordert worden sind, mit aller Atrenge dahin zu wirken, daß den Juden ebenso wie den Christen der gesetzliche Schutz zu Theil werde. Die seither an ^offizieller Stelle aus Odessa eingelaufenen Berichte lauten in der That günstiger, und hat auch wahrscheinlich in Folge dessen in der verflossenen Woche, nur ein sehr geringer Zufluß von Flüchtlingen'stattgefunden. In unseren Regierungskreisen erblickt man jedoch in dieser augenblicklich günstigeren Situation noch nicht die vollständige Behebung der Gefahr. Nach den eingelaufenen Stimmungsberichten aus Rußland könnte ein einziger Brand oder größerer Exzeß die in Rußland herrschende Furcht der Juden zu einer Panique steigern, welche, das Maß der Berechtigung weit überschreitend, die Massen-Emigration zur Folge haben könnte. In der Hintanhaltung der ferneren Emigration liegt somit heute der Schwerpunkt der ganzen Situation. Was die Evacuirung der Flüchtlinge aus Brody betrifft, so sind seitens der Hilfskomitees alle Vorkehrungen getroffen, um dieselbe ehestens durchzuführen. Die Regierung hat sich in dieser Beziehung nun die Aufgabe gestellt, die Verfügungen der Komitss zu überwachen und zu unterstützen, die Ordnung aufrechtzuerhalten und, wie unerläßlich notwendig, in sanitäts-polizeilicher Beziehung zu wirken. Es. sei hier erwähnt, daß der Wirksamkeit der Hilfskomitee insbesondere'seit dem Eintreffen der Wiener Delegirten, Kammerrath Bernhand Singer und Dr. Alfred Stern, von Seite der Regierungsorgane die vollste Anerkennung zu Theil wurde und daß bisher keine Veranlassung vorlag, in irgend einer Richtung direkt einzuschreiten.! Der Festsetzung der Emigranten auf österreichisch-ungarischem Boden endlich und insbesondere in Galizien, woselbst die Maffen-Einwanderung der Flüchtlinge selbst bei den ein-! heimischen Juden eine bedenkliche Gährung Hervorrufen könnte, wird mit allen der Regierung zur Verfügung stehenden Mitteln gesteuert. .In dieser Beziehung wird eine strenge Controle geführt, und werden alle jene Flüchtlinge, deren Auswanderung nach Amerika undurchführbar ist, in ihre Heim.ath repatriirt. Freilich ist dies keine leichte Arbeit, zumal paßlosen Individuen von den russischen Behörden das Ueberschreiten der Grenze verwehrt wird. Nichtsdestoweniger haben die in den letzten Tagen versuchten Proben ganz^ zufriedenstellende Resultate ergeben, und hofft man auf dem eingeschlageuen Wege die Repatriirung ungestört durchführen zu können. Jeder Repatriirte erhält auf einer der russischen Grenze nächstgelegenen Bahnstation das- Reisegeld und die erforderlichen Mittel, um in seine Heimath zurückkehren zu können. Von dieser zwangsweisen Maßregel sind selbsiver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.