Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1882)
- Date
- 1882-06-27
- Page
- Seite 425 (sequence 5)
- Language
- German
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425 , eifriger Anhänger ich bin und in der ich auch zu sterben hoffe, im Namen dieser Religion der Liebe, daß ich mich von seiner aufhetzenden Rede mit Schauder abwende. (Stürmischer Beifall.) Der Herr Abgeordnete sagt, seine Rede hetze nicht? Was ist es, wenn er von irgend einem Mißbrauch ausgehend, die gesammte öffentliche. Meinung gegen das Judenthum als Religion aufhetzt? Lesen Sie die religiösen Schriften des Protestantismus und Katholizismus aus dem Mittelalter; findet man nicht darin, was wir heute, Hand in Hand, mit Indignation zurückweisen? (Lebhafter Beifall und Zustimmung.) Oder wenn das religiöse Gefühl dem Herrn Abgeordneten nicht gefällt, berufe ich mich auf die Aufklärung des 19. Jahrhunderts, auf die menschliche Moral im Allgemeinen. Wenn nicht der Religion, so beuge er sich dieser! (Lebhafter Beifall.) Der Redner weist hierauf nach, daß die Wirren in Rußland nichts als ein Aufstand der Besitzlosen gegen die Besitzenden sind, heute gegen die Juden,, morgen gegen die Deutschen, gegen die Grundbesitzer und alle wohlhabenden Klassen gerichtet. — Darauf nimmt der Ministerpräsident noch einmal das Wort gegen Onody. Dieser leide, wie es scheine, an einem Uebel der Geisterbeschwörung. (Bewegung und Lärm auf der äußersten Linken.) Nur daß der Geist, den er zitirt, jener schädliche Geist, der Geist der mittelalterlichen, wilden, ungebildeten, brutalen Gewalt ist (Lebhafte Zustimmung) und diesen Geist, glaube ich, werden wir weder in diesem Hause noch in unserm Vaterlande einbürgern. (Lebhafte Zustimmung.) Er betont, daß es noch nicht einmal nachgewiesen sei, daß wirklich ein Mord in Tisza-Eßlar geschehen sei und Onody behaupte sogar schon, daß die Inden ihn vollzogen und zwar zu einem bestimmten Zwecke! Er findet darin „eine am meisten zu brandmarkende Art der Aufreizung" (lebhafte Zustimmung) und schließt: „Indem ich dagegen meine Stimme erhebe, bin ich nach dem Geschehenen gleichzeitig gezwungen^, zu erklären, daß wenn — wovon, wie ich hoffe, uns bewahren wird die Nüchternheit des ungarischen Volkes und der Bewohner Ungarns — solche Reden, welche unter dem Schutze der Abgeordneten- Immunität und der Würde des Hauses mitten in das Volk hinausgeschleudert werden, Folgen haben sollten , die Verantwortung für die dann ins Leben tretenden strengen Maßnahmen , für die in Folge derselben verursachten Uebel und das eventuell zu vergießende Blut auf Jene zurückfallen wird, welche in solcher Weise aufreizen." . (Lebhafte Zustimmung - rechts. Lärm auf der äußersten Linken.) Onody versucht in einer persönlichen Bemerkung zu er- . widern, 'wird aber, da er hierüber hinausgeht, vom Präsidenten unterbrochen. Die Debatte -wurde Freitag den 9. d. fortgesetzt. Victor Jstoczy entlud sich seiner gewohnten giftgeschwängerten Redensarten, die darauf hinauslaufen, daß die Juden entweder sämmtlich nach Palästinageschafft oder todtgeschlagen werden müßten. Moriz Wahrmann ergreift nun das Wort und seine Rede machte einen außerordentlich sympathischen Eindruck. Als er geendet, eilte die Mehrheit der Abgeordneten zu ihm und beglückwünschte ihn, und die Zeitungen rühmen die Rede als „fein und taktvoll." Diese wiederholte zum großen Theile die von uns schon angeführten Auslassungen Wahrmann's in der Versammlung der liberalen Partei. Er erklärt zuerst, daß er mit diesem Vorredner nicht diskutiren werde. Niemand im Lande, auch die ungarischen Juden nicht, wünschte eine massenhafte Einwanderung irgend welchen fremden Elements, von welchem Stamm oder von welcher Partei diese auch sei. Denn die Aufgabe Ungarns sei vor Allen, daß der ungarische Staat ein vollkommen ungarischer Staat werde; dazu sei nothwendig, daß das ungarische Element stärker sei als alle anderen Elemente des Landes zusammen genommen. Dies werde aber durch irgend welche massenhafte Einwanderung neuer Elemente behindert. Anders liege es mit der Einwanderung Einzelner, welche mit Vermögen, Arbeitsfähigkeit und geistigem Kapital in das Land einwandern. Er könne dies aussprechen, ohne sich der Anklage auszusetzen, daß er nicht die größte Theilnahme für seine unglücklichen Glaubensgenossen empfinde. Die massenhafte Einwanderung derselben wäre weder in ihrem eigenen Interesse, noch in dem der ungarischen Juden, noch in dem dos ganzen Landes. Wanderten doch schon viele Juden aus den oberungarischen Comitaten mit den Christen zusammen nach Amerika, weil sie hier mit Noth und Elend kämpfen müßten. Die Magyarisirung der Juden habe in den letzten Jahren so große Fortschritte gemacht, daß sie die größte Anerkennung verdienen. Hierin unterscheiden sich die Orthodoxen durchaus nicht. Er sagt: „Wir müssen daher auch in einer anderen Richtung die Vertheidigung der Orthodoxen übernehmen. Denn in der jüngsten Zeit entstand das Bestreben, die Judenschaft in dieser Frage in zwei Parteien zu theilen. Viele sagen, die Neologen seien anständige, wackere Leute und gute Patrioten und nur die Orthodoxen seien es nicht. Ich kann am ehesten darauf antworten, denn diejenigen Mitglieder des geehrten Hauses, die es auch vor zwölf Jahren gewesen sind, wissen am besten,, daß ich im vorhinein auf die Gefahren aufmerksam machte, welche entstehen werden, wenn die Regierung und die Legislative die Bestrebungen der Orthodoxen, deren Vernachlässigung in Kultur und Schule und die Uebergriffe ihrer Seelsorger unterstützen würden. Ich habe damals auf jene Uebel hingewiesen, doch blieb ich in der- Minorität und eben die geehrten Mitglieder dieser Partei (auf die Linke zeigend) erhoben damals ihre Stimme für die Orthodoxen unterdem Titel, daß sie die Religions-