Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1882)
- Date
- 1882-06-27
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
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nach allen Traditionen Ungarns und der ungarischen Gesetzgebung und, ich darf es wohl sagen, der ungarischen Regierung widerspricht, daß nämlich die Unglücklichen mit kaltem Blute, unbarmherzig in die Gefahr. zurück gejagt werden; (Lebhafte Zustimmung) ich anderseits in meinem Wirkungskreise in jeder, möglichen Weise dahin wirken werdet daß wenn die Auswanderung kein Ende nehmen sollte, selbst im Wege staatlicher Intervention .; . (Rufe auf der äußersten Linken: Das würde ja zum Kriege führen! Hört! Hört!) aber nicht so, wie die Herren Abgeordneten es verstanden haben (Lärm auf der äußersten Linken. Hört! Hört!), also, daß selbst auf dem Wege staatlicher Intervention vermittelt werde, was, wie ich glaube, sowohl uns, wie jenen Vertriebenen das Beste ist, nämlich möglich zu machen, daß sie in ein Vaterland gehen, woselbst auch sie mehr Gutes finden können, einen freien Platz, für Thätigkeit Raum finden. Dies ist es, was ich eventuell, wenn notwendig, mittelst staatlicher Intervention zu vermitteln halte, nicht so wie dies — der Herr Abgeordnete hat Recht — einzelne Spekulanten gethan haben; allein nicht jene Comitös, welche sich aus humanistischem Gesichtspunkte gebildet haben, damit nicht nur die Arbeitsfähigen, sondern die verjagten Familien zusammen hinausgehen, was in jeder Richtung allein zweckmäßig ist. (Zustimmung.)" Göza Onody spricht von der Schlechtigkeit der Juden, und kommt auf die von ihnen angeblich vollbrachten Morde zu reden. Präsident: Ich spreche nicht dagegen, welche Prinzipien immer der Herr Abgeordnete erörtert, aber ich muß bemerken, daß man nicht leugnen könne, diese Frage habe eine gewisse Erregung hervorgerufen. Ich mache den Herrn Abgeordneten darauf aufmerksam, daß er derartige Dinge nicht als Thatsachen anführe, hier vom Parlamente aus verkündige Dinge, welche eine Unmöglichkeit involviren, die auf altem leeren Gerede basiren, (Lebhafte Zustimmung von allen Seiten) und deren Ursprung geradezu auf der biblischen Legende beruht, welcher zufolge Abraham seinen eigenen Sohn opferte. (?!) Wollen Sie diese Dinge nicht so darstellen, daß dieselben zur Folge haben können, daß die dadurch entstehende Aufregung von Einzelnen zu Privatzwecken benützt werde. (Lebhafter Beifall von allen Seiten.) G6za Onody, der eigentliche Urheber der Tisza-Eslarer Affaire, setzt dann unter der Heiterkeit des Hauses seine Beweisführungen gegen die Juden fort. Er verliest aus alten Chroniken und aus Zeitungen Schilderungen von Fällen, die sich in vergangenen Jahrhunderten ereignet und in welchen die Juden bald in Tirnau, bald im Sä-roser Komitat, bald anderwärts Christenblut vergossen haben sollen. Präsident: Ich bin genöthigt, den Herrn Abgeordneten aufmerksam zu machen, daß wenn er hier, im ungarischen Parlament, aus Zeitungen und alten Büchern solche Dinge vorlesen wird, dies keineswegs Ungarn und dem ungarischen Parlament zum Lobe gereichen werde. (So ist's! rechts.) Ich bitte daher den Herrn Abgeordneten, seine Rede in dieser Richtung nicht fortzusetzen. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Geza Onody: Ich habe vom Herrn Ministerpräsidenten öfters gehört, daß zum Nachweis einer Behauptung .. . (Lärm. Hört, hört!) Präsident: Ich will die Redefreiheit des Herrn Abgeordneten nicht beschränken. Hier inr ungarischen Parlament herrscht das freie Wort; aber eben weil dieses herrscht, ist jeder Abgeordnete verpflichtet, dem Parlament Respekt entgegenzubringen und nur solche Dinge vorzutragen, welche auf dieses Parlament keinen Schatten werfen. Ich bin überzeugt, daß, wenn die Feinde des Vaterlandes — und es giebt deren viele — lesen werden, daß im ungarischen Parlament solche Dinge verkündet werden, das ganze Land den Schaden,, davon haben werde. Ich bitte den Herrn Abgeordneten,- er selbst möge die Redefreiheit in der Weise beschränken, daß er das Parlament mit - solchen Dingen verschone. (Lebhafte Zustimmung.) ' J Onody kommt dann auf das Kahal „eine geheimnißvolle mächtige Verbrüderung der'Juden" zu sprechen, wobei er abermals vom Präsidenten verwarnt wird, denn, sagt dieser, „Sie schaden damit Ungarns Reputation mehr als Ihnen selbst erwünscht wäre." (Lebhafte Zustimmung rechts.) "Göza Onody schließt damit, daß er keinen der. Anträge annehme, denn sie entsprechen seinen Ansichten nicht. Das Beste wäre, die russischen Juden in Palästina zu kolonisiren. Die Juden sind reich genug, um dem Sultan dieses Land abzukaufen. Zu einem solchen Zweck wäre Redner bereit, den russischen Juden den Durchzug durch das Land zu gestatten. . Ihm. antwortet Paul Somssisch. Er sägt n. A-: Der Vorredner brachte aus dem 14. und früheren Jahrhunderten Ereignisse vor und stellte sie als bewiesene Thatsachen dar. Und ich werde dem Herrn Abgeordneten nicht aus Büchern, Broschüren, Blättern, sondern aus den Archiven von Komitaten beweisen, daß es Hexen gab und allerlei Schaden anrichteten. (Lebhafter Beifall.) Im Archiv des Trecsiner Komitates habe ich gelesen, daß eine Hexe mit dem Teufel ein Liebesverhältnis hatte und eine solche Ueberschwemmung hervorrief, daß ganze Dörfer weggeschwemmt wurden. -(Lebhafter Beifall.) So ist's im Archiv zu lesen. Und ich frage, wird nicht Jeder jetzt im 19. Jahrhundert mit mitleidigem Lächeln und Trauer auf eine Zeit zurückblicken, da man solche Dinge als geschehen glaubte? (So ist's!) Uebrigens erkläre ich dem Herrn Abgeordneten im Namen der Religion, in der ich geboren und erzogen wurde: deren