Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1882)
- Date
- 1882-06-20
- Page
- Seite 416 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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„Wo ist Euer Mann?" frug ich. „„In Amerika — ich will ihn suchen."" — „Aber Amerika ist groß, in welcher Stadt lebt er?" — „„Ich denke in New-York!"" — „Das ist eine Welt, Ihr werdet ihn nicht finden!" — „„Ich hoffe zu Gott!"" sagte die arme Jüdin und drückte ihr Kind an's Herz. — Ein Herr Dr. St. trat hinzu und sagte: „Euer Kind ist zu zart für die Üeberfahrt, wir wollen es hier behalten und Pflegen, wenn es Euch gut geht, könnt Jhr's holen!" — „„Nit für ganz Berlin laß ich mein Kind!"" rief sie da mit blitzenden Augen und liebkoste das Kleine, — als wollte sie es beschützen. Allabendlich gegen 11 Ahr werden die Asylanten wieder zur Bahn gebracht und über Bremen und Hamburg weiter befördert.- Sie scheiden mit froher Zuversicht auf die Zukunft und mit warmen Dankesworten. — Ein ähnliches Berpflegungs-Comitö besteht in Eydtkuhnen. Ein Frauenhilfsverein in Wien. In Breslau haben drei Damen seit Monaten die Verpflegung der Auswandrer auf dem Bahnhofe übernommen. Als beim letzten Zuge eine Frau im Waggon gerade dei der Einfahrt in den Bahnhof entbunden wurde, leistete ihr dabei eine der Damen, Frau Direktor Lazarus, die Hilfe einer Hebamme. Die Frau wollte trotz ihres leidenden Zustandes weiter fahren, um sich von den ihrigen nicht zu trennen, wurde jedoch in's Hospital gebracht, und später nachgeschickt. Noch ist ein Durchzug von über 13,000 Flüchtlingen — nur aus Südrußland zu erwarten, wo sie in den Grenzstädten ihres Hab' und Guts beraubt, lagern. Möge die Mildthätigkeit der Mitbürgerinnen den Frauenhilfsverein und das Central-Comit6 auch ferner unterstützen, um den Unglücklichen die so nothwendige Hülfe zu spenden. Das'Comitö des Frauen-Hülfsverein besteht aus den Damen: Frau Lina Morgenstern, Vorsitzende; Frau Geh. Com.-Räthin Alvine Lachmann, 1. stellv. Vorsitzende; Frau Prof. Barth, 2. stellv. Vorsitzende; Frau Johanna Wollmann, 1. Schriftführerin; Frau Altmann, deren Stellv-; Frau Prof. Dr. Bernstein, Frau Landsburg, Frau Helene , Herrmann, Frau Hulda Blumberg, Frau Dr. Hildesheimer jun., Frau Johanna Breslauer, Frau Fanny Kalmus, Frau Franziska Leeser, Frau Emma Leeser, Frau Elise Michaelis, Frau Marie Naphtaly, Frau Emma Rahmer, Frau Rosalie Rosenberg, Frau Pulvermacher. Ehrendamen des Vereins sind alle Diejenigen, welchen Sammellisten anvertraut sind. Dieselben haben laufende Nummern und außer dem Namen der.Sammlerin den des Obmanns ihres Bezirks. Die Cedern des Libanon. Ueber diese altehrwürdigen Zeugen aus längst vergangenen Zeiten sind vielfach Jrrthümer verbreitet worden. Wir freuen uns deshalb, einen authentischen Bericht darüber vor uns zu Haben. Im Jahre 1875 bereiste Prof. Oskar Fraas den Libanon, um im Aufträge der türkischen Behörden die mineralogische Beschaffenheit des Gebirges zu untersuchen. Das Ergebniß war für die Wünsche jener nicht günstig. Wir entnehmen aber aus seinem Reisebericht (Stuttgart, Levy und Müller 1876) das Kapitel über die Cedern (S. 32 ff.). Unter den Cedern , 24. Mai 1875. Ganz abgesehen von dem Rufe der Heiligkeit, in den die Cedern des Libanon gekommen sind , abgesehen von dem uralten Ruhm dieser Bäume, den schon die Sänger des alten Bundes schufen, macht der Cedernhain bei Bscharreh einen ganz gewaltigen Eindruck, namentlich zur jetzigen Jahreszeit, wo derselbe eigentlich aus den riesigen Schneemassen, welche das Gebirge decken, als eine schwarze Insel hervortritt. Trotz der Höhe von 1930 Meter und - trotz des ringsum ( schmelzenden Schneefeldes fiel der Thermometer in der Nacht nicht unter 8° C., während eine gleichmäßige-, behagliche Tagestemperatur von 20« C. den Aufenthalt hier oben zum angenehmsten macht, den ich nur ungern wieder.mit der heißen Ebene am Meere vertausche. Den gestrigen Abend habe ich zu einer genauen Aufnahme des Cedernhames benützt und den heutigen Sonntagmorgen darin verträumt. Es steht der ganze Cedernwald auf Felsenschütt, dem Rest einer alten Moräne, die sich vom Fuß des Makmel in das Thal von Bescharreh hinabzog. Der Untergrund ist nicht etwa ein mit einem Schichtennamen zu bezeichnender Theib des Kreidegebirges, als vielmehr eine von dem-Gipfel des hohen Makmel herabgestürzte und an dessen Fuß von dem alten Gletscher gesammelte und weiter geschobene Schutt-, masfe, die in einander gebetteten Hügelreihen in der schmalen Thalebene liegt. Es ist hier derselbe Typus von Moränenlandschaft zu sehen, wie in Oberschwaben oder der Schweiz. Kleine, in die Länge gezogene Hügel, die neben und hintereinander sich reihen, je durch ein Thal getrennt, in welchem kein Wasserlauf sich befindet, sondern die. Regen und Schneewasser stehen bleiben, bis sie versinken oder verdunsten. Dort, wie hier, am Libanon, hat man, von der Höhe herabgesehen, Maulwurfshügel vor sich, die ohne scheinbare Regel da und dort entstanden sind, so wie auf alten Landkarten des-vorigen Jahrhunderts die Gebirge gezeichnet wurden. In der Hauptrichtung des Bscharrehthales, d. h. von West-Süd-West nach Ost-Nord-Ost, lagern sitz nun-zahllose Schutthügel, bald kleinere, bald größere, schmälere oder breitere, von welchen sieben solcher Hügel mit den Cedern bestockt sind; am Rande der sich gegen das Thal'hinziehenden Nächstliegenden Hügel