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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-20 · Heft 25 (20.6.1882) · p. Seite 417

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 25 (20.6.1882)
Date
1882-06-20
Page
Seite 417 (sequence 17)
Language
German
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417 stehen noch neun Stück vereinzelte Bäume; der Hauptwald ist auf die sieben Hügel beschränkt. Außer diesen in Nah und Fern keine Ceder mehr, in. nächster Nähe überhaupt kein Baum und kein Strauch , erst weiter unten in Bscharreh wieder Cypressen und Pappeln. Der Raum, auf dem die- Cedern wachsen, beträgt etwas mehr als 100,000 Quadratmeter, auf demselben stehen, genau durch Hossinger gezählt, 377 Stück: die vielen Zwillinge und Drillinge sind nur einfach gezählt. Die Bäume sind sammt und sonders alte, d. h. hundertjährige, und uralte, d. h. tausendjährige Bäume. Unsere Zelte stehen unter einem Baum, dessen Stamm in Brusthöhe 9,20 Meter Umfang hat. Aus demselben wachsen bei 3 Meter Höhe vier Stämme in die Höhe, um bei 10 Meter Höhe auseinanderzugehen und die gewaltigen Arme rechtwinkelig vont Stamme hinauszustrecken. Die Gesammthöhe des Riesenbaumes, der schon hundert Generationen des Menschengeschlechtsbeschattethat, beträgt jedoch kaum etwas über 30 Meter, denn alle Gipfel seiner Riesenäste sind von den Stürmen der Jahre abgerissen und ragen die zerfetzten Stummel, entzückend für einen Maler, herzbrechend für einen Forstmann, in die blaue Luft. Die Ceder, unter der ich diese Worte schreibe, gehört zwar zu den größeren, die größte, die aber an einem Felsenabhang eines der Hügel in der Nähe des maronitischen Kirchleins steht, mißt 13,§ Meter Umfang, dabei weitere zwischen 10 und 12 Meter. An einer in diesem Winter vom Blitz zerschmetterten, gegen 2 Meter dicken Ceder maß ich mit großer Sorgfalt die verschiedenen Jahresringe und fand im Mittel 4 Ringe aus 3 Millimeter. Dieß zu Grunde gelegt, sind alle die bezeichneten Bäume über zweitausend Jahre alt, und, wenn die dicksten auch die ältesten sind, der Riesenbaum beim Kirchlein über dreitausend. Junge Bäume giebt es nicht, denn die jüngsten haben zum mindesten 0,z Meter Durchmesser oder aber zum mindesten zweihundert Jahre. Eine Nachzucht giebt es nicht, namentlich sah ich trotz eifrigen Suchens keine einjährigen , dem ausfallenden Samen entsprossene Pflanzen. Ich glaube, es wird uns in Stuttgart eher gelingen, die Samen, die ich zahlreich mitbringe, aufgehen zu lassen als hier, wo neben unseren Pferden und Maulthieren auch die Ziegenheerden den Schutz der Cederbäume aufsuchen. Die schönen, d. h. vollkommenen Bäume sind es nur wenige, und nur da, wo sie im Grunde zwischen den Höhen stehen: eben hier am Nordende des Haines steht ein Exemplars dem die Stürme der Jahrhunderte noch kein Leid gethan, es ist wohl das Urbild einer Cedernschönheit, wie sie David einst geschaut hat. Bis.zu einer Höhe von 40 Meter baut sich der Baum wie in Stockwerken auf, der erste Stock legt sich bei 4 Meter um den astlosen runden Stamm, aber erst der zweite Stock ragt am weitesten ab vom Stamme und begrenzt somit den Raum, den die Ceder einnimmt. Acht oder, wenn man will, neun Stockwerke zähle ich an meinem Prachtexemplare im Thalgrunde, das letzte ist der schirmartige Gipfel, nicht größer als der Durchmesser des Stammes an seinem Grund. Solcher Exemplare sind es aber nur ganz wenige, den meisten hat der Sturm die Wipfel geknickt und die Hauptarme abgebrochen, an mehr als zwanzig Stürmen hat ein BlitzstMhl längs des ganzen Baumes seinen Namen eingeschrieben. Was der Mensch alles verwüstet hat, wer will es sagen? Thatsache ist, daß zahllose Namen fremder Besucher in das Holz gerade der ältesten Bäume eingegraben sind und zu diesem Zwecke fußlange Wunden in die Rinde der Ceder geschlagen werden. Thatsache ist ferner, daß an viele herrliche Bäume Feuer gelegt wurde und der Stamm halb oder zum Theil verkohlt ist. „Alle Bäume", erklärte mir allen Ernstes mein sonst nicht gerade rechtgläubiger Begleiter, „sind von Gott bei Erschaffung der Welt hierher gepflanzt worden, nicht mehr und nicht weniger, hierher gerade auf den Libanon, daß sie die Sündfluth Nicht verderbe, die bis hierher nicht heraufgereicht hat. Das Wunderbarste aber ist, daß, als Ibrahim Pascha vor vierzig Jahren Cedern fällen lassen wollte für seinen Palast in Kairo, und zu dem Zweck ein fremder Zimmermann hier ankam, beim ersten Axthieb in die Ceder die Hand des Zimmermanns verdorrte. Denn die Bäume sind heilige Bäume, eine ewige Erinnerung an den Tempelbau zu Jerusalem." So der allgemeine Glaube der Anwohner, welche darum keinen der Bäume fällen. Ich bin indeß anderer Ansicht und glaube vielmehr, daß die Anwohner die alten Riesenbäume darum nur schonen, weil sie mit ihren elenden Werkzeugen oder, besser gesagt, dem einzigen Instrument, das sie besitzen, einer gekrümmten Holzhappe, nicht im Stande sind, einen der Bäume zu fällen. Ich fand das gleiche im Osten des Libanon, wo die alten meterdicken Eichen stehen bleiben, während alles junge Holz geholt wird: es hat eben hier zu Lande das Institut der Forstschutzwächter noch keinen Eingang gefunden. Ich füge noch bei, daß der Boden, auf dem die Cedern stehen, weder mit Moos noch mit einer Grasnarbe bedeckt ist. Dagegen fängt es eben jetzt an zu sprossen und zu grünen auf dem schwarzen Humusgrund, wie es nach dem Schmelzen des, Schnees am Rande unserer heimathlichen Wälder sproßt. Blaue Anemonen, weiße, gelbe, und lichtblaue Scilla.und namentlich in zahlloser Menge Corydalis überdecken den Grund, der seit vierzehn Tagen vom Schnee befreit ist. Ueber Mannshöhe soll er diesen Winter hier gelegen und von dem Kirchlein nur der Glockenstuhl mit dem Glöcklein aus dem Schnee geragt haben. Schnee und Eis scheint zum kräftigen Gedeihen der Ceder zu gehören, entstammen sie doch wahrscheinlich selbst auch wie der Boden, auf dem sie wachsen, der vorhistorischen, glacialen Zeit, aus der sie in die Jetztzeit noch in den wenigen Exemplaren-herüberragen. - Sie kommen mir vor, wie noch lebende Mammuthe

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