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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-20 · Heft 25 (20.6.1882) · p. Seite 414

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 25 (20.6.1882)
Date
1882-06-20
Page
Seite 414 (sequence 14)
Language
German
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Laufe dieser Woche drei Sitzungen, deren Resultat gewesen, an Sir Oliphant die Mittheilung zu machen, daß das C C. nächste Woche die in Jassy gewählte definitive Commission für den Landankauf verständigen wird, sich bereit zu halten, ihre Abreise zu bewerkstelligen, um im. Einvernehmen mit dem edlen Sir endgiltig das Terrain für die erste Colonie zu acquiriren. Wir müssen gleichzeitig bemerken, daß wir die Etablirung von 200 Familien nicht überschreiten werden und Alles nur im Sinne der Statuten, Personen oder Familien, ohne Zustimmung des C. C. reisend und ohne früher die nöthigen Formalitäten in ihren respektiven Succursal-Comitös gemacht habend, werden, wenn auch mit großem Bedauern, unnachsichtlich in der Colonie nicht zugelassen. Wir wiederholen, und betonen dies, damit ja nicht Viele sich mit der Hoffnung wiegen, wenn sie sich später in der Colonie einstellen, wird man sie nicht refusiren. ywiy •p'ntD ahn. Es könnte sein, daß die erste Colonie nicht in Palästina installirt sein wird, wenn wir unter , bessern ConditionM tn| Syrien ankaufen können, da es uns nur daran gelegen ist,! unseren-Mitbrüdern ein Heim zu verschaffen, wo sie.zufrieden leben und 'gedeihen können. Ob dieses in Palästina oder in Syrien, am Libanon sein wird, thut der Sache keinen Abbruch. Unsere Auswandernden geben ja nur deshalb diesen Gegenden den Vorzug, weil sie in unserer Nähe stets sein wollen, weil sie, in Rumänien, an der Schwelle des Orient, gelebt, sich natürlich leichter und eher mit den Sitten und Gebräuchen des Orient vertraut machen werden, und nicht wie auf der andern Seite des Oceans erst Mühe, Entbehrungen und Enttäuschungen sich werden auferlegen müssen, um sich den dortigen Verhältnissen anzupassen, was wohl nach Jahren erst geschehen kann, und dann erst hat man mit großer Concurrenz in Amerika zu kämpfen, während all dies an der Küste des Mittelmeeres wegfällt. Diese ist in einigen Tagen von hier aus bequem erreicht upd mit geringen Kosten, da nach eingezogenen Informationen die Jnstallirung einer Colonie in Amerika fünfmal soviel in Anspruch nehmen würde, als an den Gestaden des Mittelmeeres." In weiterem ^Verlauf wird noch gegen die Ansiedelung in Amerika polei nnsirt, ohne wirkliche Thatsachen Vorbringen zu können. Ij e n i fl c t o n Der Fraileiihjttssoerem für russisch-jüdische Flüchtlinge in Berlin. (Aus der „Deutschen Frauen-Zeitung" von Lina Morgenstern.) Unter dem Namen Frauenhülfsverein für russisch-jüdische Flüchtlinge hat sich hier ein Verein gebildet, dessen Zweck es ist, dem hiesigen Verpflegungsverein und dem Centralcomito zur Hülfe für durchziehende, auswandernde russischjüdische Flüchtlinge durch Sammlungen und persönliche Thätigkeit beizustehen. Es haben sich zu diesem Zwecke Frauen in allen Bezirken vereinigt, um Mitglieder durch kleine Beiträge von mindestens 3 Mk. jährlich anzuwerben; die Hauptthätigkeit entwickelt der Frauenverein in dem seit 10 Tagen bestehenden Central-Asyl für russisch-jüdische Flüchtlinge Fruchtstr. 1, sowie auf den Bahnhöfen und in der Nähstube. Das Asyl ist miethsfrei von dem Wirth 'hergegeben. Es ist ein großes Gehöft, in welchem Speicher und Fabrikräume sich befinden. Einer dieser Speicher ist, nachdem einige Nothtreppen angelegt worden, zu Schlafsälen für 200 Männer, Frauen und Kinder hergerichtet. Reinliche Strohsäcke, Decken, und Heukissen bilden die Schlaflager , denen gegenüber Waschvorrichtungen angebracht sind. . Bei Tage werden diese Räume fortwährend gelüftet und desinficirt. In einem zweiten Speicher ist eine weite Speisehalle mit roh gezimmerten Tischen und Bänken, in einem dritten Speicher, ein sehr geordnetes Depot , der geschenkten Kleidungsstücke und Wäsche, deren Fülle, trotz täglicher Bekleidung von Hunderten, den Wohlthätigkeitssinn der Berliner charakterisirt. Auch Colonialwaaren und andere Lebensmittel findet man hier, wobei lobend zu erwähnen Ist, daß sich auch christliche Mitbürger an diesen Geschenken betheiligten, wie Kaufmann Lutze und Deike, Apotheker Markgraf, Droguist Schwarzlose u. a. m. In einem anderen Gebäude, das für die Mitwirkenden sehr unbequem und getrennt im Hofe liegt, befindet sich im 1. Stock die Küche und zu ebener Erde das Bureau. In letzterem sind stets eine größere Anzahl Herren vorhanden ,, welche permanenten freiwilligen Dienst haben, während das große Centralbureau sich weiter entfernt, in der Köpnickerstraße befindet. Die Herren gehören dem Vorstand des Verpflegunsvereins an. Sie haben die Aufgabe, bei jedem ankommenden Zuge auf der Schlesischen Bahn zu sein, um diejenigen Flüchtlinge zu empfangen, welche nicht von Brody durch das internationale Comito direkt nach Amerika expedirt werden, sondern die meist unangemeldet, zumeist mit den Morgen- Zügen um 6 Uhr 50 Min. hier von Eydtkuhnen eintreffen. Es sind deren bereits in 10 Tagen 900 von den betreffendest Herren vom Bahnhof nach ^.der Fruchtstraße überführt und dort 2 Tage verpflegt worden. Zuerst werden sie, ehe sie im Asyl ausgenommen, von einem der Aerzte, welche sich zu diesem freiwilligen Amt gemeldet, untersucht. Diese bestimmen, ob die Angekommenen gesund oder der Aufnahme in einem Krankenhause bedürfen. - Im letzteren Fall, was mehrfach be-

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